Google Health: Das zähe Ringen um die verlorenen Fitbit-Features

Google erfindet radikal neu, streicht dabei liebgewonnene Funktionen und baut sie Monate später scheibchenweise wieder ein. Wer die Fitbit-App nutzt, kennt dieses frustrierende Spiel seit der Übernahme durch den Suchmaschinen-Riesen. Mit dem neuesten Update auf Version 5.03 korrigiert Google nun endlich ein paar der ärgsten Design-Sünden des großen Redesigns vom Mai – doch der Kompromiss zeigt, wie schwer sich der Konzern mit einer runden Nutzerführung tut.
Ein leergeräumtes Dashboard bekommt endlich wieder Substanz
Als Google im Mai die Fitbit-App offiziell in Google Health umbenannte und zeitgleich den schlanken Tracker Fitbit Air vorstellte, war der Aufschrei in der Community groß. Das neue Interface sah zwar schick aus, war im Alltag aber unbrauchbar leer. Ich stand morgens oft genug vor meinem Pixel-Phone und musste mich mühsam durch Untermenüs tippen, um einfache Werte wie die Hauttemperatur zu sehen.
Das Update auf Version 5.03 bringt nun 13 schmerzlich vermisste Kacheln für den „Heute“-Tab zurück. Nutzer können sich jetzt Daten wie den Blutzucker, die Sauerstoffsättigung (SpO2) oder die Herzfrequenzvariabilität wieder direkt auf die Startseite pinnen. Es ist auffällig, dass Google erst den Zorn der langjährigen Nutzer brauchte, um zu verstehen, dass Gesundheitsdaten von schnellem Zugriff leben.
Der absurde Haken bei der neuen Nickerchen-Erkennung
Die zweite große Neuerung betrifft das Schlaf-Tracking. Google Health erkennt nun automatisch Nickerchen ab 20 Minuten Dauer. Was im ersten Moment logisch und überfällig klingt – die Konkurrenz von Samsung und Apple kann das seit Jahren –, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als halbgare Software-Architektur.
Die Kehrseite der Medaille: Diese aufgezeichneten Tagschläfchen fließen zwar in die gesamte 24-Stunden-Schlafbilanz ein, werden aber nicht auf den primären Schlafwert der vergangenen Nacht angerechnet. Das sorgt für eine verwirrende Fragmentierung innerhalb der App. Wenn ich mich sonntags für eine halbe Stunde aufs Ohr lege, ist das im Alltag wichtiger als gedacht für meine Erholung, wird hier aber in zwei verschiedenen Töpfen verwaltet.
Zusätzlich behebt das Update kleinere Fehler bei Schwimm-Workouts und korrigiert falsche Höhenmeter-Angaben bei der Synchronisation mit Strava. Das Update rollt ab sofort für Android und iOS aus, wobei Apple-Nutzer einige Funktionen erhalten, die auf Android schon länger aktiv sind.
Das langsame Sterben einer Kultmarke für das große Daten-Ökosystem
Der Umbau von Fitbit zu Google Health zeigt die langfristige Plattform-Konsolidierung im Silicon Valley. Google hat Fitbit damals nicht wegen der Hardware gekauft, sondern für die algorithmische Expertise und die Millionen sensiblen Datensätze. Dass die Marke Fitbit nun schrittweise unsichtbar wird, ist der logische Schlussstrich unter eine jahrelange Integration, die vor allem ein Ziel hat: Apple Health auf Augenhöhe Paroli zu bieten. Doch während Apple seine Health-App als konstantes Werkzeug pflegt, leidet Google unter seiner typischen Krankheit, funktionierende Apps für den optischen Neustart erst einmal zu kastrieren.
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