Volkswagen plant offenbar den radikalsten Umbau seiner Geschichte

Luftaufnahme von vier deutschen Volkswagen-Werken, verbunden durch rot leuchtende Produktionslinien, die in der Dunkelheit verschwinden
Quelle: KI-generiert mit ChatGPT
Verpasse keine News, folge mir auf WhatsApp, Mastodon oder Google News

Vier deutsche Werke mit einer Produktionskapazität von rund 750.000 Fahrzeugen pro Jahr könnten ihre letzte Modellgeneration bauen. Das berichten das Manager Magazin unter Berufung auf Insider sowie der NDR, dem nach eigenen Angaben entsprechende Unterlagen aus dem Volkswagen-Vorstand vorliegen.

Die Pläne würden den bisher bekannten Sparkurs deutlich übertreffen. Weltweit könnten bis zu 100.000 der rund 657.000 Arbeitsplätze entfallen. Das entspräche rund 15 Prozent der gesamten Konzernbelegschaft. Offiziell bestätigt hat Volkswagen die Berichte bislang nicht. Konzernchef Oliver Blume will sein Konzept nach aktuellem Stand am 9. Juli dem Aufsichtsrat vorstellen.

Vier deutsche Werke stehen offenbar auf der Streichliste

Die betroffenen Standorte gelten laut den Insiderberichten seit einer Aufsichtsratssitzung im Frühjahr als besonders kostenintensiv.

  • 40.000 Beschäftigte betroffen: In Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm arbeiten zusammen mehr als 40.000 Menschen. Die Werke zählen zu den größten Produktionsstandorten des Konzerns in Deutschland.
  • Produktion bis nach 2030: Die aktuell gebauten Modellreihen sollen planmäßig auslaufen. Neue Fahrzeuggenerationen könnten an günstigeren Standorten entstehen.
  • 750.000 Fahrzeuge Kapazität: Die vier Werke verfügen gemeinsam über eine Fertigungskapazität, die ungefähr acht Prozent der weltweiten Volkswagen-Produktion entspricht.

Warum gerade diese Werke betroffen sein könnten

Die Auswahl wirkt auf den ersten Blick überraschend. Tatsächlich verbindet die Standorte ein gemeinsames Problem.

Die Werke in Zwickau und Emden produzieren ausschließlich Elektrofahrzeuge auf Basis der MEB-Plattform. Volkswagen hatte dort bereits in den vergangenen Monaten Produktionslinien und Schichten reduziert. Hintergrund ist eine geringere Nachfrage als ursprünglich erwartet.

Das Werk Hannover produziert den ID. Buzz sowie Modelle der T-Baureihe und beherbergt eine Batteriemontage. Neckarsulm fertigt überwiegend Audi-Verbrenner und Plug-in-Hybride, baut mit dem Audi e-tron GT aber auch ein Elektrofahrzeug.

Entscheidend ist deshalb weniger der Antrieb als die Auslastung. Große Automobilwerke verursachen hohe Fixkosten. Sinken die Stückzahlen dauerhaft, steigen die Kosten pro produziertem Fahrzeug deutlich. Genau an diesem Punkt geraten Werke mit geringer Kapazitätsauslastung schnell unter wirtschaftlichen Druck.

Stellenabbau ist nur ein Teil des Plans

Die Einsparungen sollen weit über Personalabbau hinausgehen.

Insider berichten von einer deutlichen Straffung des gesamten Konzerns. Die Modellpalette könnte von derzeit rund 150 Fahrzeugen auf weniger als 100 Modelle schrumpfen. Gleichzeitig soll die Zahl unterschiedlicher Komponenten sinken. Mehr Gleichteile und gemeinsame Plattformen reduzieren Entwicklungs-, Logistik- und Produktionskosten.

Auch organisatorisch könnte sich vieles ändern. Die Kernmarke Volkswagen und die Komponentensparte sollen laut den Berichten in eigenständige Gesellschaften überführt werden. Befürworter versprechen sich davon eine klarere Steuerung und mehr Flexibilität gegenüber Investoren. Kritiker befürchten dagegen einen geringeren Einfluss der Arbeitnehmer.

Der eigentliche Grund liegt tiefer

Die Debatte dreht sich derzeit um Werksschließungen. Das eigentliche Problem begann deutlich früher.

Volkswagen kämpft seit Jahren mit einer hohen Modellkomplexität, steigenden Entwicklungskosten und sinkenden Margen. Gleichzeitig investieren chinesische Hersteller wie BYD Milliarden in neue Werke mit hoher Automatisierung und kurzen Entwicklungszyklen. Toyota erzielt mit einer deutlich stärker standardisierten Produktion seit Jahren stabile Renditen. Tesla konzentriert sich auf wenige Modelle und reduziert dadurch die Fertigungskomplexität erheblich.

Volkswagen muss dagegen einen Konzern mit zahlreichen Marken, Plattformen und Produktionsverbünden wirtschaftlich halten. Genau diese Komplexität verursacht hohe Fixkosten, wenn die Nachfrage hinter den Erwartungen zurückbleibt.

Deutschland verschärft die Situation zusätzlich. Hohe Energiepreise, steigende Arbeitskosten und umfangreiche regulatorische Anforderungen machen die Fahrzeugproduktion im internationalen Vergleich teurer. Werksschließungen wären deshalb weniger die Ursache der Krise als deren wirtschaftliche Folge.

Betriebsrat kündigt Widerstand an

IG Metall und der Konzernbetriebsrat lehnen die bekannt gewordenen Pläne entschieden ab.

Christiane Benner, Daniela Cavallo und Thorsten Gröger sprechen von unverantwortlichen Drohungen gegen Mitbestimmung und VW-Gesetz. Sollten entsprechende Konzepte tatsächlich umgesetzt werden, wollen die Arbeitnehmervertreter sie nach eigenen Angaben verhindern.

Politische Kritik folgte ebenfalls schnell. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer bezeichnete mögliche Werksschließungen als fatal. Die wirtschaftliche Grundfrage bleibt dennoch bestehen: Ein Produktionsstandort kann dauerhaft nur bestehen, wenn Auslastung, Produktivität und Kosten im internationalen Wettbewerb zusammenpassen.

Der Aufsichtsrat soll das Sanierungskonzept am 9. Juli beraten. Erst danach dürfte klar werden, welche Teile der bislang nur aus Insiderkreisen bekannten Pläne tatsächlich umgesetzt werden.


Quelle: Manager Magazin | NDR

Google bevorzugte Quelle Schmidtis Blog Schmidtis Blog zu Deiner bevorzugten Quelle bei Google hinzufügen

Links mit einem * sind Partner-Links. Durch einen Klick darauf gelangt ihr direkt zum Anbieter. Solltet ihr euch dort für einen Kauf entscheiden, erhalte ich eine kleine Provision. Für euch ändert sich am Preis nichts. Danke für eure Unterstützung!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert