E-Auto-Markt: Schmidt-Prognose schlägt VDA-Erwartung

KI-generierte Darstellung Tesla steht vor einem Haus und wird an einer Wallbox aufgeladen
Grafik: Schmidtis Blog
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Die neue Marktstudie des Analysten Matthias Schmidt bringt ordentlich Bewegung in die Branche: Für 2026 hebt der Branchenanalyst die Prognose auf 741.000 verkaufte Elektroautos in Deutschland an. Das entspricht einem Marktanteil von 25,4 Prozent am Neuwagenmarkt – und übertrifft die Zurückhaltung des Verbandes der Automobilindustrie, der zuletzt nur von 708.000 Einheiten und 24 Prozent ausging. Hinter dem Optimismus steckt vor allem eine Erwartung: Chinesische Hersteller und Tesla werden den deutschen Markt in der zweiten Jahreshälfte extrem aggressiv bespielen.

Der europäische Gesamtmarkt zieht ebenfalls an, wenn auch etwas verhaltener. Die Prognose für den E-Auto-Anteil in Europa steigt um 0,2 Prozentpunkte auf 25,1 Prozent, was 3,07 Millionen Fahrzeugen entspricht. Treiber bleiben anhaltend hohe Treibstoffpreise an den Tankstellen, die durch geopolitische Spannungen rund um die Straße von Hormuz verursacht werden. In Deutschland kletterten die Kraftstoffpreise im Juli erneut, nachdem der zweimonatige staatliche Rabatt von 17 Cent auslief.

Die tatsächlichen Auswirkungen auf den Neuwagenmarkt zeigen sich zeitversetzt, weil die Lieferzeiten in Europa durchschnittlich zwei bis drei Monate betragen. Der Gebrauchtwagenmarkt lieferte im Frühjahr erste Signale: In den Niederlanden verdoppelten sich die Zulassungen gebrauchter Stromer im März und April kurzzeitig, bevor sie wieder auf das Vorjahresniveau von rund sechs Prozent zurückfielen. Deutlicher wird die Lage bei Tesla: Der US-Branchenprimus verlängerte seine Lieferzeiten in Deutschland auf bis zu vier Monate, obwohl bisher wenige Wochen Standard waren.

Neue Dienstwagen-Regeln und Eigenzulassungen schieben an

Ein zentraler Beschleuniger ist die überarbeitete deutsche Kaufprämie. Diese orientiert sich am Haushaltseinkommen und gewährt Zuschüsse von bis zu 6.000 Euro. Im Gegensatz zu den Modellen in Frankreich und Großbritannien schließt die deutsche Regelung importierte Fahrzeuge nicht aus. Davon profitiert auch das in China gebaute Tesla Model 3.

Unternehmen sichern sich zusätzlich steuerliche Vorteile. Gewerbliche Käufer können E-Fahrzeuge über sechs Jahre degressiv abschreiben, wobei der Hauptteil des Steuervorteils im ersten Jahr greift. Gleichzeitig stieg die Obergrenze für die 0,25-Prozent-Versteuerung beim Dienstwagen-Sachbezug auf 100.000 Euro. Das begünstigt teurere E-Autos aus dem D-Segment, in dem BMW und Mercedes-Benz 2026 neue Modelle an den Start bringen.

Einen unterschätzten Hebel bilden die eigenen Mitarbeiterflotten der Autokonzerne. Laut Kraftfahrt-Bundesamt entfällt bei Volkswagen, BMW, Audi und Porsche etwa jede zehnte Neuzulassung auf das eigene Unternehmen. Attraktive Leasingangebote für Mitarbeiter bringen Stückzahlen und drücken zeitgleich die CO2-Emissionswerte der Flotte. Dass die Absatzzahlen im Premiumsegment steigen, belegen die Auftragsbücher der Hersteller. Die Nachfrage zieht spürbar an, was auch die aktuellen Entwicklungen rund um den BMW iX3 und dessen degressive Abschreibung im Flottengeschäft untermauern. Von den geplanten 100.000 Einheiten der neuen Generation wurden in Steyr bereits 50.000 Exemplare des iX3 für Europa produziert.

Zusätzliche Impulse kommen aus dem Jahr 2022. Damals sicherten sich viele Käufer die hohe Prämie von 9.000 Euro. Nach Ablauf der vierjährigen Leasingverträge kehren diese Kunden vor allem im vierten Quartal 2026 als Neuwagenkäufer an den Markt zurück.

