Audi A2 e-tron: Edel-Stromer auf der falschen Basis?

Auf einen Blick (TL;DR):
- Antrieb & Effizienz: 190 PS Heckmotor (APP350), 58-kWh-LFP-Akku, reale 14,5 kWh/100 km Verbrauch, cW-Wert von 0,24.
- Innenraum-Gefühl: Verarbeitung und Haptik endlich wieder auf echtem Premium-Niveau – ein spürbarer Abstand zum VW ID.3.
- Das Problem: Steht auf der teuren MEB-Plattform statt der MEB-Entry-Basis des ID. Polo. Der Einstiegspreis klettert auf 41.200 Euro.
Audi wagt die Rückkehr einer echten Legende. Was vor gut 25 Jahren als kompromissloser Aluminium-Sparzwerg begann, soll nun als rein elektrischer Audi A2 e-tron das Kompaktsegment aufmischen. Die ersten Meter im noch getarnten Prototypen hinterlassen allerdings ein gespaltenes Gefühl: Der Wagen fährt sagenhaft effizient, leistet 190 PS und bringt genau jene Verarbeitungsqualität zurück, die man bei den Ingolstädtern in den letzten Jahren schmerzlich vermisst hat.
Apropos Effizienz: Auf der Fahrveranstaltung zwischen Dänemark und Schweden zauberte der Prototyp unter Traumbedingungen schlanke 12,3 kWh/100 km auf das Digital-Display. Bei etwas flotterer Gangart im Alltag pendelt sich der 58-kWh-LFP-Akku eher bei realistischen 14,5 kWh/100 km ein – was unterm Strich noch immer für ehrliche 400 Kilometer Reichweite reicht. Zu verdanken ist das vor allem dem feingetunten APP350-Heckmotor, ausgeklügelten Aero-Tricks bis hin zur geglätteten Reifenflanke und einem fantastischen cW-Wert von 0,24.
| Modell | Plattform | Antrieb | Akku / Chemie | Erwarteter Startpreis |
| Audi A2 e-tron | MEB (C-Segment) | Heck (190 PS) | 58 kWh (LFP) | 41.200 € |
| VW ID.3 Neo | MEB (C-Segment) | Heck (170/210 PS) | 58 kWh (NMC/LFP) | 36.225 € |
| VW ID. Polo | MEB-Entry (B-Segment) | Front (150 PS) | ~38-50 kWh (LFP) | 24.995 € |
Audi A2 e-tron: Innenraum-Luxus trifft auf spürbare Fahrwerks-Härte
Interessant wird es, sobald man die Fahrertür aufklinkt. Wie die geschätzten Branchenkollegen von Autocar treffend feststellten, vermittelt der Innenraum wieder jene Akribie, mit der Audi jahrelang den Maßstab im VW-Konzern definierte. Exzellente Stoffbezüge, satte Druckpunkte, eine vorbildliche Geräuschdämmung selbst bei Tempo 130 und absolut kein künstlicher Plastikgeruch: Der A2 e-tron fühlt sich auf Anhieb wieder wie ein echter Audi an und setzt sich spürbar vom teils hemdsärmelig verarbeiteten VW ID.3 ab.
Wen überrascht es da, dass die Kehrseite beim Fahrkomfort wartet? Der gefahrene Prototyp stand auf optionalen 19-Zoll-Aerorädern samt straffem Sportfahrwerk. Kurze Querfugen und Kanten gibt der Stromer recht trocken an die Hüften der Insassen weiter. Da bin ich echt gespannt, ob die serienmäßigen 18-Zoll-Räder im Alltag die deutlich harmonischere Wahl sein werden. Fest steht auch: Einen Quattro-Antrieb wird es nicht geben. Selbst die stärkeren Ableger mit bis zu 326 PS bleiben sture Hecktriebler.
Audi A2 e-tron: Warum der Rotstift bei der Plattform falsch ansetzte
In den vertraulichen Gesprächen am Rande der Testfahrt schält sich das eigentliche Dilemma dieses Autos heraus: die Plattform-Entscheidung. Audi setzt den A2 e-tron auf die überarbeitete MEB-Architektur des Konzerns. Technisch gesehen bekommt man hier also einen aufgedonnerten VW ID.3 Neo. Zur Wahrheit gehört aber auch: Der Ur-A2 nutzte damals die kleine Polo-Basis, nicht den Golf. Ein schlanker A2 auf der kommenden MEB-Entry-Plattform (wie beim VW ID. Polo oder Cupra Raval) hätte einen attraktiven Einstiegspreis von unter 30.000 Euro garantiert.
Stattdessen verlangt Audi für die 190-PS-Variante mit 58 kWh voraussichtlich selbstbewusste 41.200 Euro. Das ist ein gewaltiges Brett für einen Kompaktwagen – erst recht, wenn der konzerneigene ID. Polo ab rund 25.000 Euro in den Startlöchern steht. Da bin ich extrem auf die finale Marktakzeptanz gespannt. Am Ende droht dem elektrischen A2 e-tron nämlich dasselbe Schicksal wie seinem Urvater aus dem Jahr 1999: Ein ingenieurtechnisch brillantes Fahrzeug zu sein, das sich die angedachte Zielgruppe schlichtweg nicht leisten kann.
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