Warum der elektrische Audi A4 das wichtigste Auto für Ingolstadt wird

Audi steckt in einer handfesten Krise und verliert auf dem globalen Markt zunehmend den Anschluss. Jetzt bricht Technikchef Rouven Mohr das Schweigen über den vollelektrischen A4 E-Tron, der im Jahr 2028 das Ruder herumreißen muss.
Das Auto wird nicht nur optisch einen radikalen Schnitt bedeuten, sondern führt auch eine völlig neue Technik-Plattform in die Masse ein. Für die Marke mit den vier Ringen ist dieses Projekt schlicht überfällig.
Das Ende der quälenden Lade-Kompromisse
Im Alltag merken die E-Auto-Fahrer immer wieder, wie entscheidend die Ladegeschwindigkeit an der Autobahn ist. Wer heute einen Audi Q4 E-Tron für viel Geld kauft, steht an der Ladesäule oft neben günstigeren Modellen von BYD oder Geely und wartet deutlich länger.
Das liegt an der alternden 400-Volt-Architektur der MEB-Plattform, die sich Volkswagen mangels Software-Fortschritten viel zu lange aufgebürdet hat. Nur die teuren Oberklasse-Modelle wie der Q6 E-Tron nutzen die modernere 800-Volt-PPE-Basis.
Mit dem kommenden A4 E-Tron soll dieser unfaire Zustand enden, da er als erstes echtes Volumenmodell die neue SSP-Plattform nutzt. Damit zieht echtes Schnellladen endlich in die wichtige Mittelklasse ein, was für den Alltag der Kunden wichtiger als gedacht ist.
Schnelligkeit als Überlebensstrategie gegen die Konkurrenz
Audi kann es sich wirtschaftlich nicht mehr leisten, fünf Jahre an einem neuen Fahrzeug zu entwickeln. Die chinesische Konkurrenz wirft neue Modelle in einem atemberaubenden Tempo auf den Markt, während in Ingolstadt die internen Prozesse jahrelang festgefahren waren.
Mohr bestätigte nun, dass Audi beim A4 E-Tron auf ein neues Prinzip setzt, das sogenannte Projekthaus-Verfahren. Dadurch werden Abteilungen zusammengelegt, um die Entwicklung drastisch zu beschleunigen und schneller auf Marktveränderungen zu reagieren.
Die Kehrseite dieser enormen Geschwindigkeit liegt allerdings auf der Hand. Wenn Software und Hardware in Rekordzeit durchgepeitscht werden, drohen Fehler, die dann im schlimmsten Fall erst beim Kunden reifen.
Ein Design-Neustart mit echten Knöpfen im Cockpit
Optisch wird der A4 E-Tron eine völlig neue Sprache sprechen, die sich unter anderem durch einen sehr markanten, vertikalen Grill abhebt. Auffällig und absolut nachvollziehbar ist aber vor allem die angekündigte Kehrtwende im Innenraum.
Audi will sich vom reinen Touchscreen-Wahn verabschieden und wieder vermehrt auf physische Knöpfe und Regler setzen. Das ist eine logische Entscheidung, da die reine Display-Bedienung beim Fahren oft ablenkt und die Kundschaft zunehmend genervt reagiert.
Zudem wird der traditionelle Kombi, der klassische Avant, eine tragende Rolle behalten. Das ist konsequent, denn genau diese Karosserieform macht die echte Identität der Marke aus und sichert den Vorsprung vor der SUV-Schwemme.
Der harte Verdrängungswettbewerb in der elektrischen Mittelklasse
Der Markt für elektrische Mittelklasse-Limousinen verschärft sich bis zum Ende des Jahrzehnts dramatisch. Während Tesla mit dem Model 3 Long Range bereits heute enorme Reichweiten bietet, setzt BMW mit der Neuen Klasse und dem elektrischen i3 die Messlatte extrem hoch an. Die Münchner visieren Reichweiten von bis zu 900 Kilometern und extreme Ladeleistungen von 400 Kilowatt an.
Volkswagen muss mit der hochskalierbaren SSP-Plattform, die später auch den elektrischen Skoda Octavia und den VW ID. Golf antreiben soll, genau diese Lücke schließen. Nur über diese enorme Markenvielfalt lassen sich die notwendigen Stückzahlen generieren, um im Preiskampf gegen die etablierte Konkurrenz überhaupt profitabel zu bleiben.
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