Produkt-Welle und europäische Regelungen stützen das Wachstum

Auf der Produktseite rollen frische Modelle in den Markt. Mercedes-Benz startet die Fertigung des GLC Electric, dem die elektrische C-Klasse folgen soll. Volvo liefert ab Sommer den EX60 aus und peilt für 2026 rund 40.000 Einheiten an. Diese Modelle erschließen bisher kaum bediente Segmente und bringen der Region schätzungsweise 175.000 zusätzliche Verkäufe.

Automobilhersteller erhalten zudem Spielraum, da die Europäischen Union eine Mittelung der Flottenwerte zwischen 2025 und 2027 gewährt. Wie dringend die Branche diese Erleichterung benötigt, machten zuletzt die strikten EU-CO2-Flottenwerte und drohende Strafen deutlich.

Auch das europäische Ausland legt zu. In Großbritannien steigen die E-Auto-Zulassungen voraussichtlich um 26 Prozent auf 597.000 Fahrzeuge, was einem Marktanteil von 27,4 Prozent entspricht. Grund dafür ist die strengere ZEV-Quote. Der britische Electric Car Grant fördert E-Autos bis zu einem Fahrzeugpreis von umgerechnet 43.300 Euro, ausgezahlt direkt an den Hersteller. Zusätzlich stieg die Schwelle für den Expensive Car Supplement von umgerechnet 46.800 Euro auf 58.500 Euro. Damit umgehen Käufer eine Abgabe von jährlich rund 500 Euro, was auf fünf Jahre gerechnet 2.500 Euro spart.

Frankreich zog die dritte Phase seines Social-Leasing-Programms wegen hoher Spritpreise auf Juli vor. Das Programm stellt 50.000 E-Autos für einkommensschwache Haushalte bereit. Ein zweites Programm bietet weiteren 50.000 Fahrzeugen für Vielfahrer aus Pflege, Handwerk und öffentlichem Dienst Förderung. Bis 2030 sollen zwei Drittel aller Neuwagenverkäufe elektrisch sein, gestützt durch Produktionsziele von 400.000 Elektroautos ab 2027 und einer Million ab 2030.

Nordeuropa zeigt gemischte Dynamiken. Dänemark verzeichnet mit einem Zuwachs von 41,2 Prozent das stärkste Wachstum im Norden und zieht am Volumen von Norwegen und Schweden vorbei – trotz nur sechs Millionen Einwohnern. Norwegen und Dänemark verbleiben 2026 als einzige europäische Märkte mit über 50 Prozent E-Auto-Anteil. Dort sind vier von fünf Neuzulassungen rein elektrisch. Spanien, Italien und Griechenland verharren dagegen im einstelligen Prozentbereich und bremsen den Kontinent.

Günstige Einstiegsmodelle und künftige Lockerungen ab 2027

Die kommenden Jahre bringen erschwingliche Einstiegsstromer. Volkswagen bringt 2027 den ID.1 / ID. Up!. VW-Markenchef Thomas Schäfer setzt auf chinesische Komponenten sowie in Europa gefertigte LFP-Zellen, um die Akkukosten bis 2027 gegenüber 2023 zu halbieren. Renault führt den Twingo für unter 20.000 Euro ein, Dacia zieht mit einer Variante für 17.900 Euro nach. Auch Nissan plant den Pixo, während Ford ab 2028 Modelle aus einem Joint Venture mit Geely bringt, das mit 30 Prozent am Werk Valencia beteiligt ist.

Regulatorisch steht das Automotive-Paket der EU-Kommission im Raum. Es könnte das CO2-Ziel für 2035 gegenüber 2021 um zehn Prozent auf einen Zielwert von 11 Gramm pro Kilometer aufweichen. Flexibilitäten wie Banking und Borrowing sollen den Übergang zum 2030er-Ziel von 49,5 Gramm pro Kilometer erleichtern. Bei den Batteriekosten meldet die Internationale Energieagentur für 2025 einen globalen Rückgang um acht Prozent, warnt jedoch vor erneut steigenden Rohstoffpreisen bei Lithium und Kobalt.

Wie brisant eine Aufweichung der Vorgaben für die Verbrenner-Debatte ist, machte bereits 2024 der frühere BMW-Chef klar: Wenn die EU den Ausbau klimaneutraler Kraftstoffe nicht beschleunigt, kommt das einem Verbrenner-Verbot durch die Hintertür gleich.

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