Elektroauto-Steuer: Großbritannien kassiert ab 2028 pro Kilometer ab

Schräge Frontansicht des grauen Kia EV4 Hatchback Elektroautos. Das kompakte E-Modell der GT-Line zeigt seine markanten vertikalen LED-Scheinwerfer und futuristischen Alufelgen vor einer roten Gebäudefassade
Quelle: Kia
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Dass Staaten die E-Mobilität nicht ewig steuerfrei durchwinken, war abzusehen. Wer Straßen nutzt, muss zahlen – egal ob Benzin oder Strom im Tank steckt. Großbritannien macht jetzt als erstes großes Land Nägel mit Köpfen. Und was die Briten da auf den Weg bringen, ist der erste echte Praxistest für ganz Europa.

Tacho statt Zapfsäule: 3 Pence pro Meile

Das Steuerprivileg für Stromer fällt. Ab April 2028 greift im Vereinigten Königreich die sogenannte eVED (Electric Vehicle Excise Duty). Heißt im Klartext: Jeder gefahrene Meilen-Wert wird abkassiert. Reine Akku-Autos (BEVs) berappen 3 Pence pro Meile, Plug-in-Hybride kommen mit der Hälfte davon weg, also 1,5 Pence. Transporter und Busse lassen die Behörden vorerst in Ruhe.

Aus Sicht der Finanzminister ist der Schritt unumgänglich. Die Einnahmen aus der klassischen Spritsteuer brechen massiv ein und werden sich bis in die 2030er-Jahre halbieren. Irgendwoher muss das Geld für marode Straßen aber kommen. Das Loch im Haushalt ist einfach zu tief.

Für Käufer ist das natürlich ein Dämpfer. Der finanzielle Vorteil beim Unterhalt schrumpft auf einen Schlag spürbar ein. Kein Wunder, dass die Verbände auf der Insel sturmlaufen.

Kein GPS-Zwang: Der TÜV kontrolliert den Tacho

Das Positivste an der Geschichte: Der Staat verzichtet auf die große Überwachungskeule. Kein erzwungenes GPS-Tracking im Auto, kein Dauer-Tracing der Routen. Stattdessen setzt London schlicht auf Selbstauskunft bei der jährlichen Steuerverlängerung.

Schummeln bringt wenig. Spätestens bei der jährlichen Hauptuntersuchung – dem britischen TÜV-Pendant – wird der Tacho abgeglichen. Stimmen die Zahlen nicht, brennt die Hütte.

Das ist durchaus ein harter Schnitt. Seit 1920 gibt es die britische Kfz-Steuer in ihrer heutigen Form. Eine reine Kilometer-Maut für private Pkw ist ein echter Paradigmenwechsel. Und ein überraschend pragmatischer Kniff beim Thema Datenschutz.

Die 270-Euro-Rechnung für deutsche Garagen

Hier bei uns gilt die Steuerbefreiung für Stromer zwar noch stur bis Ende 2030, danach greift eine gewichtsbasierte Besteuerung. Aber machen wir uns nichts vor: Wenn Berlin sieht, dass das britische Modell funktioniert, landet der Entwurf schneller auf dem Tisch der Bundesregierung, als uns lieb ist. Der Ausfall der Energiesteuer tut dem Finanzministerium richtig weh.

Rechnen wir den britischen Tarif kurz auf deutsche Verhältnisse um. Bei der hiesigen Durchschnitts-Fahrleistung von 12.300 Kilometern im Jahr würde so eine Abgabe glatt 270 Euro zusätzlich kosten. Jedes Jahr.

Dass wir in Deutschland dauerhaft um so ein System herumkommen, glaubt hoffentlich niemand. Die Frage ist längst nicht mehr ob, sondern wann.

Der Staatshaushalt zieht den Stecker

Die Umstellung offenbart das grundlegende Problem der Energiewende im Verkehr: Das bisherige System der Infrastrukturfinanzierung bricht zusammen. Jahrzehntelang waren Tankstellen die verlässlichsten Steuereintreiber der Welt. Mit jedem Liter Benzin flossen flächendeckend Milliarden direkt in die Staatskassen – vollautomatisch und ohne Verwaltungsaufwand.

Wenn Strom jetzt zu Hause, beim Arbeitgeber oder am Schnelllader fließt, greift die alte Mechanik ins Leere. Das britische Modell zeigt, wie die Steuererhebung der Zukunft aussieht: weg vom Verbrauchsprodukt Kraftstoff, hin zur reinen Straßennutzung per Fahrleistung. Wer viel rollt, zahlt viel.

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