BMW 3er G50: Verbrenner erbt das Cockpit der Neuen Klasse

Frontansicht des roten BMW M Concept Neue Klasse
Quelle: BMW
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Ein Blick auf die neuen Innenraum-Details des 2027er BMW 3er (G50) lässt keinen Zweifel mehr zu: München vollzieht in der Mittelklasse den harten Schnitt. Wer gehofft hatte, dass die Verbrenner-Varianten der bayrischen Traditions-Limousine von der radikalen Digitalisierung verschont blieben, sieht sich nun eines Besseren belehrt. In den Erlkönigen der neuen Generation zeigt sich schlicht das gleiche Bildschirm-Konzept, das eigentlich für die reinen Elektroautos entwickelt wurde.

Tachoscheiben ade: Panoramic Vision schluckt das Fahrerdisplay

Das gewohnte Bild im Cockpit gehört endgültig der Vergangenheit an. Hinter dem Lenkrad sucht man ein klassisches Kombiinstrument vergebens. Stattdessen setzt BMW voll auf das neue Bedienkonzept iDrive X. Die zentralen Fahrdaten wandern in die sogenannte Panoramic Vision – eine Anzeige, die sich quer über die gesamte untere Kante der Windschutzscheibe erstreckt. Ergänzt wird die Projektion durch ein dreidimensionales 3D Head-up-Display, das Abbiegehinweise und Assistenzdaten direkt auf die Straße projiziert.

In der Mitte des Armaturenträgers thront ein zentraler Touchscreen. Auf dessen rechter Seite lassen sich Kacheln per Drag-and-Drop frei konfigurieren, um häufig genutzte Funktionen schnell im Zugriff zu haben. Überraschend dabei: Den riesigen 14,6-Zoll-Bildschirm, den der Hersteller in der 7er-Reihe und im kommenden 5er-Facelift verbaut, bekommt der 3er nicht. München reserviert das XXL-Display bewusst für die teureren Oberklasse-Modelle und belässt es in der Mittelklasse bei einer kompakteren Monitor-Lösung.

Dennoch bedeutet die Reduzierung auf reine Touch-Flächen eine deutliche Umstellung im Alltag. Wie kritisch das neue Anzeige-Konzept Panoramic iDrive wegen des fehlenden Dreh-Drück-Stellers bewertet wird, zeigt die Diskussion rund um die Bedienbarkeit während der Fahrt. Wer die Temperatur verstellen möchte, muss sich künftig an Touchflächen oder die Sprachsteuerung gewöhnen. Im Prototypen des M350 war immerhin ein neues M-Sportlenkrad verbaut, das mit seinen ausgeprägten Speichen zumindest haptisch Orientierung bietet.

Elektro-Gehirn im Verbrenner: Die Architektur des G50

Der eigentliche Clou der neuen Generation liegt im Verborgenen. BMW beschränkt den Technologietransfer keineswegs auf die Bildschirme im Innenraum. Der Verbrenner-3er übernimmt weitgehende Teile der zentralen Software- und Rechnerarchitektur aus der Elektro-Entwicklung. Die Steuerung von Fahrdynamik, Bremsen, Lenkung und Assistenzsystemen bündelt der Konzern in Hochleistungsrechnern, die Daten um ein Vielfaches schneller verarbeiten als bisherige Systeme.

München vereinheitlicht damit die technische Basis der gesamten Modellfamilie. Egal ob ein Sechszylinder-Benziner den Ton angibt oder ein Elektromotor die Räder antreibt: Die digitale Nutzererfahrung bleibt exakt identisch. Im Vergleich zum rein elektrischen Modellbruder BMW i3 50 xDrive unterscheidet sich das Interieur optisch kaum. Ein durchgängiges, einteiliges Panorama-Glasdach sorgt für viel Licht im Innenraum, lässt sich allerdings nicht öffnen – eine Kehrseite der aerodynamischen Optimierung.

Auch beim Modellprogramm räumt der Hersteller gründlich auf. Während der M350 als dynamisches Topmodell den bisherigen M340i ablöst, bedeutet der Generationenwechsel das endgültige Aus für den M340d. Der bärenstarke Reihensechszylinder-Diesel fällt den strengen Emissionsvorgaben und der Neuausrichtung des Portfolios ersatzlos zum Opfer.

Gewachsene Proportionen: Mehr Radstand und breitere Spur

Neben der digitalen Runderneuerung schraubt der Hersteller an den mechanischen Grundlagen. Die Karosserie des G50 wächst gegenüber dem Vorgänger G20 spürbar in alle Richtungen. Ein leicht verlängerter Radstand sorgt für etwas mehr Beinfreiheit auf den hinteren Sitzplätzen, während verbreiterte Spurweiten an Vorder- und Hinterachse für einen deutlich satten Stand auf der Straße sorgen. In Kombination mit optionalen 20-Zoll-Rädern wirkt die Limousine athletischer denn je.

Die veränderten Abmessungen bringen jedoch eine unvermeidbare Kehrseite mit sich: das Fahrzeuggewicht. Auch wenn der Verbrenner-3er im Vergleich zum Akku-Schwergewicht i3 spürbar leichter ausfällt, dürfte der G50 gegenüber seinem unmittelbaren Vorgänger zulegen. Die aufwendige Elektronik, die gewachsenen Dimensionen und zusätzliche Dämmmaterialien fordern ihren Tribut auf der Waage.

Für Märkte mit speziellem Platzbedarf legt der Konzern zudem nach. Für China steht mit dem G58 bereits eine Langversion in den Startlöchern, die beim Raumangebot im Fond fast an eine Oberklasse-Limousine heranreicht. Es wird deutlich: BMW geht beim 3er keinen Kompromiss mehr ein. Die Trennung zwischen traditioneller Verbrenner-Welt und elektrischer Zukunft wird im Cockpit komplett aufgehoben.

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