Autonomes Fahren: Tesla-Chef Elon Musk erneuert umstrittene Versprechen zu unüberwachtem FSD

Die Kluft zwischen Ankündigung und Realität ist beim autonomen Fahren nirgends so tief wie bei Tesla. Auf dem Smart Mobility Summit in Tel Aviv verkündete Konzernchef Elon Musk per Videoschalte aus Texas erneut, dass das unüberwachte System Full Self-Driving noch vor dem Jahreswechsel in den USA flächendeckend einsatzbereit sein werde. Wer die Entwicklung des Herstellers verfolgt, erlebt hier ein Déjà-vu. Musk verspricht seit gut elf Jahren unentwegt den endgültigen Durchbruch der autonomen Mobilität, nur um den Termin kurz darauf lautlos zu verschieben. Noch vor wenigen Wochen räumte er ein, dass unübersichtliche Kreuzungen, schlechte Fahrbahnmarkierungen und widrige Wetterbedingungen den Start auf frühestens Ende des laufenden Jahres verzögern. Nun folgt die prompte Kehrtwende vor internationalem Publikum.
Die nackten Zahlen der aktuellen Flotte untermauern die Skepsis der Branche. Laut Daten der Plattform Robotaxi Tracker bewegen sich derzeit lediglich rund 30 unüberwachte Tesla-Fahrzeuge auf öffentlichen Straßen, verteilt auf die texanischen Städte Austin, Dallas und Houston. Eine Skalierung von dieser Handvoll Testwagen auf ein landesweites Netz innerhalb weniger Monate erscheint unmöglich. Auch die Argumentation zur Sicherheit der Software wirft Fragen auf. In Tel Aviv sprach Musk von einem klaren Weg, um das System in Zukunft sicherer als den Menschen zu machen. Kurze Zeit vorher behauptete er auf seiner Plattform X, die Technologie sei bereits jetzt zehnmal sicherer als ein menschlicher Fahrer. Diese Widersprüche nutzt der Konzernchef strategisch. Vor Behörden und Entwicklern formuliert er die Technologie als ambitioniertes Zukunftsprojekt, während er das System bei juristischer Kritik an Unfällen als längst vollendete Tatsache darstellt.
Teslas eigene Statistiken halten einer wissenschaftlichen Überprüfung kaum stand. Die vierteljährlichen Sicherheitsberichte vergleichen Fahrten auf Autobahnen, den statistisch ohnehin sichersten Strecken, mit dem allgemeinen US-Durchschnitt, der auch unfallträchtige Landstraßen und Stadtgebiete umfasst. Zudem wertet Tesla nur Unfälle mit Airbag-Auslösung aus, während Behörden jeden polizeilich erfassten Blechschaden registrieren. Konkurrenten wie Waymo legen dagegen unabhängig geprüfte Daten vor, die reale Verkehrsbedingungen exakt abbilden.
Solange Tesla diesen Nachweis schuldig bleibt wird das unüberwachte FSD in Kundenfahrzeugen wohl noch lange eine Vision bleiben.
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