Cariad zieht nach Berlin: Warum VWs neuer Software-Anlauf auf AOSP ohne Google setzt

seitliche Frontansicht eines blauen VW ID.3 Neo
Quelle: Volkswagen AG
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Die VW-Softwaretochter Cariad bündelt ihre gesamte KI- und Plattform-Entwicklung ab dieser Woche auf einem neuen Campus in Berlin. Die Eröffnung der Denkfabrik markiert den offiziellen Neustart nach jahrelangen Verzögerungen bei wichtigen Fahrzeuganläufen.

Das Management verbucht das bisherige Scheitern der ursprünglichen Pläne intern als notwendigen Lernprozess. Komplexe Konzernstrukturen blockierten zuvor die Vision eines komplett eigenständigen Betriebssystems.

Das AOSP-Fundament ohne Google-Dienste

Volkswagen nutzt mittlerweile das Android Open Source Project als technisches Fundament für die Infotainment-Middleware. Die Google Automotive Services bleiben bei dieser spezifischen Systemarchitektur komplett außen vor.

Der Autokonzern betreibt stattdessen einen eigenen digitalen App-Store für die Marken des Portfolios. Konzernchef Oliver Blume korrigiert damit den isolationistischen Kurs seines Vorgängers Herbert Diess durch gezielte Tech-Partnerschaften.

Technologische Kernpunkte der neuen Ausrichtung

  • AOSP-Plattformbasis (0% Google-Dienste): Cariad nutzt ausschließlich den offenen Quellcode zur Vermeidung digitaler Abhängigkeiten. Eigene App-Schnittstellen sichern die volle Datenhoheit.
  • Lokale OTA-Architektur (100% Inhouse-Code): Die Update-Fähigkeit künftiger Steuergeräte wird direkt in Berlin programmiert. Modulare Software-Architekturen verkürzen die Entwicklungszyklen deutlich.
  • Partnerschafts-Modell (+50% externe Kooperation): Oliver Blume forciert strategische Allianzen mit externen Tech-Giganten. Reine Eigenentwicklungen beschränken sich auf fahrrelevante Kernbereiche.

Die Konkurrenz agiert bei der Software-Integration deutlich schlanker. Mercedes-Benz setzt mit dem eigenen MB.OS auf eine proprietäre Chip-to-Cloud-Architektur. Volvo und Polestar integrieren hingegen das vollwertige Google Built-in inklusive aller Cloud-Dienste direkt ab Werk.

Der Verzicht auf die Google Automotive Services spart VW zwar Lizenzgebühren ein. Das System erfordert folglich aber enorme Investitionen in die Pflege des eigenen Ökosystems. Kunden bewerten proprietäre App-Stores im Vergleich zu nativen Google-Systemen oft als minderwertig. Cariad muss deshalb eine fehlerfreie Performance liefern, um die Abkehr vom Standard zu rechtfertigen.


Quelle: Tagesspiegel

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