Tesla streicht Basis-Autopilot: Die Abofalle schnappt in Europa zu

komplette Tesla Modellpalette von 2024 nebeneinander
Quelle: Tesla, Inc.
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Wer in den Niederlanden ein neues Model 3 oder Model Y bestellt, erlebt beim Blick in den Konfigurator eine böse Überraschung. Tesla hat dort ohne Vorankündigung den kostenlosen Basis-Autopiloten entfernt. Bisher gehörte der Spurhalteassistent zur Grundausstattung jedes Neufahrzeugs. Jetzt herrscht gähnende Leere in der Liste der Standardfunktionen. Wer möchte, dass sein Auto mehr kann als nur den Abstand zum Vordermann zu halten, muss tief in die Tasche greifen. Es bleibt nur die Wahl zwischen einem Einmalkauf für 7.500 Euro oder dem monatlichen Abo für 99 Euro. Damit vollzieht Tesla in Europa genau den Schritt, der in Nordamerika bereits Anfang des Jahres für Unmut sorgte.

Dass ausgerechnet die Niederlande den Anfang machen, hat einen regulatorischen Hintergrund. Die dortige Zulassungsbehörde RDW gab vor kurzem grünes Licht für „FSD Supervised“. Da die Software nun offiziell genehmigt ist, nutzt Tesla den Markt als Testgelände für sein neues Vertriebsmodell. Das Ziel ist offensichtlich: Die Attraktivität des Abos soll nicht durch kostenlose Einstiegsfeatures verwässert werden. Wer Autosteer nutzen möchte, zahlt ab sofort monatlich. Für Kurzentschlossene tickt zudem die Uhr. Wer das FSD-Paket noch dauerhaft mit dem Fahrzeug verknüpfen will, hat in den Niederlanden nur noch bis zum 15. Mai 2026 Zeit. Danach verschwindet die Kaufoption voraussichtlich komplett zugunsten des Mietmodells.

Dieser Strategiewechsel bringt Tesla in Erklärungsnot, besonders im Vergleich zur Konkurrenz. Während Hersteller wie Volkswagen, Hyundai oder Toyota aktive Spurhalteassistenten selbst in deutlich günstigeren Fahrzeugklassen serienmäßig verbauen, macht Tesla dieses Feature zum kostenpflichtigen Extra. Zwar schreibt die EU-Verordnung GSR2 seit Juli 2024 Notfall-Spurhalteassistenten zwingend vor, doch dieser greift eben nur im letzten Moment korrigierend ein. Ein entspanntes Mitschwimmen im Verkehr ohne Aufpreis ist bei einem neuen Tesla in den Niederlanden nicht mehr vorgesehen.

Für deutsche Käufer ist das ein klares Warnsignal. Auch hierzulande wurde bereits eine Frist bis zum 21. Mai gesetzt, nach der sich die Optionen beim Autopiloten ändern könnten. Sobald die Zulassungshürden für das überwachte autonome Fahren in weiteren EU-Ländern fallen, dürfte der Basis-Autopilot überall von der Bildfläche verschwinden. Tesla setzt alles auf eine Karte und wettet darauf, dass die Kunden bereit sind, für Funktionen zu zahlen, die anderswo zum guten Ton gehören. Ob diese Rechnung aufgeht, bleibt fraglich. In den USA hagelte es Kritik, und in Europa ist der Markt für Elektroautos deutlich umkämpfter. Tesla nimmt hier bewusst einen Nachteil in der Basisausstattung in Kauf, um das lukrative Software-Abo durchzudrücken.

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9 Kommentare

  1. Unmut der Trsla-Besitzer? Abofalle? Geht es noch negativer darzustellen? Hast du 100 Tesla Besitzer dafür interviewt? Typisch Einseitige Darstellung!
    Und angekündigt wurde es von Tesla auch!
    Außerdem ist die Abo Möglichkeit für die meisten Besitzer wesentlich interessanter und günstiger als 7500 € zu bezahlen! Man bucht es nur, wenn man es braucht!

  2. Mir wäre es egal, der Basis Autopilot funktioniert in der Praxis so schlecht, dass ich ihn nie nutze. Häufige Phantombremsungen und die fehlende Fähigkeit die Geschwindigkeit automatisch an sich ändernde Begrenzungen anzupassen machten das Ding weitgehend nutzlos.
    Ich denke Tesla hat mit Hinblick auf FSD einfach kein Interesse diese Software parallel weiterzuentwickeln, aber nach heutigem Stand ist sie einfach nicht mehr Stand der Technik.

