Mercedes-Benz: Rückkehr der echten Tasten stoppt den Touch-Wahn

Mercedes-Benz zieht beim Bedienkonzept im Cockpit die Handbremse. CEO Ola Källenius räumt öffentlich ein, dass der Konzern bei der Digitalisierung der Fahrzeugelektronik über das Ziel hinausgeschossen ist. Für Autofahrer ist das eine überfällige Einsicht: Die Verdrängung klassischer Schalter durch verschachtelte Menüs auf Touchscreens hat die Verkehrssicherheit spürbar verschlechtert.
Lenkrad-Slider fallen durch: Haptik schlägt Touchscreen
Källenius stellt klar, dass es keine totale Rolle rückwärts zu überladenen Tastenwüsten geben wird. Die Kurskorrektur setzt dort an, wo die Sucherei im Untermenü während der Fahrt gefährlich wird. Ein erstes konkretes Beispiel zeigt der Wechsel am Lenkrad: Der unpräzise Touch-Slider für die Lautstärke weicht wieder einem physischen Walzenregler.
Wer bei 130 km/h erst auf ein Display tippen muss, um das Gebläse einzustellen oder den Ton leiser zu stellen, fährt sekundenlang im Blindflug. Eine haptische Taste lässt sich ohne Blickabwendung ertasten. Die Ergonomie gewinnt endlich wieder die Oberhand über den reinen Design-Fetischismus.
Euro NCAP setzt Autohersteller unter harten Sicherheitsdruck
Das Umdenken bei Mercedes-Benz entspringt keineswegs reiner Nächstenliebe für den Kunden. Neben massivem Kundenprotest baut vor allem die Prüforganisation Euro NCAP gezielten Druck auf. Ab 2026 erhalten Neufahrzeuge nur noch dann die maximale Fünf-Sterne-Sicherheitsbewertung, wenn essenzielle Funktionen wie Blinker, Warnblinker, Scheibenwischer, Notruf und Hupe über physische Bedienelemente angesteuert werden.
Die bisherige Praxis vieler Marken, selbst grundlegende Fahrzeugfunktionen tief in Software-Ebenen zu verstecken, wird damit zur strategischen Falle. Aus einem reinen Sparzwang bei der Produktion wurde ein handfestes Sicherheitsrisiko.
Hyperscreen bleibt: Die perfekte Mischung aus UI und Hardware
An der schieren Bildschirmdiagonale spart Stuttgart allerdings nicht. Großflächige Monitor-Landschaften wie der MBUX Hyperscreen bleiben fester Bestandteil der Design-DNA für kommende Elektro-Plattformen. Das ist kein Widerspruch, sondern der einzig logische Schritt für ein funktionales Cockpit.
Riesige Displays bieten exzellente Platzverhältnisse für Navigation, Multimedia und Sprachbedienung. Kritische Primärfunktionen gehören jedoch zwingend auf physische Tasten. Die Parallele zeigt sich im Konzernumfeld: Auch beim neuen Audi Q6 e-tron rücken wieder echte Tasten in die Mittelkonsole. Einen entgegengesetzten Weg wählt weiterhin das Tesla Summer Update, das rein auf Software-Optimierung setzt.

| Fahrzeug-Bereich | Bisheriges Konzept | Künftiger Ansatz bei Mercedes |
| Lenkrad-Steuerung | Kapazitive Touch-Flächen | Physische Tasten & Walzenregler |
| Sicherheitsfunktionen | Menü-Touch & Wischgesten | Physische Knöpfe (Euro NCAP konform) |
| Infotainment & Navi | Bildschirm & Untermenüs | MBUX Hyperscreen & Sprachsteuerung |
Pragmatismus gewinnt gegen künstlichen Minimalismus
Wer künftig ein Auto kauft, darf wieder auf durchdachte Ergonomie hoffen. Die Erkennungsrate moderner Sprachsteuerungen steigt zwar stetig, ersetzt aber bei Starkregen oder Hektik im Stadtverkehr keinesfalls den schnellen Griff zum Knopf. Wer sich für das Innenraumkonzept moderner Elektro-SUVs interessiert, sieht ähnliche Debatten beim Mercedes GLA als EQA-Nachfolger oder in unserer Marktübersicht zu den elektrischen Kompakt-SUVs.
Die Rückkehr zur physischen Taste ist kein Rückschritt, sondern der notwendige Triumph des praktischen Nutzens über ein übertriebenes Spar-Design.
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