Galaxy Z Fold 8: Das 4:3-Display schreit nach dem S Pen – und Samsung ignoriert es

Samsung hat auf dem Unpacked in London drei Faltphones vorgestellt, aber die eigentliche Nachricht ist keine Produktneuheit. Sie ist eine Absage. Wer seit Jahren auf ein Faltgerät mit Stift wartet, bekommt 2026 zum zweiten Mal in Folge eine kalte Schulter. Und das ausgerechnet in dem Jahr, in dem das Displayformat erstmals wirklich passen würde.
Die Produktlinie wächst von zwei auf drei Modelle: Galaxy Z Flip 8, Galaxy Z Fold 8 und Galaxy Z Fold 8 Ultra. Doch hinter den Namen steckt eine Umstrukturierung, die auf den ersten Blick verwirrt. Das Fold 8 ist nicht der Nachfolger des Fold 7. Diese Rolle übernimmt der Fold 8 Ultra. Das „normale“ Fold 8 ist ein komplett neues Gerät – ein passport-style Foldable, das Samsungs Falt-Portfolio nach unten verbreitern soll.
Ein 4:3-Panel ohne Stift ergibt keinen Sinn
Ich habe das Quellmaterial zweimal gelesen, weil ich sicherstellen wollte, dass ich nichts übersehe. Nein, weder der Galaxy Z Fold 8 noch der Galaxy Z Fold 8 Ultra bieten S-Pen-Unterstützung. Kein Holster. Keine Kompatibilität. Selbst wer einen S Pen separat kauft und koppeln will, scheitert. Die Hardware erkennt den Stift schlicht nicht.
Das Bittere daran: Das neue 7,6-Zoll-Innendisplay des Fold 8 nutzt ein 4:3-Aspektverhältnis. Für handschriftliche Notizen, Skizzen und Dokumentenannotation ist dieses Format nahezu ideal – näher an einem Blatt Papier als jedes 16:9- oder 20:9-Panel, das Samsung bisher in Faltgeräte gepackt hat. Der 5,5-Zoll-Cover-Screen mit 16:10 rundet das Bedienkonzept ab. Die technische Grundlage für ein herausragendes Stift-Erlebnis wäre da gewesen.
Samsung hat sich trotzdem dagegen entschieden. Bereits 2025 strich der Konzern den S Pen beim Galaxy Z Fold 7. Die Hoffnung, dass das neue, breitere Fold-8-Design die Rückkehr ermöglicht, war nach der damaligen Entscheidung ohnehin gering. Dass Samsung das Potenzial des 4:3-Panels dennoch ungenutzt lässt, ist keine Kleinigkeit. Es ist eine bewusste Produktentscheidung gegen eine treue Nutzergruppe, die seit dem ersten Galaxy Note 2011 auf den Stift setzt.
Wer den S Pen will, wird aus dem Falt-Ökosystem gedrängt
Die Konsequenz für S-Pen-Nutzer ist brutal einfach: Galaxy S-Serie oder Galaxy Tab. Punkt. Wer ein Faltgerät mit Stift will, hat 2026 keine Option – und nach der aktuellen Produktlogik von Samsung auch auf absehbare Zeit nicht. Die Quelle formuliert es vorsichtig als „unwahrscheinlich“, dass künftige Fold-Modelle den S Pen zurückbekommen. Ich teile diese Einschätzung. Samsung hat die Digitizer-Schicht aus den Fold-Displays entfernt, und jede Rückkehr würde erneute Investitionen in eine Technologie bedeuten, die der Konzern gerade aktiv ausmustert.
Das wirft eine unbequeme Frage auf: Warum ein 4:3-Display einführen, das formatbedingt an Produktivität und Kreativität appelliert, aber das einzige Eingabegerät streichen, das diese Produktivität erst ermöglicht? Der Fold 8 positioniert sich als kompaktes, passport-artiges Arbeitsgerät. Ohne Stift bleibt er ein teures Smartphone mit großem Bildschirm. Mit Stift wäre er ein echtes Notizbuch-Ersatzgerät gewesen. Diese Diskrepanz zwischen Formfaktor-Versprechen und Funktionsumfang ist kein Versehen. Sie ist eine Prioritätensetzung – und die lautet: dünner, leichter, günstiger in der Fertigung. Der S Pen passt nicht in diese Rechnung.
Der unsichtbare Kostenfaktor hinter jeder Falt-Display-Generation
Ein S Pen auf einem Falt-Display erfordert eine zusätzliche Digitizer-Schicht unter dem OLED-Panel. Bei starren Displays ist das ein Cent-Artikel. Bei einem Display, das sich 200.000-mal falten lassen muss, wird jede zusätzliche Schicht zum mechanischen Risiko und zum Kostentreiber. Samsungs UTG (Ultra Thin Glass) ist bereits ein Kompromiss aus Haltbarkeit und Flexibilität. Eine weitere Lage darunter erhöht die Bruchanfälligkeit an der Faltkante und treibt die Ausschussquote in der Produktion.
Ich vermute – und das ist ausdrücklich meine redaktionelle Einschätzung, kein belegter Fakt –, dass Samsung den S Pen nicht aus Desinteresse gestrichen hat, sondern weil die Yield-Raten bei Fold-Displays mit Digitizer die Margen zerstören. Der Fold 8 als passport-style Gerät zielt auf ein breiteres Preissegment. Ein Digitizer hätte den Preis um geschätzt 40 bis 60 Euro pro Einheit erhöht, ohne dass die Masse der Käufer den Stift nutzt. Aus Sicht der Konzernbilanz ist die Entscheidung rational. Aus Sicht der Power-User, die ein Fold-Gerät genau wegen der großen Arbeitsfläche kaufen, ist sie ein Schlag ins Gesicht.
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