MG 07: 845 km, LiDAR, Porsche-Face – für 16.200 Euro

Ab August steht der MG 07 bei den chinesischen Händlern. Vorverkauf läuft. Fünf Varianten. Einstieg: umgerechnet 16.200 Euro. Und ich sitze hier, starre auf die Datenblätter und denke mir: Okay, SAIC meint es ernst.
Kein Konzept. Keine „Studie für den Heimatmarkt, mal schauen, was Europa sagt“-Nummer. Eine fertige Limousine, die aussieht wie ein Porsche Taycan nach einer Xiaomi-Diät, und die BYD Seal und Tesla Model 3 nicht umtanzt, sondern frontal angeht. Das ist kein Nischenprodukt mehr. Das ist ein Angriff mit Ansage.
Und wer steckt dahinter? SAIC Motor. Chinas größter staatlicher Autobauer. MG ist deren Exportmarke, seit 2007. Das heißt: Die bauen nicht irgendwas zusammen und kleben ein britisches Heritage-Logo drauf. Die haben Infrastruktur, die haben Volumen, die haben CATL als Batterielieferanten auf Kurzwahl. Das ist ein anderer Schnack als bei den hundert Startup-Marken, die jedes Jahr auf der Shanghai Auto Show aufpoppen und zwölf Monate später pleite sind.
Fünf Preise, ein Muster – und ein LiDAR für Golf-Geld
Die Variantentabelle spare ich mir als Prosa, das wird sonst unlesbar. Kurz:
| Variante | Preis (Yuan / ca. €) | Batterie | Reichweite (CLTC) | Leistung |
|---|---|---|---|---|
| MG 07 Basis | 125.900 / 16.260 € | 67 kWh | 650 km | 176 kW (236 PS) |
| MG 07 LiDAR | 135.900 / 17.550 € | 67 kWh | 650 km | 176 kW (236 PS) |
| MG 07 Mid | ~145.900 / ~18.850 € | 91 kWh (CATL) | ~750 km | 235 kW (315 PS) |
| MG 07 High | ~155.900 / ~20.130 € | 91 kWh (CATL) | ~800 km | 235 kW (315 PS) |
| MG 07 845 | 165.900 / 21.430 € | 91 kWh (CATL) | 845 km | 235 kW (315 PS) |
Die Mid- und High-Stufen sind interpoliert, SAIC hat die nicht offiziell einzeln bestätigt. Aber das Muster ist klar.
Was mich wirklich kurz schlucken ließ: Ab Stufe zwei – also ab 17.550 Euro – sitzt ein LiDAR-Sensor auf dem Dach. LiDAR. In Europa verbauen das Mercedes im EQS, BMW im i7. Autos jenseits der 90.000. Und hier ist das ein 17.000-Euro-Feature. Klar, die chinesischen Preise sind nicht eins zu eins übertragbar, das komme ich noch drauf. Aber als Statement? Brutal.
700 Liter Kofferraum. Ein Frunk. Luftfahrwerk. Für 21.000.
4,88 Meter lang, 1,90 breit. Damit sortiert sich der 07 zwischen Model 3 (4,72 m) und BYD Seal (4,80 m) ein, tendenziell eher Richtung Seal. Kofferraum: rund 700 Liter. Vorne nochmal ein 168-Liter-Frunk obendrauf. Zum Einordnen: Das Model 3 schafft 682 Liter gesamt, der Seal 400 plus mickrige 53 Liter Frunk. Der MG schlägt beide. Nicht knapp.
Die 845er-Topversion kriegt dann noch Luftfahrwerk, beheizte und belüftete Sitze, 21 Lautsprecher. 0 auf 100 in 5,9 Sekunden, 235 kW. Ist das revolutionär? Nein. Ein Model 3 Performance ist schneller. Aber ein Model 3 Performance kostet in Deutschland 54.990 Euro. Und hat kein Luftfahrwerk. Und keinen Frunk mit 168 Litern.
Die 91-kWh-Zellen liefert CATL. 37 Prozent globaler Marktanteil, via SNE Research Q1 2026. LFP-Chemie, neueste Generation. SAIC kriegt hier keine Restposten, sondern genau die Zellen, die auch in Tesla und BMW verbaut werden. Das ist kein Billig-Akku. Das ist der gleiche Akku.
Die 845-km-Lüge, die keine ist – aber auch keine Wahrheit
Jetzt muss ich kurz den Spielverderber geben, weil mich das seit Jahren nervt.
CLTC ist nicht WLTP. Punkt. Die chinesische Prüfnorm ist im Schnitt 15 bis 25 Prozent optimistischer. Immer. Bei jedem Hersteller. Das ist kein MG-Problem, das ist ein Norm-Problem. Aber es ist ein Problem, das in jeder deutschen Schlagzeile verschwindet, weil „845 Kilometer Reichweite“ sich besser klickt als „vermutlich so 650, wenn man nett fährt“.
