Ferrari Luce: 40-Millionen-Auktion als PR-Ablenkung?

Ferrari Luce
Quelle: Ferrari
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Wer geglaubt hat, dass die traditionelle Ferrari-Kundschaft beim Anblick eines rein elektrischen Fünfsitzers schockiert die Brieftasche zudrückt, hat die Rechnung ohne das Auktions-Parkett in Monterey gemacht. Bei RM Sotheby’s wechselte das sogenannte „Chassis 0“ des Ferrari Luce für unbegreifliche 40 Millionen US-Dollar den Besitzer.

Damit ist das Einzelstück aus der Tailor-Made-Abteilung offiziell der teuerste Neuwagen, der jemals unter den Hammer kam. Dass die Summe zu 100 Prozent an die gemeinnützige Ferrari Foundation wandert und die Auktionatoren auf ihr Aufgeld verzichteten, ist ein geschickter Schachzug. Ein Schelm, wer böses dabei denkt: Nach der verhaltenen Börsenreaktion und der Kritik am Design nach der Mai-Enthüllung brauchte Maranello genau dieses Signal der Stärke.

Tailor-Made-Exzess: Was 40 Millionen Dollar wirklich kaufen

Wer hier einen normalen Serienwagen vermutet, liegt falsch. Das versteigerte Unikat rollt in der Sonderlackierung Madreperla Semi-Gloss vor, die je nach Lichteinfall stufenlos zwischen Grün und Violett schimmert. Sämtliche sonst schwarzen Anbauteile wurden durch den Spezialton Grigio Corvara ersetzt. Dazu kommen massive 23-Zoll-Räder vorne und 24-Zoll-Räder hinten, kombiniert mit Innenraumleder im Ton Perla Le Mans.

Der Haken an der Sache? Der anonyme Käufer darf den Wagen nicht einmal direkt nach Hause nehmen. Das Fahrzeug wandert erst einmal zurück ins Stammwerk nach Maranello zur finalen Abstimmung. Die Auslieferung erfolgt erst im ersten Quartal 2027 – also Monate nach dem geplanten Marktstart der regulären Kundensportler Ende 2026.

Jony Ives Formexperiment trifft auf 30.000 U/min

Optisch bleibt der viertürige Stromer, den Ex-Apple-Designer Jony Ive und sein Studio LoveFrom eingekleidet haben, eine harte Nuance für Marken-Puristen. Doch unter der Hülle ziehen die Italiener technisch alle Register. Eine 122-kWh-Batterie speist ein 880-Volt-System, das vier Elektromotoren ansteuert. Die beiden vorderen Einheiten drehen mit wahnwitzigen 30.000 U/min und leisten 210 kW, während die Hinterachse mit 620 kW anschiebt.

In Summe drückt der Luce 1050 PS (772 kW) und ein unfassbares Raddrehmoment von 7.750 Nm auf den Asphalt. Der Sprint von 0 auf 100 km/h ist nach 2,5 Sekunden erledigt, der Topspeed liegt bei über 310 km/h. Bei der Ladeleistung verspricht Ferrari 10 bis 80 Prozent in 23 Minuten und eine WLTP-Reichweite von mehr als 530 Kilometern.

Der Alltagstest in China wird die Wahrheit offenbaren

Trotz der Rekordsumme auf der Auktion steht dem Luce sein eigentlicher Stresstest noch bevor. Die Stammkundschaft in Europa rempelt weiter gegen das Design und den fehlenden V12-Sound. Der eigentliche Zielmarkt heißt China – und genau dort weht ein eiskalter Wind.

Chinesische Luxus-EVs bieten bei Infotainment, Fahrerassistenz und Ladeinfrastruktur teilweise modernere Architekturen für einen Bruchteil des Luce-Basispreises von 550.000 Euro. Ob das Wappen auf der Haube und die schiere Leistung ausreichen, um Kunden dauerhaft von Fernost-Stromern wegzulocken, muss der Luce ab Ende 2026 im Alltag beweisen. Die 40-Millionen-Auktion war eine gelungene Show – mehr aber auch nicht.

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