Motorola Razr 70 Ultra: Support-Ende schon 2030 – und das absurde Paragraphen-Dilemma für Käufer

1.400 Euro für ein Falt-Handy. Und nach mickrigen vier Jahren steht man schutzlos da, weil Motorola beim Razr 70 Ultra ein dreistes EU-Schlupfloch ausnutzt. Frechheit. Der Hersteller bricht mit einem ungeschriebenen Gesetz der Oberklasse und verunsichert die Kundschaft komplett.
Teurer Klapp-Spaß mit eingebautem Verfallsdatum
Ich wechsle meine Smartphones berufsbedingt ständig. Der normale Käufer will von seinem Premium-Gerät aber jahrelang etwas haben. Umso saurer stößt die Update-Politik beim Razr 70 Ultra auf. Nach nur 48 Monaten soll Schluss sein. Im Februar 2030 enden die sogenannten SMR-Patches, die bis dahin mindestens alle zwei Monate eintrudeln sollen.
Das nervt im Alltag gewaltig. Ein ungepflegtes System ist schlicht ein Sicherheitsrisiko. Google und Samsung liefern längst sieben Jahre Support ab. Motorola hinkt hinterher. Die Quittung gab es im Test von CHIP mit einer deftigen Abwertung. Völlig zurecht.
Wie Motorolas Juristen das EU-Gesetz austricksen
Eigentlich klang die Ansage aus Brüssel vielversprechend. Seit dem 20. Juni 2025 gilt die EU-Ökodesign-Verordnung 2023/1670. Smartphones müssen seitdem mindestens fünf Jahre lang Sicherheitsupdates erhalten. Auf dem Papier eine feine Sache. In der Praxis leider zahnlos.
Motorola nutzt eine absurde sprachliche Lücke. Der Gesetzestext besagt, dass Updates kostenlos bereitgestellt werden müssen, sofern sie veröffentlicht werden. Der Hersteller liest das sehr eigenwillig. Keine Verpflichtung zur aktiven Neuentwicklung von Updates über fünf Jahre. Nur die Pflicht, bereits veröffentlichte Versionen kostenlos anzubieten.
In der europäischen Produktdatenbank EPREL gibt Motorola für das Razr 70 Ultra sogar stolze sechs Jahre Update-Verfügbarkeit an. Ein cleverer Taschenspielertrick. Gemeint ist damit schlicht der Zeitraum, in dem bereits fertige Versionen auf den Servern liegen bleiben. Ihr dürft sie also bis 2032 herunterladen. Neue Sicherheits-Patches gibt es trotzdem nicht mehr. Absurd.
Wenn die Support-Seite den Rückwärtsgang einlegt
Intern rudert Motorola überraschend zurück. Man plane eigentlich drei Jahre OS-Upgrades und fünf Jahre Sicherheits-Patches. Das würde die aktive Update-Versorgung bis 2031 verlängern. Warum man dann offiziell den Februar 2030 kommuniziert? Keine Ahnung. Das ist unlogisch und stiftet Verwirrung.
Beim Blick auf das restliche Line-up wird das Chaos perfekt. Das Edge 70 Pro soll bis 2031 versorgt werden. Das im Januar erschienene Motorola Signature sogar bis 2032. Ausgerechnet das teuerste Klapp-Flaggschiff zieht den Kürzeren. Ein fauler Kompromiss, den man bei diesem Preis einfach nicht schlucken sollte.
Warum der Update-Geiz die gesamte Falt-Nische bedroht
Die Entwicklung von Software für Foldables ist teuer. Sonderformate, zwei Displays und komplexe Klapp-Mechanismen erfordern massiven Programmieraufwand. Viele Hersteller scheuen diese langfristigen Kosten im Android-Lager und suchen nach Schlupflöchern. Motorolas juristisches Ausweichmanöver zeigt eine gefährliche Entwicklung.
Sollte dieses Modell Schule machen, ist die EU-Verordnung de facto wertlos. Die Kehrseite liegt auf der Hand: Verbraucher verlieren das Vertrauen in die ohnehin fragile Falt-Kategorie. Wenn am Ende nur noch Google und Samsung echten Langzeitsupport garantieren, schrumpft der Markt zusammen. Ein bitterer Rückschritt für die gesamte Branche.
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