Tesla: Geleakte Mails enthüllen FSD-Druck auf EU-Behörden

Tesla Model Y Standard
Quelle: Tesla, Inc.
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Die Enthüllungen zur europäischen Zulassungsstrategie von Tesla wiegen schwer. Eine globale Recherche der Nachrichtenagentur Reuters legt offen, wie der US-Autobauer die niederländische Kraftfahrzeugbehörde RDW unter Druck setzte. Hunderte Seiten behördlicher Mails aus sieben europäischen Ländern belegen Versuche, Prüfverfahren für Full Self-Driving (Supervised) abzukürzen, Kontrollen zu verhindern und die EU-Zulassung zu erzwingen.

Das Vorgehen folgt einem bekannten Muster: Maximaler administrativer und öffentlicher Druck, getarnt als technologischer Fortschritt. Doch die Unterlagen offenbaren eine gefährliche Schieflage. Statt die strengen Sicherheitsvorgaben der UN R-171 einzuhalten, wollte der Hersteller Umfang, Ablauf und Zeitplan der behördlichen Tests eigenmächtig diktieren.

Niederländische RDW als Hebel für ganz Europa

Die niederländische RDW nimmt in diesem Regulierungspoker die Schlüsselrolle ein. Nach dem europäischen Typgenehmigungssystem gilt die Entscheidung einer EU-Behörde grenzüberschreitend. Segnet die RDW ein System ab, müssen andere Mitgliedsstaaten diese Tests nicht wiederholen. Genau hier setzte die gezielte Einflussnahme an. Bereits im Sommer wurde deutlich, wie brisant diese Sonderrolle ist, als die mysteriöse RDW-Freigabe für EU-Debatten sorgte und Fragen zur Geheimhaltung von Prüfdaten aufwarf.

Die geleakten Mails zeigen, wie konkret der Konzern die Behörde bedrängte. Tesla forderte verkürzte Testreihen und protestierte offen gegen Kontrollen vor Ort. Das Unternehmen verlangte, dass ein RDW-Prüfer nicht persönlich bei Testfahrten anwesend sein sollte – eigene Firmenberichte müssten ausreichen. Zudem forderte das Management die Namen aller behördlichen Testfahrer an.

Druck auf Prüfer, Fan-Armeen und fragwürdige Daten

Parallel zur behördlichen Intervention setzte der Konzern auf die Öffentlichkeit. CEO Elon Musk stellte Verzögerungen bei der Zulassung als Gefahr für Menschenleben dar und rief seine Follower auf X zu Mail-Aktionen gegen EU-Behörden auf. Diese Methodik ist im europäischen Regulierungsrahmen beispiellos. Zumal die mehrfachen Terminverschiebungen der Zulassung verdeutlichen, dass der Autobauer eigene Zeitpläne nicht einhalten konnte.

Als Beleg für die Sicherheit reichte der Hersteller eigene Studien ein. Sieben unabhängige Verkehrssicherheitsforscher analysierten das Material für Reuters und fällten ein klares Urteil: Die Daten belegen keineswegs, dass FSD Unfälle oder Todesfälle reduziert. Sie basieren auf unvollständigen Statistiken und verzerrenden Vergleichen. Zudem zeigte eine belgische Feldstudie, dass FSD im Alltag regelmäßig Verkehrsregeln bricht.

Sicherheitsbedenken etwa zur Fahrerüberwachung oder der KI-gesteuerten Geschwindigkeitswahl wie beim Aus für den manuellen Max-Speed-Regler unterstreichen das Risiko unzureichender Prüfungen.

Behördliches Entgegenkommen gefährdet Vertrauen

Besonders bedenklich ist die Reaktion der Aufsicht. Laut Reuters kam die RDW dem Konzern in mehreren Punkten entgegen und wollte wesentliche Prüfdaten nicht veröffentlichen. Wenn Regulierer unter Konzerndruck Transparenz aufgeben, verkommt das europäische Genehmigungsverfahren zum Sicherheitsrisiko.

Dass die EU-Abstimmung zum FSD-Start kürzlich verschoben wurde, ist die folgerichtige Konsequenz. Solange unklar ist, ob Prüfberichte unter unzulässigem Druck entstanden, darf es keine Freigabe geben. Autonomes Fahren benötigt strikte, unabhängige Kontrollen – keine politischen Druckmittel aus der Firmenzentrale.

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