BYD Racco: Japans Kei-Car sucht Märkte für Rechtslenker

BYD bringt den Racco in weitere Länder. Das Elektroauto war eigentlich nur als Kei-Car für Japan gedacht, jetzt startet es am 9. Oktober in Sri Lanka, in Macau laufen die Bestellungen bereits. Damit wagt sich BYD mit dem Racco erstmals über Japan hinaus in Märkte mit Rechtslenkern vor. Ob der Schritt auch Europa erreicht, ist die eigentlich interessante Frage.
Kleinwagen mit Vorteilen großer Autos
Kei-Cars sind eine japanische Fahrzeugklasse, die im Grunde stark geschrumpfte Minivans sind. Sie müssen enge Vorgaben bei Größe und Leistung einhalten, dafür profitieren ihre Besitzer von Steuervorteilen. In bestimmten Regionen entfällt außerdem der Nachweis eines Stellplatzes. Bisher waren diese Autos meist Verbrenner. Der Racco zeigt, wohin die Reise geht: vollelektrisch.
Mit 3.395 Millimetern Länge, 1.475 Millimetern Breite und 1.800 Millimetern Höhe ist der Racco wirklich kurz. Trotzdem nimmt er vier Personen auf und bietet 280 Liter Kofferraum. Der Radstand von 2.520 Millimetern und der Wendekreis von 4,8 Metern helfen im engen Innenstadtverkehr. Vorn sitzt ein Motor mit 47 kW (63 PS), der genau an der Grenze liegt, die das Kei-Car-Regelwerk erlaubt. Mehr Leistung ist dort also nicht vorgesehen.
Zum Vergleich: Der ebenfalls neue Smart #2 fällt kürzer aus, ein Renault Twingo ist deutlich größer. Der Racco sitzt damit in einer sehr kleinen Größenklasse, die im Alltag vor allem für enge Städte gedacht ist.
Reichweite mit 35,84 kWh
Zur Wahl stehen zwei LFP-Akkus mit 22,4 und 35,84 kWh. Die kleine Variante kommt laut WLTC auf 210 Kilometer, die große auf 320 Kilometer. Damit ist der Racco das erste elektrische Kei-Car, das die 300-Kilometer-Marke nach WLTC überschreitet. Für ein Auto dieser Länge ist der große Akku beachtlich. Ich finde das technisch stark, auch wenn WLTC-Werte im Alltag selten genau erreicht werden.
Der Preis liegt in Japan bei 2,145 Millionen Yen, umgerechnet rund 13.600 US-Dollar. Der Absatz spricht bisher für das Konzept: BYD hat seit dem Markteintritt in Japan über 10.000 Fahrzeuge verkauft. Für den Racco nennt der Hersteller mehr als 2.000 Bestellungen seit dem Start vor zwei Monaten.
Rechtslenker zuerst, Europa später
BYD hat laut Bericht bei einem Händler in Hiratsuka angekündigt, die Nachfrage außerhalb Japans zu prüfen und Rechtslenker-Märkte zu bevorzugen. Als mögliche Kandidaten werden Hongkong und Großbritannien genannt. In Hongkong hat Suzuki mit Hustler, Jimny und Carry bereits eine Kei-Car-Basis aufgebaut. In Großbritannien hat Honda mit dem Super-N eine etwas größere und stärkere Variante des N-One auf den Markt gebracht. Ob BYD den Racco für diese Märkte ähnlich aufrüsten würde, ist offen.
Für Europa ist das der Knackpunkt. Die meisten EU-Länder fahren Linkslenker, und eine Rechtslenker-Version hilft dort nicht weiter. Eine Linkslenker-Variante ist bisher nicht angekündigt. Australien ist ebenfalls ein Rechtslenker-Markt mit wachsender E-Auto-Nachfrage, doch Mitsubishi hat den elektrischen eK X EV dort verworfen, weil die Homologationskosten zu hoch waren. Die Hürde liegt also weniger in der Technik als in der Zulassung. Solange sich die Vorschriften nicht ändern, dürfte der Racco Australien meiden.
China fällt laut Bericht ebenfalls weg. Dort dominieren Mini-Elektroautos für rund 10.000 US-Dollar wie der Changan Lumin oder der Wuling Mini EV. Mit seinem höheren Preis dürfte der Racco dort kaum Käufer finden.
Ich finde das Konzept spannend, weil es zeigt, wie klein ein Elektroauto sein kann, ohne bei der Reichweite stark zurückzustecken. Mich überzeugt aber nicht, dass ein Auto für einen Nischenmarkt so schnell in neue Länder soll. Im Moment ist der Racco ein Projekt für Japan, Sri Lanka und Macau. Ob Europa irgendwann dazukommt, muss sich zeigen.
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