Geely: Volvo-Werke sollen EU-Strafzölle aushebeln

Heckansicht des Geely E5
Quelle: Geely
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Ab 2028 will Geely höherpreisige Modelle aus dem eigenen Markenportfolio in europäischen Volvo-Werken bauen lassen. Was nach Konzern-Klein-Klein klingt, hat einen knallharten wirtschaftlichen Kern: Es geht um die EU-Strafzölle auf chinesische Elektroautos, die seit Oktober 2024 gelten und die Geely-Gruppe mit einem Aufschlag von rund 18,8 Prozent zusätzlich zum regulären 10-Prozent-Einfuhrzoll treffen. Wer in Europa statt in China produziert, umgeht diese Zollschraube komplett.

Zum Vergleich: SAIC wurde mit rund 35,3 Prozent bestraft, BYD kam mit knapp 17 Prozent noch glimpflich davon. Für ein Fahrzeug im gehobenen Preissegment wie einem Zeekr summiert sich das schnell auf mehrere tausend Euro Aufschlag pro Auto. Genau diese Rechnung dürfte hinter der Ankündigung stecken, nicht die PR-Formel von „Kundennähe“.

Der eigentliche Grund: Strafzölle, nicht Kundennähe

Volvo hat diesen Weg bereits vorgemacht: Der EX30, gebaut im chinesischen Zhejiang, wurde ab 2025 zusätzlich im belgischen Gent produziert – offiziell zur Versorgungssicherheit, inoffiziell explizit auch, um die EU-Zölle auf China-Importe zu umgehen. Genau dieses Muster überträgt Geely jetzt auf die eigenen Premiummarken.

Zeekr oder Lynk & Co – wer bekommt den Zuschlag?

Zum börsennotierten Autobereich von Geely gehören neben der Kernmarke auch Zeekr und Lynk & Co, beide gelten als Kandidaten für „höherpreisige“ Fahrzeuge. Der Zeekr 001 wird bislang komplett im chinesischen Ningbo gefertigt, eine Verlagerung nach Europa würde neben dem Zollvorteil auch Lieferzeiten von aktuell mehreren Monaten auf wenige Wochen drücken.

Lynk & Co ist dabei der spannendere Fall, weil die Marke in Gent längst keine Unbekannte ist: Dort läuft bereits das Modell Lynk & Co 01 auf derselben CMA-Plattform vom Band wie der Volvo XC40. Die Fertigungslinie existiert also schon, es müsste im Zweifel nur die Stückzahl hochgefahren werden – ein deutlich günstigerer Einstieg als ein komplett neues Werk für Zeekr aufzubauen.

Volvo steckt in der Krise – und braucht die Auslastung

Für Volvo kommt das Angebot zur Unzeit passend: Der schwedische Hersteller hat 2025 sein „100 Prozent elektrisch bis 2030“-Ziel kassiert und strebt jetzt nur noch 90 bis 100 Prozent elektrifizierte Antriebe (inklusive Plug-in-Hybride) an. Parallel musste CEO Jim Rowan seinen Posten räumen, seither steht mit Håkan Samuelsson wieder der Mann am Steuer, der Volvo schon zwischen 2012 und 2022 geführt hat – ein klares Signal für Konsolidierungskurs statt Wachstumseuphorie.

Mehr Fahrzeuge pro Werk bedeuten in dieser Lage schlicht bessere Fixkostenverteilung. Das neue Werk in Košice in der Slowakei, das mit der EX30- und EX60-Fertigung an den Start gehen soll, zeigt zudem, dass Volvo ohnehin gerade seine europäische Kapazität massiv ausbaut – zusätzliche Aufträge aus dem eigenen Konzern passen da ins Bild, statt es zu stören.

Was das für Käufer in DACH wirklich bedeutet

Für Kunden in Deutschland, Österreich und der Schweiz zählt am Ende weniger das Werksschild als der Preis am Ende der Kette. Fallen die Strafzölle durch europäische Fertigung weg, kann das ein Zeekr-Modell schlicht mehrere tausend Euro günstiger machen als die aktuell aus China importierte Version – das ist der konkrete Alltagseffekt hinter der Konzernmeldung.

Bei Flotten und Dienstwagen zählt zusätzlich das CO2-Argument: Kürzere Transportwege aus europäischer Fertigung verbessern die Klimabilanz in der Beschaffung, was bei öffentlichen Ausschreibungen und Großkunden ein handfestes Kriterium ist. Für Privatkäufer bleibt der Effekt eher indirekt, aber über stabilere Lieferzeiten und weniger Wechselkurs-Zittern trotzdem spürbar.

Mehr Kalkül als Kulturbruch

Dass ein chinesischer Mutterkonzern seine schwedische Tochter als Werksbank für die eigene Konkurrenzmarke nutzt, klingt zunächst nach Drama. Bei Lynk & Co ist es in Gent aber längst gelebte Praxis, und bei Volvo selbst mit dem EX30 hat der Konzern das Zoll-Umgehungs-Muster bereits vorgeführt. 2028 wäre damit weniger ein Bruch als die konsequente Fortsetzung einer Strategie, die längst läuft – nur eben jetzt mit einem festen Zieljahr und größerem Modellportfolio.

Fest steht bislang das Zieljahr 2028 und die Ausrichtung auf höherpreisige Modelle, offen bleiben Marke, Modell und exakter Standort. Wer die Entwicklung im größeren Rahmen verfolgen will: Der Zoll-Druck auf chinesische Hersteller trifft aktuell praktisch jeden Anbieter, der nach Europa will, und zeigt sich auch daran, wie aggressiv Newcomer wie der Xpeng Mona L03 gerade um jeden Preisvorteil kämpfen.

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