BYD: 2 Millionen Exporte geplant, doch Batterien fehlen

Beim aktuellen Investor Call von BYD hat der Hersteller Zahlen sprechen lassen. Der chinesische Autogigant peilt für das Gesamtjahr 2026 einen Auslandsabsatz von 1,9 bis 2,0 Millionen Fahrzeugen an und will 2027 sogar die Marke von 2,5 Millionen Einheiten knacken. Das ist eine Ansage in Richtung der etablierten Konkurrenz. Doch die detaillierten Zahlen zeigen, wo das System ins Stocken gerät.
Transportschiffe bremsen, Fabriken im Ausland laufen an
In den ersten acht Monaten des Jahres 2026 lieferte BYD bereits 1.157.954 PKW und Pickups im Ausland ab – ein Plus von über 85 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Allein der August markierte mit 188.746 Einheiten und einem Zuwachs von 134,6 Prozent einen neuen Rekordwert. Dass BYDs August-Exporte die schwächelnden Zahlen auf dem chinesischen Heimatmarkt abfedern, reicht dem Management längst nicht mehr.
Das Wachstum ist im Moment schlicht durch begrenzte Frachtkapazitäten auf den Weltmeeren gedeckelt. Um diesen Logistik-Knoten zu lösen, setzt der Konzern auf lokale Fertigung. Das Werk in Indonesien hat die Produktion aufgenommen, während der Standort in Brasilien schrittweise auf eine Jahreskapazität von 300.000 Fahrzeugen skaliert wird. Finanziell steht der Auslandsangriff auf festen Beinen. Pro verkauftem Auto verbuchte BYD im ersten Halbjahr im Schnitt rund 20.000 RMB (etwa 3.000 US-Dollar) Gewinn. Trotz Währungsschwankungen rechnet das Management mit stabilen Margen, sobald die neuen Übersee-Werke nach ihrer Anlaufphase ihre Kostenvorteile ausspielen.
250.000 Autos auf Halde: Der Akku-Engpass schlägt zu
Auffällig ist die harte Kehrseite dieser rasanten Expansion. Der Konzern kämpft aktuell mit einem gewaltigen Auftragsstau von rund 250.000 Fahrzeugen, die allesamt auf die schnelle Ladeinfrastruktur ausgelegt sind. Der Grund dafür ist absurd: Es fehlen schlichtweg genug Akkus für die Flash-Charging-Modelle. Dieser Batterie-Engpass wird laut Aussage der Unternehmensführung voraussichtlich noch bis zum ersten Quartal 2027 andauern und bremst die Auslieferungen spürbar aus.
Parallel baut der Hersteller sein hauseigenes Ladeökosystem im Eiltempo weiter aus. Bis zum 28. August 2026 wurden in 332 chinesischen Städten bereits 10.000 Megawatt-Ladestationen installiert. Bis Jahresende sollen es in China 20.000 Stationen sein. Der Plan sieht vor, das Netz 2027 um weitere 30.000 und 2028 um 40.000 Einheiten auf insgesamt 90.000 Megawatt-Lader aufzustocken.
Megawatt-Ladeinfrastruktur erobert den Globus
Auch außerhalb Chinas geht die Offensive voran. Über eine Partnerschaft mit Shell strebt BYD kurzfristig ein Netz von 6.000 Ladestationen an. Die Expansion hat in Märkten wie Deutschland und Großbritannien bereits begonnen. Dass der Ausbau der BYD Flash Charger in Europa wegen der örtlichen Stromnetze auf Widerstände trifft, bremst das Tempo im Ausland bislang kaum ab.
Für das Jahr 2027 kündigt der Konzern zudem deutliche Sprünge beim autonomen Fahren an. Die eigene Softwareentwicklung soll rechtzeitig zur Einführung der chinesischen L3-Regulierung bereitstehen. Das Management bleibt dennoch pragmatisch und hält an einer offenen Lieferkette fest. Externe Zulieferer dürfen weiterhin um Aufträge konkurrieren.
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