Ecosia: Eigener Webindex greift die US-Konkurrenz an

Dass grüne oder datenschutzfreundliche Suchmaschinen bisher selten ein komplett eigenes Web-Verzeichnis hatten, ist ein offenes Branchengeheimnis. Wer in Europa eine Alternative nutzte, bekam im Hintergrund fast immer nur aufbereitete Ergebnisse von Microsoft Bing serviert. Damit soll jetzt Schluss sein.
Zusammen mit dem französischen Partner Qwant hat Ecosia über das Joint Venture European Search Perspective nach Frankreich nun auch in Deutschland einen eigenen Webindex samt eigener Ranking-Algorithmen an den Start gebracht. Das ist kein reines PR-Projekt, sondern der erste ernsthafte Versuch, eine eigenständige Datenbasis für europäische Suchdienste und KI-Startups aufzubauen.
Denn am Ende entscheidet die Qualität des Index darüber, welche Webseiten in den Suchergebnissen auftauchen – und welche schlicht unsichtbar bleiben.
Milliarden-Kosten treffen auf Rückenwind aus Brüssel
Einen eigenen Webindex aufzubauen und rund um die Uhr aktuell zu halten, ist eine technische Mammutaufgabe. Es braucht riesige Serverkapazitäten, enorme Mengen Energie und extrem ausgefeilte Spam-Filter. Genau an diesem finanziellen und technischen Aufwand sind bisher fast alle europäischen Alternativen gescheitert.
Dass Ecosia und Qwant den Schritt ausgerechnet jetzt wagen, liegt an der Politik. Ecosia-Geschäftsführer Dr. Wolfgang Oels beruft sich dabei direkt auf den Digital Markets Act (DMA). Die EU-Kommission hat Google erst vor zwei Wochen verpflichtet, seine wertvollen Rankingdaten zu teilen.
Ohne diesen rechtlichen Hebel aus Brüssel wäre das Projekt finanziell kaum machbar. Der Datenvorsprung der US-Konzerne ist schlicht zu groß, als dass man ihn rein organisch mit ein paar Servern aufholen könnte.
Mehr Datenschutz, aber schlechtere Treffer zum Start?
Für Nutzer klingt das Versprechen verlockend: Eine Suchinfrastruktur, die strengen europäischen Datenschutzstandards entspricht und Suchergebnisse nicht nach den Werbeinteressen von US-Tech-Riesen gewichtet.
Zur Wahrheit gehört aber auch: Ein junger Index hat naturgemäß Lücken. Vor allem bei spezifischen Suchanfragen oder Nischenthemen wird der neue Algorithmus anfangs kaum mit den über Jahrzehnte verfeinerten Google-Ergebnissen mithalten können.
Ob die Nutzer diesen Qualitätsunterschied in der Übergangsphase akzeptieren, ist die entscheidende Frage. Wenn die EU-Kommission den DMA weiterhin konsequent durchsetzt, könnte hier allerdings das Fundament für eine echte europäische Alternative entstehen.
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