Nissan Leaf Nismo EV: Viel Mogelpackung, wenig echte Nismo-Power

Der neue Nissan Leaf Nismo präsentiert sich als dynamisches Elektro-SUV mit futuristischen LED-Scheinwerfern, aerodynamischer Linienführung und markanten roten Nismo-Designelementen an der Frontschürze und den Seitenschwellern
Quelle: Nissan
Verpasse keine News, folge mir auf WhatsApp, Mastodon oder Google News

Nissan baut seine Performance-Sparte kräftig aus – bis Ende 2026 soll sich die Nismo-Modellpalette in Japan glatt verdoppeln. Wer bei dem ikonischen Motorsport-Logo allerdings auf eine kompromisslose Elektro-Rakete hofft, wird beim Blick in den Fahrzeugschein des neuen Nissan Leaf Nismo EV enttäuscht. Unter dem Blech bleibt nämlich alles beim Alten.

Die Antriebe werden 1:1 aus der Serie übernommen: Entweder 130 kW (177 PS) mit der 52-kWh-Batterie oder 160 kW (217 PS) mit dem größeren 75-kWh-Akku. Selbst in der Topversion rangiert der Leaf fahrtechnisch damit eher auf dem Niveau eines klassischen VW Polo GTI. Gegen echte elektrische Hot-Hatches wie den Cupra Born VZ (326 PS) oder den Preis-Leistungskracher MG4 XPOWER (435 PS) sieht er auf der Längsdynamik-Schiene kein Land.

Nissan spart sich teure Anpassungen an Invertern oder E-Motoren und setzt stattdessen voll auf gezielte Software-Tricks und klassisches Fahrwerkstuning.

20 Prozent mehr Antritt: Software muss die Kohlen aus dem Feuer holen

Komplett wirkungslos ist die Frischzellenkur zum Glück nicht. Der größte Hebel steckt im neu aufgesetzten „NISMO Mode“ der Antriebsstrang-Software. Die verändert zwar nicht die maximale Peak-Leistung, sorgt aber für eine um 20 % stärkere Anfahrtsbeschleunigung und ein spürbar aggressiveres Ansprechverhalten. Beim spontanen Ampelstart oder beim kurzen Spurt in eine Lücke fühlt sich der Wagen dadurch deutlich bissiger an.

Ein schönes Detail für Fahrwerk-Connaisseure: Der Nismo ist der erste E-Nissan überhaupt mit eigens abgestimmten Rekuperations-Schaltwippen am Lenkrad. Damit lässt sich die Motorbremse über vier Stufen extrem exakt dosieren – ideal, um das Auto vor der Kurve auf der Vorderachse anzustellen.

Enkei-Felgen und Schwenkventile: Grip statt roher Leistung

Weil mehr Power ausblieb, haben die Ingenieure bei den Fahrwerkskomponenten wenigstens nicht gekleckert. Um das ordentliche Gewicht des E-Crossovers in Wechselkurven zu bändigen, spendiert Nissan steife Enkei-19-Zoll-Alufelgen mit klebrigen Michelin Pilot Sport 5 Pneus.

KomponenteSerien-LeafLeaf Nismo EVPraxiseffekt
Antrieb / Leistung130 kW / 160 kW130 kW / 160 kW (unverändert)Keine höhere Endgeschwindigkeit
Software / ResponseStandard-MappingNISMO Mode (+20% Anfahrts-Punch)Spürbar giftigeres Ansprechen
Fahrwerk / DämpferStandard-SetupSchwenkventil-StoßdämpferWeniger Wankneigung beim Anlenken
Bereifung / FelgenStandard 17/18-Zoll19-Zoll Enkei + Michelin PS5Deutlich höherer mechanischer Grip
Lenkrad-PaddlesStandard-Rekuperation4-Stufen Nismo-RekuperationAktiveres Brems-Setup per Hand

Spürbar knackiger wird das Fahrverhalten vor allem durch neu abgestimmte Schwenkventil-Stoßdämpfer (Swing-Valve Dampers) an beiden Achsen. Zusammen mit strafferen Stabilisatoren und dem vergrößerten Ducktail-Spoiler unterdrücken sie das wankende Eindecken beim Einlenken.

5.100 Euro Aufpreis: Sinnvolle Evolution oder teurer Blendax?

Kritisch wird es beim Blick auf den Preiszettel. In Japan ruft Nissan für den Leaf Nismo EV mindestens 6,60 Millionen Yen auf – umgerechnet rund 35.455 Euro. Das ist ein Aufpreis von etwa 5.100 Euro gegenüber dem Standard-Modell.

Ganz skurril wird es bei der Recaro-Edition für 7,23 Millionen Yen (ca. 38.880 Euro): Neben den straffen Sportsitzen verpasst Nissan dem Auto eine radikale Schlankheitskur und streicht das Bose-Soundsystem sowie die elektrische Heckklappe ersatzlos.

Ich bin echt gespannt, wie viele Kunden bereit sind, für weniger Komfort und null PS-Plus über 5.000 Euro mehr auf den Tisch zu legen – nur wegen strafferer Dämpfer, roter Ziernähte und etwas Software-Feinschliff. Wer eine präzise Kurvenfräse sucht, bekommt hier zwar ein stimmiges Paket. Wer aber nach dem gewohnten Elektro-Punch sucht, dürfte enttäuscht werden.

Google bevorzugte Quelle Schmidtis Blog Schmidtis Blog zu Deiner bevorzugten Quelle bei Google hinzufügen

Links mit einem * sind Partner-Links. Durch einen Klick darauf gelangt ihr direkt zum Anbieter. Solltet ihr euch dort für einen Kauf entscheiden, erhalte ich eine kleine Provision. Für euch ändert sich am Preis nichts. Danke für eure Unterstützung!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert