Volkswagen: Sparkurs bewilligt, bedroht vier Werke und 100.000 Jobs

Schräge Frontansicht eines getarnten VW ID. Cross Elektro-SUV-Prototyps auf der Straße. Der kompakte Erlkönig zeigt eine auffällige grüne Tarnfolie im Palmenblatt-Design vor einer modernen Stadtkulisse
Quelle: Volkswagen AG
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Der Aufsichtsrat der Volkswagen Group hat Nägel mit Köpfen gemacht. Der von CEO Oliver Blume vorgelegte „Zukunftsplan 2030“ wurde einstimmig abgesegnet. Damit ist die Katze aus dem Sack: Dem Autobauer steht der radikalste Umbau der Unternehmensgeschichte bevor. Wer geglaubt hat, der Betriebsrat würde die Pläne stoppen, wird eines Besseren belehrt.

Die harten Fakten haben es in sich. In Europa baut der Konzern jährlich 500.000 Autos am Markt vorbei. Die Konsequenz: Für die deutschen Standorte Zwickau, Emden, Hannover und das Audi-Werk Neckarsulm gibt es ab den Jahren 2031 bis 2034 vorerst keine gesicherte Folgebelegung. Das bedeutet zwar noch nicht die sofortige Werksschließung, aber ohne neue Fahrzeugprojekte droht diesen Standorten das schrittweise Aus.

Ausgerechnet die E-Auto-Aushängeschilder geraten unter die Räder

Besonders bitter trifft es die Elektromobilität. Zwickau und Emden galten als die Speerspitze der Transformation. Dass in Zwickau Modelle wie der VW ID.3, ID.4, ID.5, der Cupra Born und der Audi Q4 e-tron vom Band laufen, schützt den Standort nicht. Wie wir bereits in meiner Analyse zur Zwickau-Krise beleuchtet haben, sind die hohen Fertigungskosten in Deutschland schlicht nicht mehr konkurrenzfähig. In Emden wackelt die Zukunft von ID.4 und ID.7, während Hannover mit dem ID. Buzz und Neckarsulm mit dem Audi e-tron GT zittern müssen.

Der geplante Stellenabbau erreicht eine neue Dimension. Zu den bereits beschlossenen Einsparungen kommen weltweit weitere 50.000 Jobs hinzu, die gestrichen werden – inklusive Managementpositionen. In der Summe verliert der Konzern rund 100.000 Arbeitsplätze, was etwa 15 Prozent der gesamten weltweiten Belegschaft entspricht.

Streichung der Hälfte aller Modelle im Konfigurator

Für Kunden bedeutet der Sparkurs ein radikales Umdenken beim Autokauf. Bis 2035 streicht der Konzern seine weltweite Modellpalette um 50 Prozent. Noch extremer fällt der Schnitt bei den Ausstattungsvarianten aus: Hier sinkt die Komplexität um 75 Prozent. Das bedeutet das Ende der schier unendlichen Aufpreislisten. Künftig gibt es vereinfachte Modellstrukturen und stramm gepackte Ausstattungen nach Vorbild der chinesischen Konkurrenz. Wie stark der Konzern sein Modellangebot bereits neu ausrichtet, zeigt auch die aktuelle VW-Modellstrategie.

Finanziell greift der Konzern trotzdem tief in die Tasche. Von 2027 bis 2031 fließen 135 Milliarden Euro in Sachanlagen sowie Forschung und Entwicklung. Das Ziel dieser Rosskur ist klar gesteckt: Bis 2030 will Volkswagen einen jährlichen Absatz von 9 Millionen Fahrzeugen und eine operative Umsatzrendite von 9 Prozent erreichen, was einem operativen Ergebnis von rund 31 Milliarden Euro entspricht.

Ungewissheit bis 2027 und personeller Umbau an der Spitze

Die Entscheidung des Aufsichtsrats bringt vorerst keine finale Klarheit für die Betroffenen. Die einzelnen Marken haben nun bis Ende Juni 2027 Zeit, tragfähige Konzepte für die europäische Produktionsstruktur vorzulegen. Betriebsratschefin Daniela Cavallo stellte zwar klar, dass die Transformation nicht einseitig auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden dürfe, stimmte dem Plan jedoch zu.

Auch personell stellt sich der Konzern neu auf. Erika Rasch wechselt von der Robert Bosch Gruppe und übernimmt ab dem 1. Oktober das Personalressort im Konzernvorstand. Unterdessen steht auf Markenebene ein Wechsel bevor, da Tarifverhandlungsführer Arne Meiswinkel die Marke Volkswagen zum Jahresende verlässt. Die kommenden Monate werden zeigen, ob der radikale Sparplan die gewünschte Wende bringt oder neue Konflikte heraufbeschwört.

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