BMW i3 NA8: China bekommt die Limousine, die wir nie sehen

BMW i3 2026
Quelle: BMW
Verpasse keine News, folge mir auf WhatsApp, Mastodon oder Google News

Während BMW in Europa gerade erst den Vorverkauf für die Neue Klasse anschiebt, zeigt der Konzern in China auf der Chengdu Auto Show längst die nächste Ausbaustufe: den i3 NA8, eine Langversion des neuen Elektro-Sedans mit deutlich mehr Radstand. Und ja, der Name ist verwirrend, weil BMW ihn schon mal für den quietschbunten Elektro-Hatchback verbraten hat. Aber genau das ist der Punkt: Der Vorgänger stirbt endgültig, der Nachfolger übernimmt den Namen – und bekommt in China gleich eine komplett eigene Karosserie-Variante spendiert, die Europa nie sehen wird.

Gezeigt wird der Wagen in Le Castellet Blau mit M Sportpaket und schwarzen Felgen, und optisch macht das Auto ziemlich viel her. Der eigentliche Unterschied zum globalen „NA0“-Modell steckt aber im Blech: längere Fondtüren, mehr Glasfläche, spürbar mehr Beinfreiheit hinten. Wer in China ein Premium-Elektroauto kauft, sitzt traditionell lieber hinten als vorne – Mercedes und Audi fahren dort seit Jahrzehnten mit gestreckten „L“-Varianten vor, und BMW zieht jetzt konsequent nach.

Die Zahlen: 108 Millimeter, die den Unterschied machen

BMW nennt für den NA8 einen Radstand von 3.005 Millimetern (118,3 Zoll) – satte 108 Millimeter (4,2 Zoll) mehr als beim internationalen i3, den Europa und die USA bekommen. Zur Einordnung: Das ist ungefähr der Sprung, den man sonst zwischen zwei kompletten Fahrzeugklassen erwartet, nicht innerhalb ein und desselben Modells. Wer in Deutschland also glaubt, „sein“ i3 sei schon großzügig geschnitten, bekommt hier eine Ansage aus Fernost, wie großzügig es wirklich geht.

Im Innenraum zeigt BMW Kunstleder-Sitze im Castanea-Look und das neue 3D-Head-up-Display, das räumliche Navigationsanzeigen direkt in die Windschutzscheibe projiziert – ein Feature, das ab Werk auch in der Neuen Klasse für Europa kommen soll, nur eben nicht zwingend zum Marktstart. Der Kofferraum fasst beim internationalen Standardmodell 420 Liter, dazu kommt dank der eigens entwickelten Elektro-Plattform ein Frunk mit 31 Litern vorne. Ob der NA8 wegen des längeren Radstands abweichende Werte bekommt, hat BMW noch nicht bestätigt – aber bei mehr Platz zwischen den Achsen wäre zumindest im Fond noch etwas rauszuholen gewesen.

Neue Türgriffe: Wenn Regulierung schneller ist als Design

Das unscheinbarste, aber praktisch relevanteste Detail: Der China-i3 bekommt klassische, herausziehbare Türgriffe statt der komplett flächenbündigen Optik, die BMW ursprünglich geplant hatte. Grund ist eine neue chinesische Sicherheitsvorschrift, die komplett flush verbaute Griffe faktisch verbietet – vermutlich, weil sie bei Stromausfall oder nach einem Unfall schwerer zu greifen sind als klassische Griffe. Das ist eine Last-Minute-Anpassung, die zeigt: Selbst ein Konzern mit BMWs Entwicklungsbudget muss sich dem Regulator beugen, wenn der kurz vor Serienstart die Spielregeln ändert.

Die Debatte ist nicht neu. Tesla, Rivian und mehrere chinesische Hersteller stehen seit Jahren wegen genau dieses Problems in der Kritik, weil versteckte Türgriffe bei Rettungseinsätzen wertvolle Sekunden kosten können. Dass China hier jetzt regulatorisch durchgreift, könnte ein Vorbote dafür sein, dass Europa und die USA früher oder später nachziehen – ein Thema, das über den i3 hinaus für die ganze Branche relevant wird.

M-Logo ohne M-Power: Reine Show, aber kein Zufall

Ein zweites Detail sorgt für Verwirrung: In den Hofmeister-Knick am hinteren Dachpfeiler ist ein beleuchtetes M-Logo eingelassen. Wer jetzt ein M-Performance-Modell erwartet, wird enttäuscht – der gezeigte Wagen ist ein ganz normaler i3 40 xDrive mit M Sportpaket, kein M50 oder Ähnliches. BMW deutet aber an, dass M-Performance- und vollwertige M-Varianten „eher früher als später“ folgen. Die Logo-Platzierung jetzt schon ist reines Teasing – Marketing-Vorgeschmack auf das, was noch kommt, verpackt als unscheinbares Design-Detail für die, die genau hinschauen.

Preis-Frage: Unter dem iX3, aber wie weit?

Zur Preisgestaltung des i3 NA8 schweigt BMW noch, aber eine Hausnummer lässt sich ableiten. Der technisch eng verwandte iX3 40L xDrive startet in China bei 299.900 Yuan (umgerechnet rund 44.600 US-Dollar bzw. 38.100 Euro). Limousinen positionieren sich bei BMW traditionell unterhalb ihrer SUV-Pendants, der i3 NA8 dürfte also darunter liegen. Kommt zusätzlich eine günstigere Heckantriebs-Version namens „30“, müsste die sogar unter die 269.900 Yuan (etwa 40.000 Dollar) des iX3 30L rutschen.

Zum Vergleich: Der aktuelle i3, den es in China seit 2022 gibt und der noch auf der alten CLAR-Plattform des auslaufenden 3er Li basiert, startet bei 278.000 Yuan (rund 41.400 Dollar). Realistisch bleibt der Neue-Klasse-Nachfolger preislich in ähnlicher Region – alles andere wäre im aktuellen chinesischen Preiskampf gegen Xiaomi SU7, Nio ET5 und Zeekr 007 kaum durchsetzbar. BMW kann sich dort keinen Aufpreis-Fehltritt leisten, dafür ist der Markt zu hart umkämpft.

Einordnung: Kluger Schachzug, aber kein Selbstläufer

Dass BMW in China auf Langversionen setzt, ist keine Überraschung – das machen Mercedes und Audi seit Ewigkeiten genauso. Bemerkenswert ist eher, wie konsequent BMW die Neue Klasse global durchdekliniert: erst der iX3 als SUV-Opener, jetzt die Limousine gleich in zwei Radstand-Varianten, während in Europa noch nicht mal die Standardversion ausgeliefert wird. Das zeigt, wie ernst der Konzern den chinesischen Markt nimmt – und wie sehr er dort unter Druck steht, gegen Xiaomi, Nio und Zeekr nicht den Anschluss zu verlieren.

Ob Europäer neidisch auf die längere China-Version schielen sollten? Eher nicht – unsere Straßen, Parkhäuser und Garagen sind einfach anders dimensioniert. Aber dass BMW die technische Substanz (Plattform, Antrieb, Software) global identisch hält und nur die Karosserie lokal anpasst, ist strategisch klug. Ob das am Ende auch preislich aufgeht, bleibt die eigentlich unbequeme Frage – und die wird sich erst in ein paar Monaten beantworten lassen, wenn BMW die Zahlen für den chinesischen Markt final bestätigt.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen.
Erfahre mehr in der Datenschutzerklärung von YouTube (öffnet in neuem Tab).

Google bevorzugte Quelle Schmidtis Blog Schmidtis Blog zu Deiner bevorzugten Quelle bei Google hinzufügen

Links mit einem * sind Partner-Links. Durch einen Klick darauf gelangt ihr direkt zum Anbieter. Solltet ihr euch dort für einen Kauf entscheiden, erhalte ich eine kleine Provision. Für euch ändert sich am Preis nichts. Danke für eure Unterstützung!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert