Volkswagen ID. Unyx 09: Warum die China-Limousine unsere faden MEB-Modelle killen muss

Seitenansicht der neuen Elektro-Limousine VW ID. Unyx 09 in kräftigem Metallic-Blau. Das in China mit XPeng entwickelte Oberklasse-Modell zeigt schmale LED-Rückleuchten und ein sportliches Fastback-Design
Quelle: Volkswagen AG
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Wolfsburg hat ein massives Problem auf dem europäischen Heimatmarkt, aber die Rettung steht vielleicht schon im chinesischen Hefei. Während wir hierzulande immer noch die ewig gleiche, etwas bieder gestaltete Kost auf dem alten MEB-Baukasten serviert bekommen, zündet VW in Asien ein echtes Design-Feuerwerk. Der neu geleakte ID. Unyx 09 zeigt schmerzhaft, wie träge der europäische Markt verwaltet wird – und warum die Wolfsburger diese neue Plattformtechnik schleunigst über den Ozean schippern müssen.

Schluss mit der faden Design-Suppe der ID-Familie

Ich habe mich lange genug über das rundgelutschte Einheitsdesign der europäischen Elektro-Modelle geärgert. Der ID. Unyx 09 ist da eine echte Ansage und erinnert optisch viel mehr an sportliche Zeiten von Arteon oder Passat CC. Das Heck mit dem ausgeprägten Diffusor zieht die Blicke an, die Frontschürze wirkt erstaunlich aggressiv. Das ist kein Zufall, sondern das sichtbare Ergebnis der engen Kooperation mit dem Partner Xpeng. Dieser Look tut der Marke verdammt gut.

Wer die bisherigen, sterilen Werbegrafiken des Herstellers kennt, sieht auf den neuen Realaufnahmen erst richtig, wie bullig diese Limousine auf der Straße steht. Schlicht ist hier beim Design gar nichts mehr. Schein und Sein driften antriebsseitig allerdings etwas auseinander, denn die Optik verspricht fast mehr, als die nackten Zahlen am Ende hergeben. In der Basisversion treibt ein einzelner Heckmotor den Wagen mit etwas über 312 PS voran. Wer mehr will, greift zum Allradler mit zwei Motoren und rund 500 PS – schnell, aber eben keine extreme Rennstrecken-Performance.

Die Kehrseite des China-Transfers für den europäischen Markt

Hinter den Kulissen sickert durch, dass Volkswagen ernsthaft überlegt, diese chinesischen Entwicklungen nach Europa zu transferieren. Ursprünglich war das überhaupt nicht der Plan für die Submarke mit dem goldenen Logo. Doch die Entwicklungskosten in Asien sind dramatisch niedriger. Das wirft am Ende eine deutlich bessere Marge beim Verkauf auf dem europäischen Markt ab. Produzieren könnte man die Fahrzeuge theoretisch sogar in den heimischen Werken.

Ein Ladesystem, das den deutschen Alltag rettet

Ein echter Pluspunkt bei diesem Transfer wäre das verbaute 800-Volt-System. Im Alltag zählt schließlich nur, wie schnell ich nach dem Kaffee an der Säule wieder vom Hof komme – und da sind die aktuellen europäischen Modelle mit ihrer 400-Volt-Technik schlicht nicht mehr konkurrenzfähig. Doch die Sache hat einen Haken. Ein solcher Import ist kein Selbstläufer. Die Software-Struktur müsste komplett für den europäischen Datenschutz und hiesige Kartendienste umgestrickt werden. Zudem dürften die extrem günstigen China-Preise auf dem Weg nach Europa durch Zölle und Anpassungen komplett verdampfen.

Heckansicht der neuen Elektro-Limousine VW ID. Unyx 09 in kräftigem Metallic-Blau. Das in China mit XPeng entwickelte Oberklasse-Modell zeigt schmale LED-Rückleuchten und ein sportliches Fastback-Design
Quelle: Volkswagen AG

Die CEA-Architektur als technologischer Rettungsanker

Das Fundament des ID. Unyx 09 basiert maßgeblich auf der gemeinsam mit Xpeng entwickelten China Electronic Architecture (CEA). Diese Plattform reduziert die Anzahl der physischen Steuergeräte im Fahrzeug um rund 30 Prozent, indem Funktionen in zentralen Zone-Controllern gebündelt werden. Für Volkswagen ist das ein offenes Eingeständnis, dass die hauseigene Software-Tochter Cariad die digitale Transformation allein nicht schnell genug auf die Straße bringen konnte.

Wirtschaftlich steht der Konzern an einem Wendepunkt. Der Versuch, eine einzige, globale Software-Plattform für alle Märkte zu erzwingen, ist gescheitert. Lokale Allianzen wie das Joint Venture Volkswagen Anhui sichern das Überleben auf dem härtesten Automarkt der Welt. Wenn diese effizienten Architekturen nun nach Europa schwappen, stellt das die bisherigen Milliardeninvestitionen in die westliche MEB-Entwicklung radikal infrage.

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