Google im Cockpit: Warum der Übergang zu Android Automotive für uns Fluch und Segen zugleich ist

Innenraum eines modernen Premium-Elektroautos. Die große Touchscreen-Konsole in der Mitte zeigt eine elegante Android-Automotive-Benutzeroberfläche mit Google Maps und einer aktiven Routenführung zu einer Ladestation für Elektrofahrzeuge
Quelle: KI-generiert mit ChatGPT
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Die Digitalisierung im Auto erreicht die nächste Stufe, und fast geräuschlos verabschieden sich immer mehr etablierte Autohersteller von ihren proprietären Infotainment-Systemen. Der Trend geht unaufhaltsam zu Android Automotive OS (AAOS), tief integriert mit den Google Automotive Services (GAS).

Was auf den ersten Blick wie ein riesiger Komfortgewinn für den Endkunden aussieht, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als strategisches Einfallstor für ein neues Zeitalter der Abo-Modelle im Fahrzeug. Aus technischer Sicht überrascht diese Entwicklung nicht, da die Autoindustrie händeringend nach neuen, wiederkehrenden Umsatzströmen sucht.

Google Maps schlägt jede In-House-Navigation – vorerst

Wer die Entwicklung aktueller Stromer in den letzten Jahren verfolgt hat, kennt das Elend mit den herstellereigenen Systemen. Schlecht programmierte Lade-Routenplaner, die ohne manuelle Vorkonditionierung des Akkus zu einer ungeeigneten Säule führen, oder ein unübersichtlicher App-Dschungel haben so manchen Roadtrip künstlich in die Länge gezogen.

Das dürfte viele Nutzer freuen: Mit der nativen Integration von Google Maps im Cockpit gehören diese Software-Aussetzer der Vergangenheit an. Die Routenplanung inklusive Ladestopps und Batterietemperierung funktioniert im Alltag schlichtweg fehlerfrei, da Google auf Echtzeitdaten von Millionen Smartphones zugreifen kann.

Allerdings bringt dieser Komfort eine spürbare Kehrseite mit sich. Die Autohersteller lagern die Software-Kompetenz an Big Tech aus und machen sich langfristig extrem abhängig. Zudem nutzen Marken wie Polestar, Volvo oder Renault die neue Plattform bereits, um ehemals kostenlose Konnektivitäts-Features nach einigen Jahren hinter einer Paywall zu verstecken. Wer dann die vertraute Google-Navigation oder Spotify direkt im Auto nutzen will, muss monatlich zahlen.

Das kalkulierte Risiko hinter den Lizenzgebühren

Hinter den Kulissen des Automotive-Marktes tobt eine wirtschaftliche Schlammschlacht um die Datenhoheit im Cockpit. Während der Volkswagen-Konzern mit seiner Software-Tochter Cariad Milliarden investiert hat, um eine eigene OS-Architektur zu entwickeln, kapitulieren immer mehr Konkurrenten vor den immensen Entwicklungskosten und lizenzieren Googles GAS-Plattform. Die Kosten pro Fahrzeug liegen hierbei schätzungsweise bei 40 bis 60 US-Dollar an reinen Lizenzgebühren, die an Google abgeführt werden müssen.

Um diese Kosten zu amortisieren und die schrumpfenden Margen beim Verkauf von Elektroautos im B- und C-Segment auszugleichen, etablieren die Hersteller die „Feature-on-Demand“-Infrastruktur. Über den Google Play Store im Auto lassen sich Funktionen per Over-the-Air-Update (OTA) freischalten – oder eben sperren. Für die Autokonzerne ist AAOS somit kein reines Betriebssystem, sondern primär ein hocheffizientes Abrechnungswerkzeug, um im margenstarken Software-Geschäft gegen asiatische Angreifer wie BYD zu bestehen.

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