  3. Der Artikel stellt die Änderungen bei Tesla sehr einseitig dar. Bei genauerer Betrachtung der Zahlen und der technischen Fakten ergibt sich ein völlig anderes Bild, das für viele Kunden sogar vorteilhafter ist:
    1. Die Urlaubs-Option: Maximale Kostenkontrolle
    Der größte Vorteil des Abos wird im Artikel komplett verschwiegen: die saisonale Nutzung.
    • Viele Fahrer benötigen erweiterte Assistenzsysteme nicht im täglichen Berufsverkehr oder in der Stadt, sondern primär für Langstrecken.
    • Mit dem Abo kann man FSD gezielt für einen Monat buchen – zum Beispiel für die Fahrt in den Urlaub nach Italien – und danach sofort wieder kündigen.
    • Wer das System so nutzt, fährt über Jahre hinweg extrem günstig und zahlt nur für den tatsächlichen Mehrwert, statt 7.500 € „auf Verdacht“ zu investieren.
    2. Wirtschaftliche Rechnung gegen den Einmalkauf
    Die Behauptung der „Falle“ hält einer mathematischen Prüfung kaum stand:
    • Um den Kaufpreis von 7.500 € zu erreichen, müsste man das Abo über 6 Jahre (ca. 75 Monate) durchgehend bezahlen.
    • Haltedauer: Da die meisten Fahrzeuge heute geleast oder nach 3 bis 4 Jahren gewechselt werden, ist das Abo für den Erstbesitzer fast immer die günstigere Wahl. Man spart effektiv Tausende von Euro an Kapitalbindung.
    3. Technische Richtigstellung
    Es ist irreführend, den Eindruck zu erwecken, der Spurhalteassistent sei komplett verschwunden:
    • Sicherheit bleibt Serie: Die sicherheitsrelevanten Spurhalte-Assistenten sind weiterhin vorhanden.
    • FSD ist kein Basis-Feature: Das Full Self-Driving-Paket (Supervised) mit einem simplen Spurhalteassistenten gleichzusetzen, ist technisch schlichtweg falsch. FSD bietet komplexe Funktionen wie Ampelerkennung und städtisches Navigieren, die weit über Standard-Assistenten hinausgehen.
    4. Wiederverkauf und Flexibilität
    Software-Käufe beim Auto sind oft „totes Kapital“, da sie beim Wiederverkauf selten voll vergütet werden. Das Abo-Modell nimmt dieses Risiko vom Käufer. Es macht den Einstiegspreis für das Fahrzeug niedriger und die Nutzung so flexibel wie einen Streaming-Dienst.
    Fazit: Anstatt einer „Abo-Falle“ bietet Tesla hier eine zeitgemäße Flexibilität an. Wer das System nur dann abonniert, wenn er es wirklich braucht, spart massiv Geld gegenüber dem starren Einmalkauf.

  4. Die Abo-Option gibt Nutzern die Möglichkeit, das neue FSD vollumfänglich zu testen, ohne gleich tief in die Tasche zu greifen. Finde ich nicht schlecht, da Tesla damit einer breiteren Masse das Feature zur Verfügung stellt. Ob Tesla für immer beim Abo-Modell bleibt oder es nur für einen gewissen Zeitraum anbietet, um mehr Kunden die Nutzung zu ermöglichen, ist abzuwarten.

  5. Verstehe deinen Ansatz. Aber, ich kaufe ein Fahrzeug mit eben jener Ausstattung und dann kommt Tesla daher und entfernt Features um sie dir dann neu zu verkaufen? Schwierig, zumal es ja hier nur um einen Spurhalte-Assistenten geht, welcher gekürzt werden würde. das ist nun wirklich keine Magie.

    1. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Basic Autopilot nachträglich entfernt wird, wenn er Teil des Kaufvertrages war. Allerdings wird er, nach der Umstellung (falls sFSD irgendwann mal in Deutschland zugelassen wird), nicht mehr Teil der (Grund-)Ausstattung sein.
      Ansonsten sehe ich es auch eher positiv. Für einen Monat Abo abschließen, wenn ich ich eine längere Fahrt in den Urlaub mache. Ansonsten reicht mir Basis Autopilot für meine täglichen Kurzstrecken.

  6. Generell finde ich es sehr gut, dass Tesla beim FSD keine abgespeckten Varianten anbietet, sondern direkt das volle, weitgehend autonome System. Für 99 € im Monat halte ich das für ein faires Angebot. Die hochpreisigen Fahrerassistenzsysteme der deutschen Premium-Hersteller kosten schließlich auch ordentlich – und ich spreche aus Erfahrung: Ich fahre seit über 10 Jahren in Firmenwagen immer das jeweils größte Assistenzpaket.
    Besonders stark ist die monatliche Kündbarkeit. So kann man das System flexibel nutzen, je nachdem, wann man es wirklich braucht.
    Die deutschen Hersteller könnten sich hier ruhig etwas von Tesla abschauen: lieber immer das beste System serienmäßig liefern, statt künstlich gute und schlechte Varianten zu schaffen, nur um Aufpreise zu generieren. Tesla geht aus meiner Sicht absolut den richtigen Weg.

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