Neuer BYD Seagull: 9-Minuten-Laden und Heckantrieb ab umgerechnet 8.600 Euro

neuer BYD Seagull in den Farben Rosa und Grau
Quelle: BYD
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Chinas Preiskampf erreicht die nächste Eskalationsstufe: Während europäische Autobauer noch darüber debattieren, wie sich ein bezahlbarer Kleinwagen überhaupt profitabel bauen lässt, serviert BYD die zweite Generation seines Bestsellers. Der neue BYD Seagull startet auf dem Heimatmarkt zu einem regulären Einstiegspreis von 65.900 Yuan – das entspricht aktuell rund 8.600 Euro.

Mit offizieller Eintauschprämie fällt der Preis sogar auf 62.900 Yuan (rund 8.200 Euro). Wer nun ein minimales Facelift erwartet, liegt falsch. BYD krempelt die Plattform komplett um, schmeißt den Frontantrieb raus, streicht das Fahrerdisplay und setzt beim Laden eine Benchmark, die selbst teure Luxus-Stromer alt aussehen lässt.

Raus aus der Kleinstwagen-Nische: Mehr Radstand, Heckmotor und Frunk

Der Neuling sprengt sein bisheriges Segment. Mit einer Außenlänge von 4.205 Millimetern legt der Seagull im Vergleich zum Vorgänger um satte 425 Millimeter zu. Auch der Radstand wächst um 150 Millimeter auf nun 2.650 Millimeter bei einer Breite von 1.810 Millimetern und einer Höhe von 1.570 Millimetern. Damit parkt das Auto nicht mehr in der Zwergenklasse, sondern tritt vollwertig im Polo-Format an. Der Zuwachs schafft innen Platz für fünf Sitzplätze statt der bisherigen vier. Frühe Hinweise auf ein größeres Modell mit 127 PS treffen damit exakt ins Schwarze.

Entscheidend für diesen Raumgewinn ist der Wechsel der Antriebsachse. Statt wie bisher die Vorderräder anzutreiben, wandert die E-Maschine ins Heck. Zur Wahl stehen zwei Leistungsstufen mit 85 kW (114 PS) sowie 95 kW (127 PS) bei jeweils 130 Nm Drehmoment. Zur Erinnerung: Der bisherige Seagull quälte sich mit müden 55 kW (75 PS) über den Asphalt. Damit die Fuhre bei flotter Kurvenfahrt nicht ins Schwimmen gerät, spendiert BYD der Hinterachse eine aufwendige Mehrlenker-Einzelradaufhängung.

Der Heckmotor löst ein chronisches Platzproblem an der Front: Unter der Haube sitzt nun ein vollwertiger Frunk mit 94 Litern Stauvolumen. Zusammen mit dem Kofferraum, der bei umgeklappter Rückbank bis zu 1.380 Liter schluckt, liefert der Chinese eine Variabilität, an der sich europäische Hersteller ein Beispiel nehmen müssen.

Blade Battery 2.0: Fünf Minuten Ladezeit knacken das Reichweiten-Paradoxon

Im Unterboden verbaut BYD erstmals die Blade Battery 2.0 auf Lithium-Eisenphosphat-Basis (LFP). Angeboten werden zwei Akkugrößen mit 30,1 kWh und 39,2 kWh Kapazität. Nach dem optimistischen chinesischen CLTC-Zyklus reicht das für 320 Kilometer beziehungsweise 420 Kilometer. Auf europäische Straßen und den realistischeren WLTP-Standard übertragen bedeutet das für die größere Version rund 330 bis 340 Kilometer Reichweite.

Die eigentliche Ansage ist jedoch nicht die Akkukapazität, sondern das Ladetempo. Dank sogenanntem Flash Charging drückt BYD die Standzeiten auf ein absolutes Minimum:

  • 10 auf 70 Prozent: exakt fünf Minuten
  • 10 auf 97 Prozent: gerade einmal neun Minuten
  • 20 auf 97 Prozent bei minus 30 Grad: in zwölf Minuten erledigt

Möglich wird das durch die optimierte Zellchemie der Blade Battery 2.0, die extrem hohe C-Raten verträgt, ohne dass dafür Megawatt-Ladeleistungen an der Säule nötig sind. Für die Praxis bedeutet das: Wer den Akku auf der Langstrecke leerfährt, steht kaum länger am Schnelllader als ein Verbrenner an der Zapfsäule. Flankiert wird diese Technik vom aggressiven Ausbau des Flash-Charging-Netzes, mit dem BYD in China bereits tausende Hochleistungspunkte hochzieht.

Radikaler Kahlschlag im Cockpit und LiDAR auf dem Dach

Auf dem Fahrersitz verlangt der neue Seagull allerdings Kompromissbereitschaft. Hinter dem neu gestalteten Zweispeichen-Lenkrad gähnt Leere. Der Verzicht auf das klassische Kombiinstrument ist Programm: Tempo, Reichweite und Warnhinweise wandern ausnahmslos auf den zentralen 15,6-Zoll-Touchscreen, der mit der Software DiLink 150 läuft. Was Tesla seit Jahren praktiziert, spart in der Produktion bares Geld, nervt mich im Stadtverkehr jedoch gewaltig, weil der Blick zwingend nach rechts wandern muss.

Dafür geizt BYD nicht bei Komfort und Sensorik. Die Sitze vorn bieten Sitzheizung, Belüftung und eine Massagefunktion für den Fahrer. Smartphones laden auf einer 50-Watt-Ladeschale kabellos. Wer tiefer in die Tasche greift, bekommt mit dem System DiPilot 300 (‚God’s Eye B‘) einen Dach-LiDAR inklusive automatisierter Fahrfunktionen für den Stadtverkehr und einem Einparkassistenten. Selbst bei einem plötzlichen Reifenschaden soll ein Assistenzsystem das Auto bis zu einem Tempo von 140 km/h stabil in der Spur halten.

Was bleibt für den europäischen Markt?

In China reicht die Preisspanne von 65.900 Yuan (rund 8.600 Euro) für das Basismodell bis zu 99.900 Yuan (rund 13.000 Euro) für die voll ausgestattete Version. Wer glaubt, diese Zahlen lassen sich per Währungsrechner auf Europa übertragen, ignoriert Frachtkosten, lokale Steuern und die EU-Ausgleichszölle. Das Versprechen eines echten 10.000-Euro-Elektroautos war hierzulande schon beim Vorgänger reine Utopie.

Doch selbst wenn BYD das Modell als Dolphin Surf für 18.000 bis 21.000 Euro nach Deutschland bringt, steht die Konkurrenz mit dem Rücken zur Wand. Ein VW ID. Polo oder ein Renault 5 müssen erst einmal beweisen, wie sie gegen neun Minuten Ladezeit, serienmäßigen Frunk und Heckantrieb bestehen wollen.

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