VW ID.3 GTI: 340 PS Stromer mit Trommelbremsen-Dilemma

Seitenansicht des roten VW ID. 3 GTI
Quelle: Volkswagen AG
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Volkswagen schickt das ungeliebte GTX-Kürzel beim kompakten Stromer endlich in Rente und tauft die Performance-Variante um. Bei der heutigen Weltpremiere des VW ID.3 GTI zeigt sich ein vertrautes Bild: Wolfsburg liefert zwar 340 PS und das gewohnte Karomuster im Cockpit, bleibt bei technologischen Altlasten an der Hinterachse aber erstaunlich stur.

Als Wolfsburg vor einigen Monaten die schrittweise Rückkehr der GTI-Kultmarke ankündigte, war der Jubel unter den Fans groß. Das kryptische GTX-Branding wirkte stets wie ein verlegener Kompromiss der Marketingabteilung. Jetzt übernimmt der ID.3 GTI das Ruder als sportliche Speerspitze der Baureihe.

340 PS Heckantrieb trifft auf 200 km/h Topspeed

Technisch packt Volkswagen das altbekannte Paket in ein schärferes Kleid. Ein starker Elektromotor schickt 340 PS (254 kW) an die Hinterräder. Den Sprint aus dem Stand auf 100 km/h erledigt der Kompakte in flinken 5,4 Sekunden. Anders als beim kleineren ID. Polo GTI lässt Wolfsburg dem ID.3 GTI etwas mehr Auslauf auf der Autobahn. Erst bei 200 km/h regelt die Elektronik den Vortrieb ab.

Die Energie bezieht der Sportler aus dem bekannten Netto-Akku mit 79 kWh Kapazität. An passenden Ladesäulen zieht die Batterie mit bis zu 183 kW Gleichstrom. Der Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent verstreicht in knapp 26 Minuten. Das sind solide Werte für die geplante Markteinführung Anfang 2027, haut im Vergleich zur asiatischen Konkurrenz aber niemanden mehr vom Stuhl.

Car Maniac stellt in seiner aktuellen Video-Analyse zutreffend fest, dass 200 km/h für viele deutsche Autobahnpiloten die absolute Untergrenze markieren. Ein klassischer Golf GTI rennt 250 km/h, wovon der elektrische Bruder wegen des enormen Stromverbrauchs bei Höchstgeschwindigkeit weit entfernt bleibt.

Innenraum-Rettung mit echten Tasten und Karomuster

Im Cockpit betreibt der Hersteller spürbare Wiedergutmachung für die Fehler der ersten ID-Jahre. Auf dem Sportlenkrad sitzen echte physische Tasten statt der nervigen Touch-Slider. Die Klimaanlage lässt sich über feste Schalter bedienen. Die Abkehr von ungeliebten Touch-Elementen erinnert an die angekündigte Neuausrichtung für den elektrischen ID. Golf ab 2028.

Die Passagiere nehmen auf tief ausgeschnittenen Sportsitzen Platz, die den legendären Clark-Karostoff tragen. Das digitale Instrumenten-Display bietet zudem einen speziellen Retro-Modus im Stil früherer GTI-Cockpits. Sogar ein eigener Launch Control Mode wurde in die Software programmiert, um dem Stromer zumindest digital Emotion einzuhauchen.

Trommelbremsen und Sparzwang schmälern das GTI-Erlebnis

Trotz sportlicher Inszenierung schauen GTI-Puristen an zwei Stellen genauer hin. Volkswagen verbaut an der Hinterachse weiterhin schlichte Trommelbremsen. Was bei normalen Elektro-Pendlern wegen der Rekuperation technisch funktionieren mag, wirkt an einem 340 PS starken Performance-Fahrzeug schlicht deplatziert.

Der Sparzwang setzt sich bei der Alltagsnutzen-Rechnung fort. Der ID.3 GTI bietet wie gewohnt 385 Liter Kofferraumvolumen, verzichtet aber komplett auf eine Anhängelast. Lediglich eine Stützlast von 75 kg für den Transport von zwei Fahrrädern auf der Hängerkupplung wird freigegeben. Ein Frunk unter der vorderen Haube fehlt weiterhin.

Der angepeilte Verkaufspreis von rund 53.000 bis 54.000 Euro zum Marktstart in Q1 2027 liegt immerhin spürbar unter einem voll ausgestatteten Verbrenner-Golf GTI. Ob dieses Preisargument ausreicht, um hartgesottene Verbrenner-Fans zum Umstieg zu bewegen, bleibt bei der gebotenen Brems-Hardware allerdings fraglich.

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3 Kommentare

      1. Da muss man bei Fakten bleiben. Bei 95% der Käufer würden Scheibenbremsen vergammeln, somit ist der Schritt völlig richtig. Man könnte höchstens optional Scheibenbremsen anbieten aber da gibt es dann Probleme mit unwissenden Käufern und den Kosten.

        Man muss wenn schon andere Hersteller hinterfragen, wieso dort keine Trommelbremsen verbaut werden. Wenn es softwareseitig gelöst wird, okay aber das machen derzeit nur wenige. Hätte VW auch nutzen können die Option aber sei es drum. Das der einzige Kritikpunkt aber keine Negativpresse wert.

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