Kia EV2 im Alltagstest: 11,7 kWh schlagen die WLTP-Norm deutlich

Der neue vollelektrische Kia EV3 in Hellgrau auf einem urbanen Parkdeck. Das kompakte Elektro-SUV zeigt seine markante Front mit T-förmigen LED-Scheinwerfern vor einer Stadtkulisse
Quelle: KIA
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Der Kia EV2 zeigt nach einer intensiv absolvierten Testwoche ein völlig unerwartetes Gesicht. Statt der offiziellen 15,1 kWh pro 100 Kilometer nach WLTP-Norm meldet der Bordcomputer nach rund 400 Kilometern Alltagsbetrieb mit Stadtverkehr, Landstraßen und Autobahnetappen einen Verbrauch von schlanken 11,7 kWh.

Damit unterbietet der Einstiegs-Stromer mit der 42,2-kWh-LFP-Batterie nicht nur seinen bisherigen Ersteindruck, sondern beweist, wie effizient die Plattform bei späten Sommer-Temperaturen von 31 Grad im echten Leben wirklich arbeitet. Was diese Werte für die realistische Alltagstauglichkeit bedeuten und an welchen Stellen der kleine Koreaner trotz Spitzen-Verbrauch patzt, zeigt der Härtetest rund um Heidelberg.

Effizienz im Alltag: Wann sich der kleine LFP-Akku bezahlt macht

Wer bei einem Elektroauto mit 42,2 kWh Akku müde lächelt, wird beim Blick auf den Bordcomputer eines Besserem belehrt. Aus den gemessenen 11,7 kWh pro 100 Kilometer ergibt sich rechnerisch eine reale Reichweite von gut 360 Kilometern – und damit spürbar mehr als die nach WLTP versprochenen 317 Kilometer. Selbst wenn Kälte und Heizung diesen Wert im Winter drücken, liefert der EV2 genau die Effizienz, die man im Pendleralltag braucht. Kein Wunder also, dass der Kia EV2 mit der Basis-Batterie zum Verkaufsschlager avancierte.

Mit seinen 108 kW (147 PS) Leistung an der Vorderachse schiebt der rund 1,6 Tonnen schwere Stromer flott an und erledigt den Sprint von 0 auf 100 km/h in 8,7 Sekunden. Das Fahrwerk mit Verbundlenker-Hinterachse federt Querfugen und Straßenschäden erstaunlich erwachsen weg, stößt bei flotter Kurvenfahrt aber schnell an das Gripniveau der rollwiderstandsarmen Serienreifen. Im Innenraum überzeugen gut erreichbare physische Tasten am Lenkrad sowie eine direkte Stummschaltung für die nervigen EU-Tempowarner. Vermisst habe ich im Alltag lediglich das Head-up-Display, um Tempo und Navigationshinweise ohne Blickwechsel direkt im Sichtfeld zu haben.

Platzen im B-Segment: Wendig in der Stadt, eng beim Wocheneinkauf

Mit nur 10 Metern Wendekreis zirkelt der EV2 spielend durch enge Parkhäuser, leidet beim Rangieren jedoch unter seiner wuchtigen und unübersichtlichen Motorhaube. Die Rundumsichtkamera aus dem Assistenzpaket ist hier absolut essenziell, leidet bei Schmuddelwetter allerdings unter der eingesparten Reinigungsdüse an der Hecklinse. Auch beim Kofferraumvolumen müssen Kompromisse eingegangen werden: Zwar bietet der Viersitzer nominell bis zu 403 Liter, mehrere Getränkekisten bringen das Gepäckabteil beim Einkauf aber schnell an seine Grenzen. Erst bei umgelegter Rücksitzbank entsteht eine ebene Ladefläche mit echtem Stauraum.

Lade-Seitig fließen an der heimischen Wallbox dreiphasige 11 kW, was die Batterie in rund vier Stunden vollständig füllt. Wer keine eigene Lademöglichkeit besitzt, sollte die 990 Euro für den optionalen 22-kW-AC-Onboard-Lader investieren, da sich die Wartezeit an öffentlichen Ladesäulen so auf knapp 2,5 Stunden reduziert. Am DC-Schnelllader zieht der EV2 bis zu 118 kW und benötigt knapp 30 Minuten für den Hub von 10 auf 80 Prozent. Dass Kia hier auf bewährte Technik baut, verdeutlichte auch unser Kia EV3 im US-Test mit dem 400-Volt-System.

Ausstattung: Reicht das Basismodell im Alltag?

In der gefahrenen Ausstattung Earth samt Zusatzpaketen klettert der Preis des Testwagens auf 37.530 Euro – der nackte Einstieg startet bei 31.290 Euro. Das Sitz-Paket für 300 Euro mit seinen verschiebbaren Einzelsitzen im Fond ist genauso Pflicht wie das Winter-Connect-Paket (1.390 Euro) samt Wärmepumpe für die kalte Jahreszeit.

Bereits in unserem Kia EV2 Test zum günstigen Elektroauto zeichnete sich ab, dass der kleine Akku für die allermeisten Einsatzzwecke völlig ausreicht. Der EV2 beweist im Alltagstext eindrucksvoll, dass ein niedriger Verbrauch im B-Segment oft wertvoller ist als ein riesiger, schwerer Akku.

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