Audi A2 e-tron: Diese „zufällige“ Sichtung ist ein schlechter Witz

Audi A2 e-tron Teaser
Quelle: AUDI AG
Verpasse keine News, folge mir auf WhatsApp, Mastodon oder Google News

Die Dänen haben anscheinend gerade richtig viel Freizeit. Da steht man ganz entspannt an zwei getarnten Audi-Prototypen in Kolonne, tippt lässig aufs Smartphone und filmt ein bisschen. Und damit auch wirklich der Letzte kapiert, was da parkt, prangt auf der Flanke brav ein riesiger Aufkleber: „Audi A2 E-tron Prototype“.

Leute, das ist kein Leak. Das ist kein versehentlicher Schnappschuss eines aufmerksamen Erlkönig-Jägers. Das ist eine astreine, durchgestylte PR-Inszenierung. Aber wisst ihr was? Wir beißen trotzdem an. Aus gutem Grund. Denn was da im hohen Norden so tun als ob, ist der wichtigste Audi der nächsten Jahre. Nicht der teure Q6 e-tron, nicht der schicke A6 Avant. Der A2 e-tron ist das Auto, mit dem Audi endlich wieder unter die 40.000-Euro-Marke will – und das ist längst überfällig.

Winglets statt Griffe: Clever kopiert oder Risiko?

Die auffälligste Neuerung betrifft die Türen. Klassische Bügelgriffe fliegen raus. Stattdessen verbaut Audi sogenannte Winglets an allen vier Türen, kombiniert mit einem kleinen Taster auf der Innenseite. Wer das schon mal gesehen hat: Ja, der Ford Mustang Mach-E macht das so, und auch der kommende Volvo EX60 setzt darauf.

Audi springt hier auf einen bestehenden Trend auf, und das ist im Prinzip völlig in Ordnung. Im tiefsten Winter, wenn die Karre mal komplett vereist ist, ist so ein festes Winglet zum Ziehen deutlich dankbarer als ein eingefrorener, bündig versenkter Hebel. Die spannende Frage bleibt trotzdem: Wie robust ist der elektrische Taster dahinter nach drei Jahren Streusalz, Schmutz und Dauerregen? Da bleibt eine gesunde Portion Skepsis angebracht.

Vom Alu-Kuriosum zum echten Kompakten

Der originale Audi A2 (gebaut von 2000 bis 2005) war ein echtes Kuriosum: Unter vier Meter lang, radikale Alu-Spaceframe-Bauweise, extrem spartanisch – damals ein kommerzieller Flop, heute ein absolutes Kultobjekt. Die Neuauflage bricht mit den alten Maßen:

  • Abmessungen: Der A2 e-tron wächst deutlich über die Vier-Meter-Marke. Das ist kein Kleinwagen mehr, sondern ein ausgewachsener Kompakter mit ordentlich Platz im Fond.
  • Optik: Das Design wirkt wie eine Mischung aus dem aktuellen Audi-Gesicht, einem VW ID.3 und der Statur eines Skoda Elroq. Das Heck fällt aerodynamisch steil ab – das ist zwar extrem effizient, wirkt für ein Familienauto aber fast schon zu kantig. Schön ist jedenfalls anders.
  • Die Basis: Unter dem Blech steckt die bekannte MEB-Plattform mit 400-Volt-Architektur. Das bedeutet bewährte, kostengünstige Massentechnik, aber eben auch kein Hypercharging wie bei der 800-Volt-Konkurrenz.

Audi flüstert bereits von Zielreichweiten von über 600 Kilometern für den großen Akku. Ob das realistisch ist? Selbst mit maximal optimierter Aerodynamik ist der MEB kein Effizienzwunder. Die 600-km-Marke im Alltag dürfte verdammt ambitioniert werden.

Der Preisdruck frisst die Premium-Hierarchie auf

Der A2 e-tron ist ein verdammt mutiges Wagnis. Warum? Weil die Elektromobilität die alte Marken-Hierarchie des Volkswagen-Konzerns gnadenlos auffrisst.

Bei den Verbrennern war die Welt noch einfach. Ein Audi A3 teilte sich zwar die MQB-Basis mit dem VW Golf, punktete aber mit aufwendigerer Dämmung, edleren Materialien und einem feiner abgestimmten Fahrwerk. Der saftige Premium-Aufschlag war spürbar. Bei einem Elektroauto der Kompaktklasse wird das verdammt schwer: Die Batterie – die teuerste Komponente überhaupt – kommt aus dem gleichen Regal. Der Elektromotor ist ein kompaktes Standardbauteil.

Der eigentliche Differenzierer ist heute die Software. Und genau da hat Audi in den letzten Jahren bekanntlich eher gestolpert als geglänzt. Der Innenraum wird dieses Auto entscheiden. Wenn Audi hier den Rotstift ansetzt oder die Kunden wieder mit halbgaren Touch-Slidern und verschachtelten Menüs quält, wird das Experiment scheitern.

Audi steht vor einem extrem engen Grat. Setzen sie den Preis zu hoch an, verlieren sie haushoch gegen den ID.3, den Cupra Born oder den Volvo EX30. Bepreisen sie ihn zu aggressiv, wildern sie im eigenen Revier des Q4 e-tron. Die inszenierte Show in Dänemark war jedenfalls der erste Testballon, um zu sehen, wie das Design im Netz ankommt. Man darf gespannt sein.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen.
Erfahre mehr in der Datenschutzerklärung von YouTube.

Google bevorzugte Quelle Schmidtis Blog Schmidtis Blog zu Deiner bevorzugten Quelle bei Google hinzufügen

Links mit einem * sind Partner-Links. Durch einen Klick darauf gelangt ihr direkt zum Anbieter. Solltet ihr euch dort für einen Kauf entscheiden, erhalte ich eine kleine Provision. Für euch ändert sich am Preis nichts. Danke für eure Unterstützung!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert