Lucid Air Sapphire: Elektro-Limousine schlägt zwei Sportwagen

schräge Frontansicht eines dunklen Lucid Air
Quelle: Lucid Motors
Verpasse keine News, folge mir auf WhatsApp, Mastodon oder Google News

25,7 Sekunden. So lange braucht der Lucid Air Sapphire im aktuellen 0-200-0-mph-Test von Car and Driver, um von null auf 200 mph und wieder zurück auf null zu kommen. Damit ist die elektrische Luxuslimousine nicht einfach schnell – sie ist in genau dieser Disziplin schneller als eine Corvette ZR1X und ein McLaren 750S.

200 mph entsprechen rund 322 km/h. Und nein, das ist kein Wert, den irgendjemand im Alltag braucht. Aber genau deshalb ist der Test interessant: Hier geht es nicht um den üblichen 0-100-Sprint, sondern darum, was ein Auto bei sehr hohem Tempo mit seiner Leistung anfangen kann – und wie schnell es danach wieder steht.

Der Lucid gewinnt nicht beim Bremsen

Die Zahlen sind ziemlich eindeutig. Der Sapphire benötigte 25,7 Sekunden, die Corvette ZR1X 31,8 Sekunden und der McLaren 750S 37,7 Sekunden für den kompletten 0-200-0-mph-Lauf. Der Lucid war damit 6,1 Sekunden schneller als die Corvette und satte 12 Sekunden schneller als der McLaren.

Der entscheidende Punkt wird aber gerne übersehen: Der Sapphire gewinnt diesen Vergleich nicht durch überragende Bremsleistung. Car and Driver schreibt ausdrücklich, dass beide Sportwagen beim Bremsen einen deutlichen Vorteil haben. Nur ist dieser Vorteil kleiner als der gewaltige Vorsprung, den sich der Lucid beim Beschleunigen erarbeitet.

Das macht die Geschichte sogar interessanter. Der schwere Viertürer muss die Sportwagen beim Verzögern gar nicht schlagen. Er ist vorher einfach schon so weit davongezogen, dass der Nachteil beim Bremsen kaum noch ins Gewicht fällt.

1.251 PS treffen auf erstaunlich wenig Luftwiderstand

Der Air Sapphire bringt laut Lucid 920 kW beziehungsweise 1.251 PS aus drei Permanentmagnet-Elektromotoren. Die deutsche Lucid-Seite nennt außerdem 2,0 Sekunden für 0-100 km/h und eine Höchstgeschwindigkeit von 330 km/h.

Für den 0-200-0-Test ist aber nicht nur die Leistung entscheidend. Car and Driver beobachtet, dass der Sapphire zwischen 150 und 200 mph deutlich langsamer weiterbeschleunigt als im unteren Geschwindigkeitsbereich – genau das ist wegen des massiv steigenden Luftwiderstands zu erwarten. Trotzdem erreicht der Lucid die 200 mph mehr als sieben Sekunden früher als die Corvette und mehr als 13 Sekunden früher als den McLaren.

Bei der Corvette spielt dabei die Aerodynamik eine Rolle. Der getestete ZR1X war mit dem ZTK-Track-Paket und dem großen Heckflügel unterwegs, der laut Car and Driver bis zu 1.200 Pfund Abtrieb erzeugen kann. Auf der Rennstrecke ist das Gold wert. Bei einem möglichst schnellen Geradeauslauf bis 200 mph kostet dieser zusätzliche Abtrieb allerdings ebenfalls Energie.

Das ist ein wichtiger Unterschied: Der Test kürt nicht das beste Sportauto. Er zeigt, welches Auto für genau diesen Beschleunigungs-Brems-Marathon am besten funktioniert.

Der Sapphire ist schwer – und genau das macht die Bremse interessant

Der Lucid hat gegenüber einem McLaren 750S einen massiven Gewichtsnachteil. Der 750S ist ein klassischer leichter Mittelmotor-Sportwagen und wurde bei Car and Driver unter anderem mit Hochleistungsreifen und Carbon-Keramik-Bremsen getestet.

Trotzdem beträgt der Unterschied beim kompletten 0-200-0-Test weniger als eine Sekunde beim Bremsanteil. Der Lucid braucht laut Car and Driver allerdings beinahe eine Viertelmeile, um aus 200 mph zum Stillstand zu kommen.

