VW-Zukunft: Golf GTI wird elektrisch, ID.7 bleibt letzte Limousine – was Volkswagen noch plant

Wer heute einen VW-Konfigurator öffnet, landet fast zwangsläufig bei einem SUV. Tiguan, T-Roc, Taigo, T-Cross, ID.4, Tayron – die Liste ist lang, die Karosserieformen sind es nicht. Dass das so bleibt, steht außer Frage. Interessanter ist, was VW trotzdem nicht aufgibt.
Ein oft übersehener Punkt: Der SUV-Charakter ist längst keine Frage der Karosserie mehr. Wer im ID.3 sitzt, merkt schnell, dass die Sitzposition durch den Hochvoltspeicher im Fahrzeugboden spürbar angehoben ist. Ähnliches gilt für den Renault 5, der offiziell als Kleinwagen positioniert ist, aber in der Praxis kaum niedrig wirkt. Die Kategorie-Grenzen zwischen Kleinwagen, Kompaktklasse und SUV verlieren an Schärfe – das ist kein VW-spezifisches Problem, sondern eine Plattform-Realität.
Innerhalb dieses Trends hält VW an bestimmten Modelllinien fest, und zwar aus strategischen wie aus Identitätsgründen. Der Amerika-Chef der Marke hat öffentlich bekräftigt, dass Limousinen und sportliche Kompaktklasse eine Zukunft bei Volkswagen haben. Was das konkret bedeutet, lässt sich am aktuellen Portfolio ablesen.
Als Limousine bleibt der ID.7 übrig – mehr nicht. Der Jetta spielt in diesem Kontext für den europäischen Markt keine Rolle. Selbst bei Skoda gibt es zwei Limousinen im Programm, bei VW ist der ID.7 der letzte Vertreter dieser Karosserieform. Den Passat als historischen Vorläufer zu erwähnen hilft beim Verständnis, ändert aber nichts am Ist-Zustand: Die klassische Stufenheck-Limousine ist bei VW ein Auslaufmodell mit einem einzigen verbleibenden Vertreter.
Anders sieht es beim Golf aus. Der Kompaktwagen bleibt, und mit ihm kommt der ID. Golf – das ist offiziell bestätigt. VW behandelt den Golf nicht nur als Verkaufsmodell, sondern als Teil des Markenkerns. Dass der Markt für klassische Kompaktwagen kleiner geworden ist, weiß man in Wolfsburg selbst. Man nimmt den wirtschaftlichen Gegenwind trotzdem in Kauf.
Die Sportvarianten folgen einem klaren Elektrifizierungsplan. Zuerst kommt der ID. Polo GTI, danach der ID.3 GTI. Ein elektrischer ID. Golf GTI ist frühestens gegen 2030 realistisch. Der Golf R in elektrischer Form lässt noch länger auf sich warten: Sollte er kommen, dann auf der neuen SSP-Plattform mit 800-Volt-Architektur. Den MEB-Baukasten, auf dem aktuell der ID.3 basiert, hält man für diese Leistungsklasse für ungeeignet – ein ID.3 R steht entsprechend nicht auf der Agenda. Für den ID. Polo ist immerhin eine R-Line-Ausstattungsvariante geplant.
In den USA wird der Verbrenner-GTI noch erheblich länger angeboten als in Europa, wo die Elektrifizierung der Sportmodelle schrittweise vorangeht. Das ist keine Überraschung, aber es zeigt, wie unterschiedlich VW seine Märkte bedient. Wer auf einen elektrischen Golf R hofft, braucht einen langen Atem – und sollte sich in der Zwischenzeit keine Illusionen über einen schnellen SSP-Rollout machen, denn die Plattform steckt noch tief in der Entwicklungsphase.
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