Peoples Pixel: Nordkoreas Pixel 8 Pro-Klon blamiert Google bei RAM und Kamera

Google Pixel 8 Pro
Quelle: Google
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Drei Jahre nach dem Launch des Pixel 8 Pro taucht ein Nachbau aus dem abgeschottetsten Tech-Markt der Welt auf – und der schlägt Googles Vorzeigegerät in drei Disziplinen, bei denen sich der Konzern seit Jahren nicht bewegt. 16 Gigabyte RAM. Makro-Fokus ab 15 Zentimetern. Ein entsperrter Bootloader. Ausgerechnet Nordkorea.

Das Ding heißt „Peoples Pixel“, sieht dem Original zum Verwechseln ähnlich – Kameraleiste, mattes Glas, Farbgebung, alles kopiert – und wurde vom YouTube-Kanal fenibook in einem Hands-on-Video zerlegt. Was dabei rauskam, ist mehr als eine Kuriosität. Es ist eine kleine Ohrfeige für Googles Produktpolitik.

Mehr RAM als Google – und das Pixel 11 wird’s wohl auch nicht richten

Der Klon steckt 16 GB Arbeitsspeicher und 256 GB internen Speicher in sein Gehäuse. Zum Vergleich: Jedes einzelne Pixel 8 Pro – egal ob 128-GB- oder 1-TB-Variante – kommt mit 12 GB RAM vom Band. Und das kommende Pixel 11? Gerüchteweise ebenfalls 12 GB in der Basis.

Ich nutzte mein Pixel 8 Pro seit dem Release-Tag ein ganzes Jahr lang. Und ja, 12 GB reichen für den Alltag. Aber „reichen“ ist nicht der Maßstab, wenn ein Nachbau aus einem Land ohne funktionierenden Halbleiter-Markt locker vier Gigabyte drauflegt. Das ist keine Ingenieursleistung. Das ist eine Prioritätenfrage. Google spart an der Stelle, weil der Tensor G3 und die Software-Optimierung den Unterschied angeblich rausreißen. Mag sein. Trotzdem fühlt sich das nach drei Jahren Stillstand an.

Der verbaute MediaTek Dimensity 7050 ist dabei alles andere als ein High-End-Chip. Im AnTuTu 11 erreicht er 365.693 Punkte – der Tensor G3 im Original kratzt an 800.832. Mehr als doppelt so viel. In GeekBench 6 sieht es ähnlich aus: Single-Core und Multi-Core gehen klar an Google. Rechenleistung ist also keine Kategorie, in der der Klon mitspielt.

Aber – und das nervt – der Dimensity bleibt unter Dauerlast spürbar kühler. Wer sein Pixel 8 Pro im Sommer als Navi benutzt oder länger filmt, kennt die Thermik-Problematik. Reddit ist voll davon. Ein 365.000-Punkte-Chip, der nicht zum Heizkissen wird, ist kein Sieg. Aber er hält Google den Spiegel vor.

Kamera: Wenn die Fälschung näher rankommt als das Original

Hier wird es absurd. Der Klon verbaut eine 50-MP-Hauptkamera von OmniVision (OV50H), einen 50-MP-Ultraweitwinkel, eine 32-MP-Frontkamera und – jetzt kommt’s – ein 50-MP-Periskop-Teleobjektiv von Samsung (S5KJN1) mit dreifachem optischem Zoom.

Das Teleobjektiv fokussiert ab 15 Zentimetern. Makro-Tauglichkeit. Das echte Pixel 8 Pro braucht für denselben Job fast einen Meter Abstand. Einen. Meter. Ich habe das selbst ausprobiert, als ich Produktfotos für den Blog gemacht habe. Du stehst da, hältst das Handy vor ein kleines Gadget, und das Telefon weigert sich scharfzustellen, weil du zu nah dran bist. Beim Peoples Pixel? 15 cm. Scharf. Fertig.

Keine Frage: Googles Computational Photography, die KI-Bildverarbeitung, der Nachthimmel-Modus – das spielt in einer anderen Liga. Ein 50-MP-Sensor ohne die Software-Magie von Google macht noch kein Pixel-Foto. Aber die reine Optik-Hardware in einem nordkoreanischen Klon? Die ist besser dimensioniert. Punkt.

Display: Hier gewinnt Google, aber der Klon trifft einen Nerv

Beim Bildschirm gibt’s keine Diskussion. 1080 × 2400 Pixel, nativ 60 Hertz – die Software gaukelt dem Betriebssystem 120 Hz vor, aber das Panel kann’s nicht. Das Original liefert 1344 × 2992 bei echten 120 Hz. Klarer Sieg für Google.

Allerdings: Der Klon setzt auf hochfrequentes PWM-Dimming. Wer empfindliche Augen hat und abends lange aufs Display starrt, kennt das Flimmern bei niedriger Helligkeit. Googles Panel ist da nicht gerade ein Augenschmeichler. Dass ausgerechnet ein Billig-Nachbau das Thema ernster nimmt, ist ein Detail, das mich stutzig macht. Kein Gamechanger. Aber ein Hinweis darauf, dass Google bei der Panel-Auswahl nicht immer die beste Wahl trifft.

Entsperrter Bootloader: Das eigentliche Politikum

Nordkoreanische Smartphones – Marken wie Arirang oder Pyongyang – sind normalerweise neu beschriftete China-Billiggeräte, vollgestopft mit staatlicher Überwachungssoftware. Geschlossenes System. Keine Freiheit. Kontrolle total.

Das Peoples Pixel kommt mit entsperrtem Bootloader. Theoretisch könnte man Pixel OS flashen und das Ding wie ein echtes Google-Phone nutzen. In einem Land, in dem schon der Besitz ausländischer Medien drakonisch bestraft wird. Ob das Gerät tatsächlich breit in Nordkorea verkauft wird? Meine persönliche Einschätzung: eher nicht. Das riecht nach Einzelstück, nach Prototyp, nach einem Video-Stunt. Aber der Entsperr-Bootloader bleibt als Fakt stehen – und als bizarres Kontrastprogramm zur sonstigen nordkoreanischen Tech-Realität.

Was ein Klon über Googles Hardware-Philosophie verrät

Der Peoples Pixel ist kein Angriff auf Google. Er ist ein Diagnosewerkzeug. Seit dem Pixel 6 setzt Google auf den eigenen Tensor-Chip – mit dem Versprechen, Software und Hardware perfekt zu verzahnen. Das klappt bei KI-Funktionen und Computational Photography hervorragend. Bei Rohleistung, Thermik und Speicherbestückung hinkt man der Konkurrenz hinterher. Ein MediaTek-Midrange-Chip, der kühler läuft, und ein RAM-Upgrade, das ein Nachbau aus dem isoliertesten Markt der Welt hinbekommt, legen den Finger genau in diese Wunde.

Der wirtschaftliche Hintergrund: Google kalkuliert beim Pixel hart. 12 GB RAM reichen für Android, also werden 12 GB verbaut. Jeder Dollar mehr frisst Marge. Der Klon hat diese Marge-Logik nicht – und zeigt, was möglich wäre, wenn man nicht jeden Cent umdrehen müsste. Ob der Tensor G6 im nächsten Pixel hier nachlegt? Ich bin skeptisch. Google hat die RAM-Frage seit drei Jahren nicht beantwortet. Warum sollte sich das ausgerechnet jetzt ändern?

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