BYD: Feststoffbatterie 2027 nur als Erprobungsträger

BYD Sold State Battery
Quelle: CarNewsChina
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Ich habe mir das Carwow-Interview von BYD-Vize Stella Li aus Valencia genau angeschaut. Was die Managerin dort über die plangemäße Einführung der ersten hauseigenen Feststoffbatterie für 2027 verkündet, klingt im ersten Moment nach einem echten Paukenschlag. Bei genauerer Betrachtung bremst der Konzern die Erwartungen an eine schnelle Massenfertigung aber direkt wieder ab.

BYD ordnet das erste Fahrzeug mit der neuen Akkutechnik explizit als Erprobungsträger zur Technologievalidierung ein. Normale Endkunden werden den Wagen vorerst nicht beim Händler kaufen können. Modellnamen, exakte Batteriekapazitäten oder verbindliche Leistungsdaten behält der Hersteller in Shenzhen weiterhin unter Verschluss.

Chemische Evolution seit einem Jahrzehnt

Die chemische Evolution der Energiespeicher zieht sich bei den Chinesen bereits über ein Jahrzehnt hin. Schon 2016 startete die Vorforschung an sulfid- und oxidbasierten Systemen, bevor 2018 die strategische Entscheidung für die sulfidbasierte All-Solid-State-Route fiel. Laut den offengelegten Angaben der Tochtergesellschaft FinDreams Battery nutzt auch die aktuelle Testflotte diesen sulfidbasierten Weg.

Technisch verspricht der Wechsel spektakuläre Sprünge bei der Energiedichte. BYD peilt für die Zellen 400 Wh/kg an, was mehr als einer Verdopplung gegenüber der etablierten Blade-Batterie der zweiten Generation entspricht. Ein früherer Prototyp zeigte beim Staatlichen Automobilforschungsinstitut CATARC bereits eine kombinierte CLTC-Reichweite von 1.218 Kilometern und stellte damit einen neuen Rekord im Heimatland auf.

Die Blade Battery 2.0 mit Megawatt-Laden bleibt vorerst das Arbeitstier im Alltag – die Feststoffzelle soll das Niveau klar übertreffen, ohne den bisherigen Produktionsrhythmus zu sprengen.

Pilotlinie läuft, Großserie in Chongqing

Der industrielle Hochlauf erfolgt schrittweise und ohne überstürztes Tempo. In Pingshan bei Shenzhen betreibt das Unternehmen seit Februar 2026 eine 2-GWh-Pilotfertigung, die primär der Validierung von Zellprozessen sowie Fahrzeugtests dient. Die Ausbeute dieser Versuchsreihe liegt inzwischen bei über 90 Prozent.

Für die kommerzielle Skalierung stellt BYD im dritten Quartal 2026 die Weichen im Bezirk Bishan in Chongqing. Dort startet der Bau einer Großserie mit einer Kapazität von 20 GWh, deren erste Demonstrationsträger ab 2027 in Kleinstserie auf die Straße rollen. Statt den Breitensport zu bedienen, beschränkt sich der Einsatz zunächst auf wenige tausend Einheiten der Luxusmarke Yangwang.

Dieser vorsichtige Fahrplan entspricht dem Vorgehen der gesamten chinesischen Batteriebranche. Auch Konkurrenten wie CATL oder GAC peilen Kleinstserien für den Zeitraum 2027 bis 2028 an. Ein flächendeckender Einsatz in bezahlbaren Volumenmodellen steht nach aktuellen Brancheneinschätzungen erst nach 2030 an. Die Chery Rhino-Feststoffbatterie mit bis zu 1.500 Kilometern zeigt, wie eng der Wettbewerb um die nächste Zellgeneration bereits geworden ist – und wie lange der Weg zur Serienreife bleibt.

Level-3-Regeln und sichere Energiespeicher

Neben der Batteriechemie schnürt der Konzern das nächste Paket für automatisierte Systeme. Stella Li erwartet, dass die chinesischen Behörden im Juli 2027 verbindliche Regelungen für autonomes Fahren nach Level 3 in Kraft setzen. BYD arbeitet direkt in den entsprechenden Gremien an den Standards mit, um die eigene Modellpalette rechtzeitig vorzubereiten.

Das Zusammenspiel aus veränderten Sicherheitsregeln und neuer Zellchemie zeigt den Fokus der Branchenführer in China. Wer auf der Straße die Verantwortung an das Fahrzeug übergibt, braucht absolut verlässliche Energiespeicher im Unterboden. BYD baut sich dafür das Fundament auf, vermeidet aber tunlichst verfrühte Versprechungen für den Massenmarkt. Wer auf bezahlbare Stromer mit extremen Ladeleistungen hofft, muss sich die Ankündigungen genau im Kontext der Serienreife ansehen.

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