DS N°7: Warum das Luxus-SUV an den eigenen Rädern scheitert

DS N°7
Quelle: DS Automobiles
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Der DS N°7 muss für den Stellantis-Konzern die Kohlen aus dem Feuer holen. Sein Vorgänger, der DS 7, zeichnete in Deutschland zuletzt für massive 70 Prozent aller Verkäufe der französischen Pariser Edelmarke verantwortlich. Um Privatkunden jenseits fester Firmenflotten zu erreichen, zieht Stellantis nun die Reißleine: Die Marke rückt operativ extrem eng an Citroën heran.

Das Ziel ist eine knallharte Verdreifachung des Händlernetzes und eine Verdopplung aller Servicestützpunkte. Meine ersten Fahreindrücke im rheinhessischen Weinberg-Umland zeigen allerdings: Ausgerechnet beim zentralen Markenversprechen – dem puren Entschleunigungs-Luxus – leistet sich der Stromer einen peinlichen Patzer.

Flüsterantrieb trifft Abrolllärm: Wo der Franzose patzt

Visuell fährt der 4,66 Meter lange Stromer selbstbewusst vor. Der Radstand wuchs um fünf Zentimeter auf 2,79 Meter, was den Fondpassagieren spürbar mehr Beinfreiheit verschafft. Die Front setzt auf die neue Lichtidentität mit dem beleuchteten Luminascreen-Grill und Light-Blade-Tagfahrlicht. Der aerodynamisch geglättete Aufbau erreicht einen cw-Wert von 0,26.

Der Innenraum ist ein echter Hingucker: Uhrmacher-Gravuren im Clous-de-Paris-Stil, gebürstetes Aluminium und zu 68 Prozent recyceltes Alcantara vermitteln Oberklasse-Flair. Die optionalen Lounge-Sitze punkten mit Massagefunktion, Belüftung und einem integrierten Nackenföhn, der an kalten Tagen die energieintensive Kabinenheizung entlasten soll.

Sobald der Wagen auf der Autobahn Fahrt aufnimmt, kippt das Bild jedoch gewaltig. Trotz serienmäßig verbautem Akustikglas an Front- und Seitenscheiben dringen überraschend deutliche Fahrgeräusche in die Kabine. Übeltäter sind die großflächigen 20-Zoll-Lyrae-Felgen, deren Abrollgeräusche ungedämpft im Innenraum dröhnen. Wer den bereits im Frühjahr enthüllten DS N°7 als flüsterleise Reiselimo eingeplant hat, erlebt hier eine Enttäuschung.

Reichweite vs. Ladefrust: Die 400-Volt-Plattform im Realeinsatz

Unter dem Blech nutzt der N°7 die STLA-Medium-Architektur. Der getestete Étoile E-Tense FWD leistet 169 kW (230 PS) bei 343 Nm Drehmoment – inklusive eines kurzzeitigen Boosts auf 191 kW, wenn die Batterie zu über 90 Prozent geladen ist. Der Sprint von 0 auf 100 km/h gelingt in 7,7 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 190 km/h. Das Stahlfahrwerk dämpft auch ohne die Aufpreispflichtige Active Scan Suspension absolut harmonisch.

Auf meiner 95 Kilometer langen Testrunde durch Rheinhessen verbrauchte der 73,7-kWh-Netto-Akku durchschnittlich 19,2 kWh auf 100 km. Bei zügigen Autobahnetappen ergibt das eine solide Praxisreichweite von rund 380 Kilometern.

ModellvarianteAkku (netto)Antrieb & LeistungWLTP-ReichweiteBasispreis
DS N°7 Hybrid PallasMildhybridFWD / 107 kW (145 PS)–47.700 €
DS N°7 E-Tense73,7 kWhFWD / 169 kW (230 PS)520 km56.300 €
DS N°7 E-Tense Étoile73,7 kWhFWD / 169 kW (230 PS)520 km62.650 €
DS N°7 Long Range97,2 kWhFWD / 180 kW (245 PS)740 km61.700 €
DS N°7 AWD97,2 kWhAWD / ca. 240 kWk. A.66.600 €

Beim Schnellladen hinkt Stellantis der 800-Volt-Konkurrenz hinterher. Die 400-Volt-Technik begrenzt den Peak auf 160 kW DC. Der Ladevorgang von 20 auf 80 Prozent dauert 30 Minuten. Die attraktive Long-Range-Version mit 97,2-kWh-Batterie und 740 km Normreichweite soll das Ladeplateau zwar besser halten, leidet im Konzernverbund jedoch unter den bekannten Batterie-Engpässen bei Stellantis. Immerhin: Ein 22-kW-AC-Bordlader ist für 700 Euro Aufpreis erhältlich. Ein Frunk fehlt allerdings völlig – die Ladekabel fliegen ungeordnet im 560 Liter fassenden Kofferraum herum.

Spurwechsel nach dem Zufallsprinzip: Software bleibt Stellantis-Sorgenkind

Im Cockpit überzeugt die Ergonomie: Ein dedizierter Taster an der Sitzkante führt direkt ins Sitzmenü, und ein zweisekündiger Druck auf die Favoritentaste knipst die nervigen EU-Geschwindigkeitswarner zuverlässig aus. Das Infotainment DS Iris 2.0 arbeitet auf einem 16-Zoll-Touchscreen flüssig und nutzt ChatGPT für die Sprachbedienung.

Das Desaster folgt bei den Fahrassistenten. Der DS Drive Assist 2.0 soll zwischen 70 und 140 km/h automatische Spurwechsel per Blinkerimpuls durchführen. Im Test agierte das System völlig unberechenbar: Einmal lenkte der Wagen brav rüber, beim nächsten Mal passierte trotz freier Bahn absolut gar nichts. Diese mangelnde Verlässlichkeit passt ins Bild der anhaltenden Software-Probleme bei den Stellantis-Marken.

Fazit: Der DS N°7 ist ein stilvoller, komfortabler Gleiter mit tollen Sitzen und hervorragendem Fahrwerk. Mit einem Testwagenpreis von 70.200 Euro lässt sich die Marke das Pariser Flair jedoch teuer bezahlen. Wer viel Langstrecke fährt, sollte zwingend zur 61.700 Euro teuren Long-Range-Variante greifen – und vorher testen, ob den eigenen Ohren das Abrollgeräusch der 20-Zoll-Räder zuzumuten ist.

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Ein Kommentar

  1. Ich fahre einen DS 7 e Tense opera BJ 2020, ein Fahrzeug mit meiner Meinung nach außergewöhnlicher Ausstattung, die da wäre: elegante und vor allen Dingen softe bequeme Sitze, bezogen mit hochwertigen Leder. Die exklusive B. R. M. Uhr, welche beim Startvorgang durch Drehung sich zeigt und dann die Lichtershow der Scheinwerfer, die funkelnd wie Edelsteine ebenfalls durch Drehungen brillieren. Auch der Großteil der Materialien ist hochwertig. Die Schalter sind eigenwillig gestaltet. Ja, ja alles was so Mancher nicht benötigt. Nicht schlimm, es gibt ja jede Menge Alternativen, die dies eben nicht haben. Dann fährt er noch smooth die Straße entlang. Es. soll noch ein paar Autofahrer geben, die genau diese Art der Fortbewgung schätzen. Harte Böcke gibt’s zur Genüge.
    UND: ausser dem jährlichen Service, zwar kein Sonderangebot, gab es keine Reparatur.
    Soweit zum Vorgänger. Der Neue Nr. 7, die Sitze nicht mehr so toll gepolstert und deutlich härter, die Türverkleidungen mit Mengen an Hartplastik ausgestattet, die Mittelkonsole mit einer für mich sich anfühlenden billigen Haptik und die Schalter aus dem Stellantis Baukasten. All dies schon Gründe den aktuellen nicht zu kaufen. Wenn ich nun vernehmen muss, dass die Fahrgeräusche noch deutlich vernehmbar sind, dann vermisse ich ganz deutlich ein Versprechen, hier ein Wagen mit Premium Anspruch vor sich zu haben.

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