Tesla Roadster: 43.000 Euro Anzahlung für ein Phantombild

Wer aktuell auf der offiziellen deutschen Website von Tesla den neuen Tesla Roadster reservieren möchte, reibt sich erst einmal verwundert die Augen. Wer den elektrischen Super-Sportwagen vorab für sich beanspruchen will, muss extrem tief in die Tasche greifen. Der US-Hersteller verlangt eine Vorabzahlung, die bereits den Gesamtkaufpreis vieler ausgewachsener Elektrofahrzeuge übersteigt. Satte 43.000 Euro werden fällig, bevor überhaupt feststeht, wann das erste Serienfahrzeug tatsächlich vom Band rollt oder in der Einfahrt des Käufers steht.
4.000 Euro sofort, 39.000 Euro per Banküberweisung
Die genauen Zahlungsmodalitäten auf der deutschen Tesla-Infoseite lesen sich gewohnt knackig, bergen aber finanzielle Sprengkraft. Wer auf den Reservierungs-Button klickt, muss im ersten Schritt umgehend 4.000 Euro per Kreditkarte hinterlegen. Damit ist die Reservierung allerdings noch längst nicht abgeschlossen. Innerhalb von nur 10 Tagen verlangt Tesla eine weitere Tranche in Höhe von 39.000 Euro, die zwingend per klassischer Banküberweisung auf den Konten des Unternehmens eingehen muss. Erst wenn die vollen 43.000 Euro verbucht sind, gilt der Platz in der digitalen Warteschlange als offiziell gesichert.
Diese gestaffelte Hürde ist ein cleverer, aber für Kaufinteressenten extrem teurer Filtermagnet. Mit der Kreditkarten-Sofortzahlung bindet das Unternehmen Impulskäufer in den ersten Minuten. Die darauffolgende Überweisung stellt sicher, dass nur extrem liquiditätsstarke Kunden im Topf verbleiben. Dass der Hersteller aus Austin für das Roadster-Event am 1. Oktober nach neun Jahren endlich Nägel mit Köpfen machen möchte, ändert nichts an der enormen finanziellen Wucht dieser Vorabforderung.
Kunden finanzieren die Entwicklung im Voraus
Man muss kein ausgewiesener Finanzexperte sein, um die betriebswirtschaftliche Logik hinter diesem Vorgehen zu durchschauen. Bei tausenden potenziellen Reservierungen weltweit sammelt der Konzern durch diese Konditionen innerhalb kürzester Zeit hunderte Millionen Euro an zinsloser Liquidität ein. Tesla nutzt das Geld treuer Fans und wohlhabender Enthusiasten schlicht als zinsfreien Kredit zur Vorfinanzierung von Entwicklungs- und Produktionsanläufen. Für die Reservierungsinhaber bedeutet das ein spürbares finanzielles Risiko für ein Auto, das seit fast einer Dekade als reines Versprechen durch die Autowelt geisterte.
In den vergangen Jahren gab es schließlich immer wieder große Ankündigungen und ebenso große Enttäuschungen. Unvergessen bleibt der Moment, als Elon Musk eine Enthüllung für Ende April versprach, nur um die Fangemeinde kurz darauf erneut auf unbestimmte Zeit zu vertrösten. Wer heute 43.000 Euro auf das Konto von Tesla überweist, erwirbt folglich kein greifbares Auto, sondern lediglich ein hochpreisiges Ticket auf einer nebulösen Warteliste. Schließlich hatte der Konzern bereits durchblicken lassen, dass selbst nach der kommenden Präsentation noch 12 bis 18 Monate bis zur Serienproduktion vergehen können.
Zwischen SpaceX-Fantasie und ungewissem Serienstart
Die enorme Höhe der Anzahlung lässt zudem deutliche Rückschlüsse auf die finale Preisgestaltung zu. Ein Sportwagen, bei dem der Hersteller vorab fast 50.000 Euro als reine Reservierungsgebühr verlangt, dürfte beim Endpreis problemlos im mittleren bis hohen sechsstelligen Bereich landen. Spekulationen über unterschiedliche Modellvarianten halten sich in der Branche hartnäckig. Ob Käufer am Ende einen alltagstauglichen E-Sportwagen oder eher einen extremen Show-Flug statt eines normalen Serienautos mit Kaltgasdüsen geliefert bekommen, bleibt bis heute völlig ungeklärt.
Aus der Perspektive von Autokäufern nervt diese permanente Geheimniskrämerei gewaltig. Im Vergleich zu etablierten Sportwagenherstellern wie Porsche oder Ferrari, die bei exklusiven Kleinserien klare Datenblätter, transparente Zeitpläne und konkrete Konfigurationsoptionen vorlegen, fordert Tesla einen gigantischen Vertrauensvorschuss ein. Dass Branchenkenner bezweifeln, ob die finale Serienversion überhaupt noch viel mit der eleganten Studien-Optik von 2017 gemeinsam haben wird, macht die Sache keineswegs vertrauenserweckender. Wer die 43.000 Euro überweist, kauft ungesehen die Katze im Sack.
Dass Tesla bei der Preisgestaltung derart ungeniert auftritt, zeigt allerdings auch das enorme Selbstbewusstsein der Marke. Trotz zunehmender Konkurrenz im Segment der elektrischen Performance-Fahrzeuge vertraut die Führungsebene darauf, dass der Mythos Roadster stark genug ist, um solche Konditionen am Markt durchzudrücken. Wer bereit ist, eine fünfstellige Summe ohne Gegenwert zu parken, tut dies vor allem aus der Hoffnung heraus, eines der schnellsten und exklusivsten Elektrofahrzeuge der Dekade zu besitzen.
Ob diese Kalkulation am Ende aufgeht, wird der geplante Enthüllungstermin im Herbst zeigen. Der Konzern geht mit dieser Strategie ein spürbares Risiko ein. Sollte das vorgestellte Serienfahrzeug die immensen Erwartungen nicht erfüllen oder der Marktstart erneut um Jahre nach hinten verschoben werden, dürfte die Unzufriedenheit unter den Geldgebern schnell umschlagen. Aus der teuren Reservierungswelle könnte dann sehr zügig eine massive Stornierungswelle werden. Bis zur tatsächlichen Auslieferung bleibt der Tesla Roadster daher vor allem eines: das bisher teuerste Phantombild der gesamten Elektroauto-Geschichte.
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