Norwegen: 97,6 Prozent Elektro-Quote killt den Verbrenner

Wer im Juli in Norwegen noch einen Neuwagen mit reinem Verbrennungsmotor gekauft hat, den muss man wohl mit der Lupe suchen. Von insgesamt 9.609 Neuzulassungen fielen laut den frischen Zahlen des norwegischen Straßenverkehrsrats (OFV) sagenhafte 9.379 Fahrzeuge auf reine Stromer. Das macht unterm Strich eine Elektro-Quote von 97,6 Prozent. In Regionen wie Østfold lag der Anteil sogar bei unfassbaren 99,5 Prozent.
Der klassische Verbrenner ist im Neuwagensegment damit faktisch tot. Und wer dachte, dass Elon Musk diesen Markt nach Belieben dominiert, wird beim Blick auf die Juli-Statistik erst mal schlucken.
Toyota holt die Krone, Xpeng legt um 161 Prozent zu
Ausgerechnet Toyota schnappte sich im Juli mit 1.260 Zulassungen Platz 1 im Markenranking. Treibende Kraft war der Toyota bZ4X mit 532 Einheiten als meistverkauftes Modell des Monats, dicht gefolgt vom Toyota Urban Cruiser (437 Einheiten). Wen überrascht es? Nach anfänglicher Skepsis gegenüber rein elektrischen Plattformen trifft Toyota bei der breiten Masse offenbar genau den Nerv für unaufgeregte Alltagsautos.
Dahinter folgt Volkswagen mit 485 ID.4, 260 ID.7 und 156 ID.3. Die eigentliche Überraschung liefert aber ein ganz anderer Player: Der chinesische Hersteller Xpeng schob sich mit 843 Verkäufen auf den dritten Platz – ein fettes Plus von 161 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Mal sehen, wie lange die europäischen Etablierten diesem Druck aus China noch gelassen zusehen können.
| Marke | Zulassungen Juli | Top-Modell im Juli | Kumuliert 2026 (YTD) |
| Toyota | 1.260 | bZ4X (532) | 9.972 |
| Volkswagen | 901 (Top 3) | ID.4 (485) | 8.149 |
| Xpeng | 843 | Diverse | k. A. |
| Tesla | 24 | Model Y / Model 3 | 14.413 |
Teslas Juli-Dämpfer ist nur eine Logistik-Falle
Dass Tesla im Juli bei mickrigen 24 Neuzulassungen landete, klingt im ersten Moment nach einem Absturz. Aber da muss man realistisch bleiben: Das ist der typische Quartals-Rhythmus, wenn die Transportschiffe aus den Werken noch unterwegs sind. Aufs ganze Jahr gesehen liegt Tesla mit 14.413 Fahrzeugen (+3,9 Prozent) weiterhin uneinholbar vorne.
Hinter den norwegischen Rekordzahlen steckt übrigens kein abruptes Verbrenner-Verbot. Die Politik hat bereits 2017 das Ziel ausgegeben, ab 2025 nur noch emissionsfreie Autos zuzulassen. Statt Zwang setzte man schlicht auf den Geldbeutel: Über saftige Steuern und Abgaben wurden Verbrenner ökonomisch so unattraktiv gemacht, dass kaum noch jemand freiwillig einen Benziner kauft.
„Die Zahlen für Juli zeigen, wie schnell sich die Wettbewerbslandschaft verändern kann, selbst wenn sich das Gesamtvolumen kaum bewegt“, bringt es Geir Inge Stokke, CEO des OFV, auf den Punkt.
Gebrauchte Stromer ziehen am Diesel vorbei
In den Daten versteckt sich noch ein zweiter, extrem wichtiger Meilenstein: Die Elektrifizierung erreicht jetzt vollends den Gebrauchtwagenmarkt. Bei den Halterwechseln legten E-Autos seit Jahresbeginn um 43,2 Prozent auf 103.892 Einheiten zu. Damit verkauften sich gebrauchte Stromer erstmals häufiger als gebrauchte Diesel.
Auch bei den leichten Nutzfahrzeugen lag der E-Anteil im Juli schon bei 61,4 Prozent. Dennoch machen E-Transporter bisher erst 10,6 Prozent und E-Lkw knapp 4,8 Prozent des tatsächlichen Bestands aus.
Da bin ich echt gespannt, wie das norwegische Stromnetz diesen Wandel auf Dauer wegsteckt. Der Neuwagenmarkt ist durch – jetzt beginnt der harte Knochenjob bei der Flotte und den Lkw.
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Die Gründe sind woanders zu finden:
– E-Autos bis 500000 Kronen sind bei der Anschaffung von der Mehrwertsteuer (25%!) befreit.
– Wegfall der Zulassungsteuer (die halt nur Verbrenner bezahlen).
– Geringere KFZ-Steuer.
– Vergünstigungen auf Mautstraßen und Fähren
– Sehr gut ausgebaute Ladeinfrastruktur
– Günstiger Strom
Fahr zB mal nach Tromsø und guck dich um. Die Leute, die dort einen Verbrenner fahren, wollen das so und können sich das leisten. Der Rest fährt elektrisch.
Und was das Stromnetz angeht, brauchst Du dir keine Sorgen zu machen. Solange man im Winter die Bürgersteige elektrisch beheizen kann, ohne dass das Netz in die Knie geht, sind ausreichend Reserven vorhanden.