BYD Dolphin Surf: 94-Liter-Frunk, doch der Tacho fliegt raus

Zwei Zahlen und eine Streichung: Der neue BYD Dolphin Surf bekommt laut offiziellen Innenraum-Grafiken einen Frunk mit bis zu 94 Litern und hinten bis zu 1.380 Liter Stauraum. Gleichzeitig fällt das Display hinter dem Lenkrad komplett weg. Für mich ist das ein Platzgewinn, der an der falschen Stelle spart.
Der Dolphin Surf läuft in China als Seagull, und dort bereitet BYD die neue Generation vor. Sie misst laut Vybe 4.205 Millimeter statt bisher 3.990 Millimeter, also gut 21 Zentimeter mehr, die vor allem dem Innenraum zugutekommen sollen. Dass der Kleinwagen damit eine Klasse nach oben rutscht, deuteten die Homologationsdaten zum Dolphin-Surf-Upgrade bereits an. Ob sie den aktuellen Dolphin Surf ersetzt oder als größere Variante danebensteht, ist laut ElektroQuatsch offen. BYD hat dazu nichts gesagt, und davon hängt die Preisfrage ab.
Heckantrieb schafft den Frunk, Geely war schneller
Der Stauraum vorn ist eine Frage des Antriebs. Der aktuelle Dolphin Surf hat keinen Frunk, weil der Frontantrieb den Platz unter der Fronthaube beansprucht. Die zweite Generation setzt den Motor an die Hinterachse, er leistet 95 kW (129 PS) bei 150 km/h Höchstgeschwindigkeit. In die 94 Liter passt laut Vybe ein kleiner bis mittelgroßer Koffer, also mehr als nur das Ladekabel.
Bei den Stauraumzahlen bleibt Vorsicht angebracht. ElektroQuatsch weist darauf hin, dass Vergleiche mit Klassenkollegen wie dem VW ID.3 wackeln, solange Messmethode, Ladehöhe und europäische Sitzkonfiguration offen sind. Die Werte sind Herstellerangaben aus der China-Präsentation, keine in Europa nachgemessenen Zahlen.
Die Konkurrenz ist ohnehin schneller am Markt. Der Geely E2 mit Heckantrieb und Frunk kommt in Deutschland für unter 20.000 Euro und hat laut Vybe nahezu identische Abmessungen. Vybe versteht die neue Dolphin-Surf-Generation deshalb als direkte Reaktion auf Geely, bestätigt hat BYD das nicht. Der Vergleich im Überblick:
| Merkmal | Dolphin Surf (aktuell) | Dolphin Surf (neue Generation) | Geely E2 |
|---|---|---|---|
| Länge | 3.990 mm | 4.205 mm | 4.140 mm |
| Antrieb | Front | Heck | Heck |
| Frunk | keiner | 94 Liter | 70 Liter |
| Kofferraum | nicht angegeben | bis 1.380 Liter | 375 bis 1.320 Liter |
| Europa | im Handel | nicht bestätigt | unter 20.000 Euro |

Tacho gestrichen: Ein Bildschirm muss alles allein stemmen
Die größte Ansage im Cockpit ist die Streichung. Laut Vybe verzichtet BYD auf ein separates Kombiinstrument, Geschwindigkeit, Reichweite und Ladezustand erscheinen dauerhaft links auf dem großen Touchscreen. ElektroQuatsch nennt zusätzlich Fahrstufe und Lichtstatus und beschreibt eine Splitscreen-Ansicht: Links läuft eine hochformatige Instrumentenanzeige, rechts bleiben Navigation oder Medien offen. Der Vybe-Autor zieht den Vergleich zum Tesla Model Y und findet das Konzept ohne Head-up-Display wenig gelungen.
Mir geht es ähnlich, und ich bin damit nicht allein. Hyundai macht das digitale Kombiinstrument zur Sonderausstattung, und der Widerspruch liegt auf der Hand: Wer einen großen Zentralscreen verbaut, braucht eine ordentliche Fahreranzeige. Sonst wandert der Blick bei jeder Tempokontrolle in die Mitte. Ob BYD dem Dolphin Surf ein Head-up-Display spendiert, ist offen.
Die Splitscreen-Lösung klingt clever, hat aber eine Kehrseite. Dass BYD dafür Software und Rechenleistung überarbeitet hat, vermutet ElektroQuatsch nur, eine Herstellerangabe gibt es nicht. Wer täglich pendelt, liest Tempo und Navigation ständig gleichzeitig ab, und genau dort entscheidet sich, ob die Lösung im Alltag funktioniert. Reagiert der Bildschirm träge, wird aus der Platzidee schnell ein Ärgernis.
Massagesitz und Magnet-Regler: Was Europa davon sieht, ist unklar
Auch bei den Sitzen legt BYD nach. Die Rückbank soll laut ElektroQuatsch eine weiche, loungeartige Polsterung bekommen, zusätzliche Ablagen unter den hinteren Sitzen nutzen den Raum besser aus. Vorn sind vollständig elektrisch einstellbare Sitze vorgesehen, in höheren Ausstattungslinien mit Massagefunktion für den Fahrer. Für einen Elektro-Kleinwagen ist das ungewöhnlich viel Komfort. Das gilt zunächst für die China-Version, europäische Varianten werden womöglich anders konfiguriert.
Ganz ohne Tasten kommt der Dolphin Surf trotzdem nicht aus. Beim Seagull mit Flash-Charging, über den ich zuletzt berichtet habe, sitzt direkt unter dem Infotainment-Bildschirm eine physische Schalterleiste für Klimaanlage und Schnellzugriffe. Dazu kommt ein kompakter Drehregler, der sich laut ElektroQuatsch offenbar an verschiedenen Stellen im Innenraum magnetisch befestigen lässt. Welche Funktionen er steuert, hat BYD bisher nicht erklärt.
Für Europa steht noch nichts fest. Der neue Seagull startet zunächst in China, eine Einführung bei uns gilt als plausibel, dürfte aber mit Abstand folgen. Name, Ausstattung, Assistenzsysteme und Software können für den DACH-Markt angepasst werden, auch native Google-Dienste sind offen. Entscheiden werden Preis, Batteriekapazität und Ladeleistung der europäischen Version, zu denen BYD bislang keine Angaben gemacht hat. Zur Einordnung: Der aktuelle Dolphin Surf kostet in Deutschland regulär ab 22.990 Euro, der Geely E2 startet unter 20.000 Euro. Ein größerer, besser ausgestatteter Nachfolger muss daher entweder teurer werden oder auf BYDs Marge gehen, das ist meine Einschätzung und keine Herstellerangabe.
Immerhin passt die Richtung zur Strategie: BYD will in Europa weniger Importmarke sein und künftige Modelle auf maximal 4,30 Meter Länge begrenzen. Mit 4.205 Millimetern bliebe der Dolphin Surf der zweiten Generation darunter. Mein Fazit: Der Platz stimmt, der gestrichene Tacho nervt, und beides ist bisher nur ein Versprechen aus offiziellen China-Grafiken.
Schmidtis Blog zu Deiner bevorzugten Quelle bei Google hinzufügen
Links mit einem * sind Partner-Links. Durch einen Klick darauf gelangt ihr direkt zum Anbieter. Solltet ihr euch dort für einen Kauf entscheiden, erhalte ich eine kleine Provision. Für euch ändert sich am Preis nichts. Danke für eure Unterstützung!