Das sollte man nicht schönreden: Der Sapphire ist kein McLaren, nur weil er den McLaren in diesem Test schlägt. Sobald Kurven, Fahrzeuggewicht, Reifen und Rundstrecken-Handling entscheidend werden, dreht sich das Bild. Car and Driver hat beim 750S beispielsweise 1,13 g auf dem Skidpad gemessen, gegenüber 1,04 g beim Sapphire.

Genau diese Einordnung fehlt bei vielen „Tesla/Lucid schlägt Supercar“-Meldungen. Ein einzelner Beschleunigungstest sagt nicht, welches Auto insgesamt das bessere Performance-Fahrzeug ist.

Der Porsche scheitert an 199,3 mph

Noch ein Detail macht den Test kurios: Der Porsche 911 Turbo S kam gar nicht in die Wertung. Obwohl seine Höchstgeschwindigkeit mit 200 mph angegeben ist, griff bei 199,3 mph der Geschwindigkeitsbegrenzer ein. Car and Driver wertete den Lauf deshalb als DNF.

Damit bleiben im eigentlichen Vergleich drei Autos übrig: Corvette ZR1X, Lucid Air Sapphire und McLaren 750S. Der Lucid setzt dabei laut Car and Driver einen neuen Benchmark für den eigenen 0-200-0-Test.

Und das ist meines Erachtens die bessere Schlagzeile als „Elektroauto zerstört Supercars“. Letzteres klingt nach YouTube. Der tatsächliche technische Punkt ist viel interessanter: Ein großer Elektro-Viertürer kann bei über 300 km/h noch so viel Leistung auf die Straße bringen, dass selbst extrem schnelle Verbrenner- und Hybrid-Sportwagen in einem definierten Messszenario hinterherfahren.

250.000 Euro für einen sehr speziellen Rekord

Billig ist der Spaß natürlich nicht. Lucid listet den Air Sapphire in Deutschland aktuell mit 250.000 Euro komplett ausgestattet. Dafür gibt es 1.251 PS, 330 km/h Höchstgeschwindigkeit und eine WLTP-Reichweite von 694 Kilometern.

Und damit sind wir beim Haken. Für 250.000 Euro kauft hier niemand ein Auto, weil der tägliche Weg zum Supermarkt mit 0-200-0 mph effizienter wird. Der Sapphire ist ein technisches Statement – und ein ziemlich teures noch dazu.

Immerhin ist die Leistung nicht nur eine Zahl auf dem Datenblatt. Lucid gibt für den Sapphire einen eigenen dreimotorigen Antriebsstrang an; die Fahrmodi Sapphire und Track verändern unter anderem Ansprechverhalten von Fahrwerk, Bremsen und Lenkung sowie Drehmoment, maximale Leistung und Thermomanagement.

Genau hier wird der Lucid-Test relevant

Natürlich bleibt der 0-200-0-mph-Test ein Extrembenchmark. Niemand sollte daraus ableiten, dass ein Sapphire auf jeder Rennstrecke schneller ist oder dass die enorme Leistung automatisch bessere Alltagseigenschaften bedeutet.

Aber genau solche Tests zeigen, wie sich die Performance-Spitze bei Elektroautos verändert. Der alte EV-Witz „schnell bis 100 und danach ist Schluss“ funktioniert beim Sapphire jedenfalls nicht mehr.

25,7 Sekunden von 0 auf 200 mph und zurück auf null sind eine Ansage. Nicht für den Alltag. Nicht als Beweis für das insgesamt bessere Auto. Aber als Demonstration dessen, was ein elektrischer Antriebsstrang leisten kann, wenn Leistung, Allradantrieb, Aerodynamik, Reifen, Fahrwerk und Thermomanagement gemeinsam auf maximale Performance getrimmt werden.

Und genau deshalb ist der Lucid Air Sapphire in diesem Test so bemerkenswert: Nicht weil eine Limousine plötzlich ein besserer McLaren wäre. Sondern weil eine Limousine überhaupt in der Lage ist, einen McLaren 750S und eine Corvette ZR1X bei einem 322-km/h-Beschleunigungs-Brems-Marathon hinter sich zu lassen.

Google bevorzugte Quelle Schmidtis Blog Schmidtis Blog zu Deiner bevorzugten Quelle bei Google hinzufügen

Links mit einem * sind Partner-Links. Durch einen Klick darauf gelangt ihr direkt zum Anbieter. Solltet ihr euch dort für einen Kauf entscheiden, erhalte ich eine kleine Provision. Für euch ändert sich am Preis nichts. Danke für eure Unterstützung!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert