Radikalkur in Wolfsburg: Warum Volkswagen jedes dritte Modell streicht

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Quelle: Volkswagen AG
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Volkswagen zieht in Europa die Notbremse. Wer heute durch die Konfiguratoren der Wolfsburger klickt, blickt in ein aufgeblähtes Sortiment, das bald Geschichte ist. Konzernchef Oliver Blume und Finanzvorstand Arno Antlitz haben das Ziel klar definiert: Die aktuelle Flotte von rund 150 Modellen soll auf unter 100 schrumpfen. Dass der Touran bereits weg ist und der ID.5 wohl keinen Erben bekommt, markiert lediglich den Anfang einer Streichliste, die bis zum Sommer 2026 finale Formen annimmt.

Die Logik hinter diesem Kahlschlag ist nüchterner Kostendruck. Die Vielfalt in den Verkaufsräumen hat sich über die Jahre verdoppelt, die Anzahl der Käufer hingegen nicht. In vielen Fahrzeugklassen stehen sich mittlerweile vier verschiedene Varianten desselben Konzepts gegenseitig auf den Füßen. Das frisst Geld und erzeugt eine Komplexität in der Fertigung, die sich VW angesichts der schwächelnden Marge nicht mehr erlauben kann. Nischen wie Cabrios oder spezielle Diesel-Derivate sind die ersten Wackelkandidaten auf dem Prüfstand der Wirtschaftlichkeit.

Gleichzeitig verändert die Elektromobilität die Anforderungen an das Design. Wenn ein kompakter ID.3 im Innenraum den Platz eines früheren Passat bietet, brauchen klassische Karosserieformen wie Vans oder klassische Kombis kaum noch eine Daseinsberechtigung. Alles wird flüssiger, die Grenzen zwischen den Fahrzeugklassen verschwimmen durch den gewonnenen Raum der E-Plattformen. Künftig soll die SSP-Architektur fast alles abdecken – vom einfachen Pendlerauto bis zum Luxus-Porsche. Weniger Varianten auf identischer Basis senken die Entwicklungskosten dramatisch und machen die Produktion effizienter.

Für die Kunden in Europa bedeutet das konkret den Abschied vom gewohnten Überfluss. Jede Marke des Konzerns, von Skoda bis Audi, muss derzeit interne Listen vorlegen, welche Modelle langfristig verzichtbar sind. Die Strategie ist riskant, da sie die Auswahl einschränkt, während die Konkurrenz aus Fernost den Markt mit neuen Ideen flutet. Doch für Volkswagen geht es schlicht darum, die finanzielle Stabilität zurückzugewinnen, indem man sich von teuren Einzelstücken trennt, die am Ende kaum jemand kauft.


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