Konkret: Aus den 845 km CLTC werden realistisch 630 bis 720 km WLTP. Aus den 650 km der Basis eher 490 bis 550. Auf der Autobahn bei 130, im Winter, mit Heizung. Da schmilzt das nochmal.
Ist das schlecht? Um Himmels Willen, nein. 629 km WLTP schafft ein Tesla Model 3 Long Range. 570 ein BYD Seal. Der MG 07 wäre auch nach WLTP-Korrektur konkurrenzfähig. Aber wer in einer deutschen Pressemitteilung „845 Kilometer“ liest und das für bare Münze nimmt, wird enttäuscht sein. Zieht 20 Prozent ab. Immer. Bei jedem chinesischen E-Auto. Das ist keine Meinung, das ist Mathematik.
35,3 Prozent Zoll. Und plötzlich ist der Preisvorteil weg.
Kommen wir zum unangenehmen Teil. Ob der MG 07 nach Deutschland kommt? SAIC schweigt. Kein Statement, kein Teaser, kein „Europa wird geprüft“. Nada.
Und ich verstehe, warum. Seit Oktober 2024 gilt die EU-Durchführungsverordnung 2024/2754. Zusätzliche Ausgleichszölle auf chinesische E-Autos. Für SAIC-Marken: 35,3 Prozent. Obendrauf: 10 Prozent Basiszoll. 19 Prozent Einfuhrumsatzsteuer. Logistik. Händlermarge. Homologation.
Ich hab das mal grob durchgerechnet für den 07 845: Aus 21.430 Euro China-Preis werden 38.000 bis 42.000 Euro in Deutschland. Mindestens. Eher mehr, wenn SAIC keine lokale Fertigung aufzieht.
Zum Vergleich: Tesla Model 3 startet hier bei 42.990 Euro. BYD Seal bei 44.900. Der MG wäre also günstiger – aber nicht so viel günstiger, dass jemand beim Händler in Tränen ausbricht. Der 16.200-Euro-Schockeffekt verpufft. Und genau deshalb zögert SAIC. Der MG4 funktioniert in Europa, ja. Aber der startet bei 34.990 Euro und hat keinen Porsche-Komplex. Beim 07 muss SAIC entscheiden: Margen opfern für Marktanteile, oder warten, bis die Zölle sich politisch entspannen?
Wetten würde ich auf Letzteres.
Was mich stört. Und was nicht.
Das Design. Ich komme nicht drum rum. Taycan-Front. Panamera-Seitenlinie. Ein Schuss Xiaomi SU7 im Heck. „Stark inspiriert“ ist die diplomatische Formulierung. Die undiplomatische: Das ist ein Mashup. Und es ist mir ein Rätsel, warum ein Konzern mit SAICs Ressourcen sich nicht traut, eine eigene Formensprache zu entwickeln. BYD hat das mit dem Seal geschafft. Xiaomi auch. MG kopiert. In einem Markt, der in zwei Jahren von Design-Differenzierung leben wird, ist das ein Risiko.
Und dann: Software. Kein Wort zu OTA-Updates. Kein eigenes OS erwähnt. Kein Hinweis auf ein Ökosystem. Bei Xiaomi ist das Auto ein Gerät im Smart-Home-Verbund. Bei BYD gibt es DiLink. Bei MG? Funkstille. Das ist 2026 kein Nice-to-have mehr. Das ist ein Kaufargument. Und hier klafft ein Loch.
Was nicht fehlt: Substanz. 700 Liter Kofferraum, Frunk, Luftfahrwerk, LiDAR, CATL-Akku, 21 Speaker. Das ist keine Ausstattungsliste eines 16.000-Euro-Autos. Das ist die eines 55.000-Euro-Autos, das jemand auf 16.000 runtergerechnet hat. SAIC hat kein Billigauto gebaut. Die haben ein gutes Auto gebaut und den Preis eines Billigautos drangeklebt. Das ist ein Unterschied, und wer das nicht kapiert, wird den MG 07 unterschätzen.
Ob wir den auf der IAA 2027 in München sehen? Ich weiß es nicht. Ich hoffe es. Aber ich glaube, wir warten noch. Und bis dahin bleibt der 07 das stärkste „Was wäre wenn“ der elektrischen Mittelklasse. Schade eigentlich.
MG 07: Daten auf einen Blick
- Marktstart China: August 2026, Vorverkauf läuft
- Preis (China): 125.900 bis 165.900 Yuan (ca. 16.200 bis 21.430 €)
- Maße: 4,88 m × 1,90 m, Kofferraum 700 l + Frunk 168 l
- Batterie: 67 kWh (Basis) / 91 kWh CATL LFP (Top)
- Reichweite CLTC: 650 km / 845 km (realistisch WLTP: ~520 / ~680 km)
- Leistung: 176 kW / 235 kW (236 / 315 PS)
- 0–100 km/h: 6,9 s / 5,9 s
- Besonderheiten: LiDAR ab Stufe 2, Luftfahrwerk (Top), 21 Lautsprecher
- Europa-Start: Nicht bestätigt. Eher unwahrscheinlich vor 2028.
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