Volkswagen: Gewinneinbruch entlarvt das chinesische Desaster

Wer geglaubt hat, der Wandel zur Elektromobilität ließe sich in Wolfsburg mit ein paar defensiven Sparpaketen aussitzen, sieht sich vor den Trümmern einer verfehlten Modellstrategie. Die jüngsten Geschäftszahlen offenbaren die volle Schieflage. Das Problem liegt keineswegs nur im schwächelnden China-Export – es steckt tief in den überhöhten Fixkosten der deutschen Standorte.
Schrumpfende Rendite und unerbittlicher Preisdruck
Diese Halbjahresbilanz markiert einen echten Tiefpunkt. Der Gewinn im zweiten Quartal brach um 33 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro ein. Vom Halbjahresumsatz in Höhe von 158,1 Milliarden Euro blieb operativ ein Magergewinn von 5,9 Milliarden Euro übrig. Eine operative Rendite von mickrigen 3,8 Prozent nimmt dem Management jegliche Luft zum Atmen.
Besonders drastisch trifft es den Konzern in China. Dort sackten die Auslieferungen im ersten Halbjahr um mehr als ein Drittel auf 424.300 Fahrzeuge ab. Kleine Zuwächse in anderen Regionen fangen dieses Loch nicht ansatzweise auf. Der Vorstand musste die Jahresprognose kassieren: Statt der erhofften drei Prozent Wachstum droht beim Umsatz jetzt ein Minus von bis zu 3 Prozent.
Werkschließungen und Rüstungspläne statt Auto-Expansion
Finanzvorstand Arno Antlitz fordert unmissverständlich harte Einschnitte. Im Raum stehen der Abbau von bis zu 100.000 Arbeitsplätzen und die Schließung von vier Werken. Der Aufsichtsrat blockte die ersten Entwürfe ab – im September folgt der nächste Anlauf. Der Produktionsstopp des ID.4 in Nordamerika und drohende US-Zölle verbrennen zusätzlich Geld.
Dass VW nun prüft, freie Kapazitäten mit der Fertigung von militärischen Transportsystemen auszulasten, ist ein offener Offenbarungseid. Waffen will man zwar nicht bauen, aber die Überlegung zeigt, wie gewaltig die Überkapazitäten wirklich sind. Da helfen auch die 70.000 Vorbestellungen für die neue Elektro-Kompaktklasse rund um Polo und ID.3 wenig. Die schmalen Margen kleiner Stromer können die teuren Strukturen der alten Verbrenner-Welt schlicht nicht querfinanzieren.
Software-Chaos trifft auf Hardware-Ballast
Die Krise zeigt das doppelte Dilemma klassischer Autogiganten. Auf der einen Seite drücken starre Werksstrukturen und hohe Fertigungskosten in Deutschland die Marge gegen Null. Auf der anderen Seite verliert VW in China den Anschluss, weil heimische Rivalen bei Software, Infotainment und Vernetzung meilenweit voraus sind.
Wer zu Hause mit billigen Stromern kaum Geld verdient, kann die Milliarden-Entwicklungen für moderne Software-Plattformen nicht mehr aus dem laufenden Geschäft bezahlen. Ohne radikale Einschnitte werden die leeren Werkhallen zur dauerhaften Wachstumsbremse.
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