VW importiert China-Tech: Rettet der ID. Era 9X die deutschen Werke?

Volkswagen steht mit kolportierten 100.000 Stellenstreichungen massiv unter Druck, doch jetzt liegt ein radikaler Rettungsplan auf dem Tisch. Der Konzern prüft laut Insidern ernsthaft, für China entwickelte Modelle nach Europa zu bringen und sie sogar in kriselnden Werken wie Zwickau zu bauen. Dieser Paradigmenwechsel könnte die lahmende Auslastung stabilisieren und uns endlich moderne Antriebsarchitekturen auf die Straßen spülen.
Von SAIC nach Sachsen: Die CSP-Plattform kommt
Historisch betrachtet hat Wolfsburg seine Fahrzeuge für Europa konzipiert und anschließend exportiert. Angesichts der dramatischen Unterauslastung heimischer Fabriken fordert nun sogar Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies offen, Fernost-Entwicklungen in Deutschland vom Band rollen zu lassen. Als heißester Kandidat für den Europa-Start gilt der ID. Era 9X, ein gemeinsam mit SAIC entwickeltes SUV, das als erstes Konzern-Modell auf einen Range Extender setzt.
Dieser Technik-Transfer liefert auf dem Papier ordentlich Power und bringt folgende handfeste Spezifikationen mit sich:
- Dimensionen: Ein massives SUV mit exakt 5,21 Metern Länge.
- E-Antrieb & Akku: Ein 220 kW starker Elektromotor, gekoppelt an Batterien mit wahlweise 51,1 kWh oder 65,2 kWh.
- Reichweite: Rein elektrisch sind bis zu 267 km respektive 340 km nach chinesischem CLTC-Standard machbar.
- Verbrenner-Backup: Ein 1,5-Liter-Turbobenziner mit 105 kW Maximalleistung fungiert als reiner Stromgenerator.
Zoll-Schlupfloch und Software-Kopfschmerzen
Der Import eines Range Extenders hätte für Volkswagen und den Endnutzer einen massiven finanziellen Vorteil. Aktuell umgeht diese Antriebsart die harten EU-Strafzölle für chinesische E-Autos, die zusätzlich zum regulären Zollsatz von 10 Prozent bis zu 35,3 Prozent Aufschlag bedeuten. Allerdings prüft die EU-Kommission bereits, dieses Schlupfloch für Plug-in-Hybride und Range Extender zeitnah zu schließen.
Der wahre Flaschenhals für diesen drastischen Move liegt jedoch in der digitalen Architektur. Die chinesischen Fahrassistenzsysteme lokaler Partner lassen sich nicht einfach kopieren, sondern müssen für strenge europäische Normen massiv umgeschrieben werden. Ob Volkswagen diese komplexe Software-Portierung kosteneffizient stemmen kann, wird über den Erfolg dieses beispiellosen Strategiewechsels entscheiden.
Dass VW ernsthaft erwägt, China-Modelle in Zwickau zu bauen, ist das ultimative Eingeständnis eigener Entwicklungsdefizite der letzten Jahre. Für den Käufer bedeutet das künftig Zugriff auf deutlich agilere und modernere Tech-Plattformen zu potenziell besseren Preisen, doch für den stolzen deutschen Ingenieurs-Standort ist es ein historischer Weckruf. Wenn jetzt noch die Software-Lokalisierung für Europa scheitert, mutiert Wolfsburg vom Taktgeber zum reinen Hardware-Zusammenbauer.
Quelle: Handelsblatt
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