Hyundai verkauft das Tacho zum Aufpreis – Pleos Connect spaltet die Cockpits

Der August-Report von Motor1 brachte einen überraschenden Fakt ans Licht: Hyundai macht ausgerechnet beim neuen digitalen Kombiinstrument Schluss mit der Serie. Die flache 9,9-Zoll-Anzeige, auf der Fahrer Geschwindigkeit, Fahrdaten und Navigationsinformationen ablesen, ist bei den Basisversionen des Ioniq 3 und Elantra nicht mehr Standardausstattung. In Südkorea verlangt der Konzern für dieses Element extra Geld – beim Elantra sind das 350.000 Won, umgerechnet rund 255 Euro. In Großbritannien geht der Ioniq 3 nur ab der zweiten Ausstattungslinie mit einem Fahrerdisplay an den Start. Ein bewusster Schachtzug, um die Einstiegspreise künstlich niedrig zu halten.
Das nervt auf mehreren Ebenen. Gleichzeitig zeigen die offiziellen Pressebilder der Fahrzeuge durchweg Varianten mit Instrumentenanzeige – erst ein Blick in die Online-Konfiguratoren offenbart, dass Basismodelle diesen Bildschirm gar nicht haben. Das ist Marketing-Täuschung mit Ansage. Während die Industrie sonst eher das Gegenteil tut und immer riesere Touchscreens ins Cockpit quetscht, wird hier eine der grundlegendsten Schnittstellen zwischen Fahrer und Fahrzeug zum Luxus erklärt. Der Schritt wirkt zugleich widersprüchlich: Hyundai baut beim Ioniq 3 ein innovatives Infotainment-System namens Pleos Connect mit bis zu 14,6-Zoll-Zentraldisplay ein, das auf Android Automotive OS basiert und mit neuen Sprachassistenten sowie nativer Google-Maps-Integration punktet. Die Software-Seite ist Premium, die Fahrer-Information bleibt Sonderausstattung.
Die neue Pleos-Strategie des Konzerns
Das ist kein Zufall, sondern System. Hyundai führt die Pleos-Plattform derzeit schrittweise in seine gesamte Modellpalette ein. Im Flaggschiff Grandeur misst der zentrale Touchscreen bis zu 17,9 Zoll. Beim Elantra und dem neu angebotenen Ioniq 3 sind es je nach Ausführung 12,9 oder 14,6 Zoll. Auch der kommende Tucson setzt auf diese Technik. Der Konzern plant, das System bis Ende des Jahrzehnts in rund 20 Millionen Fahrzeugen einzusetzen. Kia und Genesis sollen danach ebenfalls profitieren. Als möglicher erster Kia mit der neuen Plattform gilt der für 2027 erwartete nächste Sportage.
Das zeigt: Pleos ist nicht das Problem. Es ist eine durchdachte Software-Lösung, die im Ioniq 3 beweist, dass Hyundai endlich verstanden hat, wie echte Bedienergonomie funktioniert – mit klassischen Tasten für Klima und Audio statt verschachtelter Touch-Menüs. Das Problem liegt in der Kostenrechnung: Um den anvisierten Basispreis von unter 30.000 Euro zu halten, wird überall gespart. Das digitale Kombiinstrument ist eines der leichtesten Kostenziele.
Der absurde Kompromiss
Hyundai verzichtet damit nicht vollständig auf ein Kombiinstrument. In den Basisversionen bleibt immerhin noch eine analoge oder analoge-digitale Mischform. Aber genau hier zeigt sich der Widerspruch: Wer ein Auto mit riesigem Touchscreen kauft, braucht doch auch eine ordentliche Fahreranzeige, um nicht ständig auf den Zentralscreen blicken zu müssen. Das ist klassische Usability. Der bisherige Standard war: zwei getrennte Bildschirme, beide digital. Hyundais neuer Standard scheint zu werden: ein Mega-Screen im Zentrum, die Fahrer-Info optional.
Das funktioniert bei Premium-Marken wie BMW oder Audi, wo man Tachometer durch Head-up-Display kompensiert. Bei einem 30.000-Euro-Fahrzeug ist so eine Lösung unrealistisch. Stattdessen zwingt Hyundai Kunden entweder, eine höhere Ausstattungslinie zu wählen oder einen Aufpreis zu bezahlen – was den vermeintlichen Vorteil des günstigen Basispreises sofort zunichte macht.
Kias und Genesis folgen
Damit geht Hyundai einen ungewöhnlichen Weg in Zeiten der fortschreitenden Digitalisierung. Während die meisten Hersteller Displays vergrößern und verdichten, wird hier eine grundlegende Fahrzeug-Schnittstelle zum Extra. Hyundai darf sich zumindest darauf zugute halten, dass der Konzern nicht vollständig auf Bedienelemente verzichtet – physische Schalter bleiben für häufig genutzte Funktionen erhalten. Das unterscheidet den Ansatz wohltuend von BMW und Mercedes, die Touchscreen-Wahnsinn betreiben.
Ob die Strategie aufgeht, wird sich zeigen. Mit rund 20 Millionen geplanten Fahrzeugen bis 2030 setzt Hyundai allerdings ein breites Zeichen: Pleos Connect wird das neue Standard-Betriebssystem des Konzerns. Und offenbar auch das neue Standard-Sparmaßnahmenbündel.
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