Xiaomi 18 Fold: Warum das breite Design 1.300 Euro wert sein soll

Burgunder-Rot, ein Riesen-Akku und ein Chip, der gerade jeden Benchmark sprengt – aber der Preis könnte dem ganzen Hype einen Dämpfer verpassen. Neue Leak-Fotos zeigen jetzt erstmals das Gehäuse der Xiaomi 18 Fold in freier Wildbahn, und die Kombination aus Specs und Kosten wirft die Frage auf: Lohnt sich der radikale Formfaktor-Wechsel überhaupt?
Design-Leak zeigt die Karten
Die von Digital Chat Station auf Weibo geteilten Bilder zeigen ein Buch-Foldable mit breitem Innendisplay, das stark an Xiaomis eigenes HyperOS 4-Teaser-Bild erinnert – gleiche Display-Form, gleiche Rahmen-Gestaltung, gleiche Punch-Hole-Position oben rechts. Das ist kein Zufall, das ist Bestätigung. Auffällig: Die Rahmen wirken auf den Fotos noch relativ dick, was bei einem ersten Wide-Format-Versuch nicht überrascht.
Das rote Modell, das CEO Lei Jun kürzlich in der Hand hielt, bestätigt außerdem die Farboption Burgunder-Rot. Ob man diese Optik gegenüber dem eher konservativen Schwarz-Weiß-Portfolio wirklich braucht? Geschmackssache, aber zumindest mal was anderes.

Größer als die Konkurrenz von Samsung
Xiaomi geht mit dem 18 Fold offenbar noch breiter als Samsungs Galaxy Z Fold 8, wie ein während der Xring O3-Präsentation kurz gezeigtes Bild bestätigt. Das ist eine bewusste Kampfansage: Wo Samsung auf kompakte Eleganz setzt, positioniert sich Xiaomi als Mini-Tablet-Ersatz. Frühere Berichte sprechen von einem 7,6-Zoll-Falt-Display – das wäre spürbar geräumiger als die Konkurrenz.
Zur Dicke gibt es noch keine offiziellen Zahlen, aber die Foto-Analyse von Lei Juns Handmodell deutet auf ein vergleichsweise schlankes Gehäuse hin. Der Vergleichswert: Die Galaxy Z Fold 8 kommt aufgeklappt auf 4,5 Millimeter. Wenn Xiaomi hier unterbieten kann, wäre das tatsächlich eine Ansage – schlanke Foldables sind nach wie vor ein Verkaufsargument.
Akku und Kamera: Die Ausstattung, die zählt
Laut bisherigen Berichten soll das Gerät mit einem 6.000-mAh-Akku samt kabelloser Ladefunktion kommen. Das wäre für ein Foldable ein ordentlicher Wert – gerade weil Falt-Handys wegen der geteilten Gehäuse-Bauweise traditionell mit kleineren Zellen kämpfen. Dazu soll eine 200-Megapixel-Hauptkamera verbaut werden, was auf dem Papier beeindruckt, in der Praxis aber vor allem von der Bildverarbeitung abhängt und nicht von der reinen Pixelzahl.
XRING O3: Der Chip, der die Charts sprengt
Das technische Herzstück bleibt der XRING O3, gefertigt im 3-Nanometer-Verfahren bei TSMC mit 24 Milliarden Transistoren. Mit 5.228.014 Punkten im AnTuTu-Benchmark ist er der erste Smartphone-Chip überhaupt, der die 5-Millionen-Marke knackt. Die Zehn-Kern-CPU verzichtet komplett auf klassische Effizienz-Kerne: zwei C1-Ultra-Kerne mit bis zu 4,35 GHz, vier C1-Premium-Kerne mit 3,68 GHz und vier C1-Pro-Kerne mit 3,15 GHz.
Zum Vergleich: Der kommende Snapdragon 8 Elite Extreme Gen 6 soll auf bis zu 5,01 GHz takten – Xiaomi liegt bei der reinen Taktfrequenz also unter der Konkurrenz, gewinnt den Benchmark-Krieg aber trotzdem über die Kernzahl und Architektur. Das zeigt: Nicht der höchste Takt gewinnt, sondern das Gesamtpaket.
Bei der Grafik übernimmt die neue G2-Ultra-NX-GPU mit 16 Kernen, die laut Xiaomi 85 Prozent mehr Leistung bei 64 Prozent weniger Energieverbrauch liefert. Dazu kommt als Weltneuheit LPDDR6-Speicherunterstützung mit 113,8 GB/s Bandbreite – 48 Prozent mehr als beim Vorgänger XRING O1.
Der Preis-Aufreger
Hier wird es unangenehm. Aktuellen Leaks zufolge könnte die Xiaomi 18-Reihe, zu der das Fold gehört, spürbar teurer werden. Das reguläre Xiaomi 18 soll in China bei über 5.499 Yuan starten – umgerechnet rund 710 Euro, gegenüber 4.499 Yuan beim Vorgänger. Für das Fold-Modell kursieren Gerüchte von umgerechnet rund 1.300 Euro. Xiaomi-Präsident Lu Weibing hatte bereits vor anhaltendem Kostendruck durch steigende Speicherpreise gewarnt, der laut seiner Einschätzung mindestens bis Ende 2027 anhalten könnte.
Preislich leider eine Ansage, die weh tut – gerade weil Xiaomi traditionell mit aggressiven Preisen punktet. Wenn sich das bestätigt, verliert die Marke einen ihrer größten Trümpfe gegenüber Samsung und Apple.
Europa? Eher nicht
Der große Dämpfer zum Schluss: Trotz der beeindruckenden Technik bleibt die Xiaomi 18 Fold aller Voraussicht nach ein China-exklusives Produkt. Wer in Europa sitzt, kann sich die Kombination aus Rekord-Chip und breitem Formfaktor vorerst nur aus der Ferne ansehen – oder auf Importe zurückgreifen, was Garantie und Support kompliziert macht.
Beeindruckende Technik, aber zwei große Fragezeichen
Der XRING O3 ist ein handfester technologischer Fortschritt, keine Frage. Aber zwischen Rekord-Benchmarks und einem Gerät, das seinen Preis im Alltag auch rechtfertigt, liegt eine Lücke, die erst der September-Launch schließen kann. Und selbst dann bleibt die Frage, ob sich die potenziellen 1.300 Euro für ein Gerät lohnen, das die meisten Leser hierzulande ohnehin nicht offiziell kaufen können. Spannend wird’s trotzdem – nur eben mehr als Statement zu Xiaomis Ambitionen denn als konkretes Kaufargument für Europa.
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