VW Electric Urban Car Family: 70.000 Bestellungen – und warum das hinten und vorne nicht reicht

70.000 Vorbestellungen in wenigen Wochen klingen nach einem Triumph. Doch hinter dieser Hausnummer verbirgt sich ein viel größeres Spiel: Der Volkswagen-Konzern will mit der neuen „Electric Urban Car Family“ langfristig bis zu 800.000 Fahrzeuge pro Jahr verkaufen. Das ist kein kleiner Schritt. Das ist eine Wette auf Leben und Tod im kompakten Stromer-Segment.
VW ID. Polo & Co.: Der Haken an den 70.000 Vorbestellungen
Die Zahlen klingen auf dem Papier erst einmal stark. 70.000 Bestellungen verteilen sich auf die vier Modelle. Der VW ID. Polo schnappt sich davon 25.000 Einheiten – schlicht ein Drittel vom Kuchen. Ein Blick zurück ordnet die Woge ein: Vom größeren VW ID.3 lieferte Wolfsburg im gesamten letzten Jahr rund 60.000 Fahrzeuge in Europa aus. Der Skoda Elroq brachte es als kompakter Kraxler auf 70.000 Einheiten. Die neue kleine Flotte steht also schon vor dem Marktstart mit ähnlichen Zahlen im Buch.
Der Haken? Vorbestellungen sind keine echten Auslieferungen. Und Klicks im Konfigurator lassen sich stornieren.
Immerhin sinkt die Einstiegshürde. Der ID. Polo und der Cupra Raval sind ab sofort mit der kleineren 37-kWh-Batterie bestellbar. In der Schweiz geht der Einstieg beim ID. Polo ab 24.900 Franken los. Das ist eine Ansage. Beim Nutzwert zieht VW alle Register: Über 450 Liter Kofferraumvolumen schlagen den normalen Golf mühelos. Die große Batterie soll über 400 Kilometer Reichweite liefern, während das Schnellladen in 25 Minuten von 10 auf 80 Prozent flitzt.
800.000 Autos im Jahr: Warum VWs Traum an der SUV-Masse scheitert
800.000 Einheiten pro Jahr peilt der Konzern langfristig für die günstige E-Flotte an. Eine Zahl aus dem Schlaraffenland.
Selbst wenn zwei weitere Modelle von Skoda und Audi folgen, bleibt das Ziel absurd. Europa verlangt nach hochgebockten Karosserien. In den Top 10 der meistverkauften Stromer dominieren stur die SUVs: Tesla Model Y, Skoda Elroq, Skoda Enyaq, BMW iX1 und Kia EV3. Klassische Schrägheck-Kompakte spielen bisher kaum eine Rolle.
Genau deshalb hängt der Erfolg der ganzen Familie an einem Auto, das man noch gar nicht kaufen kann. Der VW ID. Cross feierte zwar Premiere, taucht aber erst im Herbst im Konfigurator auf. Als kompakter Crossover trifft er den Geschmack der Masse exakt. Er wird das meistverkaufte Modell im Quartett werden. Marktlogik. Ohne ihn sind die 800.000 Stückzahlen schlicht Science-Fiction.
MEB-Plattform im Überlebenskampf: Warum VW den Kleinwagen-Massenmarkt erzwingen muss
Hinter der bunten Modelloffensive steckt knallharte betriebswirtschaftliche Notwehr. Die Gewinnspannen bei kompakten Stromern sind extrem dünn. Zudem drücken Rivalen aus China wie MG und europäische Konkurrenten wie Renault mit Kampfpreisen in den Markt.
Geringe Akkugrößen wie die 37-kWh-Variante reduzieren zwar die Materialkosten, reichen aber nicht aus. VW braucht schiere Masse. Nur wenn die MEB-Plattform in riesigen Stückzahlen über das Band läuft, sinken die Einkaufspreise für Batteriezellen und Bauteile massiv. Die angestrebten 800.000 Autos im Jahr entstehen nicht aus Übermut, sondern aus reinem Überlebenswillen in der Elektro-Ära.
Schmidtis Blog zu Deiner bevorzugten Quelle bei Google hinzufügen
Links mit einem * sind Partner-Links. Durch einen Klick darauf gelangt ihr direkt zum Anbieter. Solltet ihr euch dort für einen Kauf entscheiden, erhalte ich eine kleine Provision. Für euch ändert sich am Preis nichts. Danke für eure Unterstützung!
