VW ID.3 Neo: Warum das MEB-Update beim Laden schwächelt

Volkswagen spendiert dem ID.3 Neo ein paar frische Neuerungen. Doch während man optisch nachgebessert hat, bleibt der echte technische Befreiungsschlag unter dem Blechkleid leider aus.
Wer sehen will, was technisch in derselben Fahrzeugklasse inzwischen möglich ist, muss nach China schauen. BYD hat dem Atto 3 Evo kurzerhand ein echtes 800-Volt-System samt größerem Akku verpasst. VW belässt es auf der bekannten MEB-Plattform dagegen bei überschaubarer Modellpflege.
29 Minuten am Schnelllader: Die Ladekurve bricht zu schnell ein
Dass die Wolfsburger hier Chancen liegen lassen, zeigen die ersten realen Praxistests unter Sommerbedingungen. Ein aktueller Test des YouTube-Kanals Elektrobays legt den Finger genau in die Wunde: Für den Standard-Hub von 10 auf 80 Prozent benötigt der ID.3 Neo geschlagene 29 Minuten.
Das Problem ist die Ladekurve. Zwar liegt der versprochene Peak von etwas über 180 kW sofort an, bricht dann aber viel zu drastisch ein und dümpelt schnell bei nur noch rund 100 kW vor sich hin. Wenn man sieht, was andere Hersteller selbst aus 400-Volt-Architekturen herausholen, ist das für ein frisches Modell schlichtweg zu zäh. Ob man das 2024 noch als Fortschritt verkaufen kann? Wohl kaum.
Effizienter Verbrauch und starke Ladeplanung retten die Langstrecke
Ganz abschreiben darf man den Stromer aber keineswegs, denn abseits der Ladesäule liefert VW ab. Die softwareseitige Ladeplanung arbeitet absolut verlässlich und navigiert ohne Aussetzer von Säule zu Säule.
Dazu kommt eine erfreuliche Effizienz: Mit dem großen 79-kWh-Akku lag der Autobahnverbrauch bei konstantem Tempo 130 km/h bei sparsamen 17,5 kWh. Über 300 Kilometer reine Autobahn-Reichweite sind damit absolut stressfrei machbar – im Test reichte eine Ladung sogar für 422 Kilometer, bevor der Akku bei 3 Prozent nach Strom verlangte.
Am Ende entscheidet das eigene Fahrprofil. Wer den ID.3 ohnehin meist beim Wocheneinkauf anstöpselt, wird die knappe halbe Stunde Standzeit kaum bemerken. Auf der echten Langstrecke sind 29 Minuten Pause für 70 Prozent Akkuladung allerdings ein spürbarer Bremsklotz.
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Wir sollten noch ein paar mehr Reviews abwarten, bevor wir voreilig über den Akku des ID.3 Neo urteilen. Zum einen war es der große Akku (NMC). Zum kleinen (LFP) liegen bereits erste, vielversprechende Ladekurven vor vom baugleichen Cupra Born Facelift. Zum anderen darf bezweifelt werden, ob der Akku im Test von Tarik („Elektrobays“) perfekt vorkonditioniert wurde. Tarik fährt selten mit integrierter Ladeplanung und plant selbst wie und wo er lädt, wie er selbst oft betont. Kann ja jeder machen wie er möchte, aber dann darf man sich auch nicht beschweren, wenn der Akku am HPC-Charger nach ein paar Minuten überhitzt bzw. nicht gut vorkonditioniert ist – weil er eben nicht wusste, dass er gleich beansprucht wird. Das gilt im Sommer wie im Winter gleichermaßen, auch wenn viele bei der Akku-Vorkonditionierung nur ans Erwärmen im Winter denken.