BYD: Wie Chinas größter Elektroautobauer die Autobranche aufmischt – und versteckte Schulden anhäuft

BYD Ocean S
Quelle: BYD
Verpasse keine News, folge mir auf WhatsApp, Mastodon oder Google News

Mercedes verlor 2024 rund 28 Prozent seines Gewinns. Porsche brach um 92 Prozent ein. Volkswagen kündigte den Abbau von 15.000 Stellen an. Alle drei nennen denselben Faktor, wenn auch selten beim Namen: BYD. Der chinesische Hersteller hat in weniger als einem Jahrzehnt die Kräfteverhältnisse der globalen Autoindustrie verschoben, einer Branche, die Deutschland, Japan und die USA seit fast einem Jahrhundert dominierten.

Den Grundstein legte Gründer Wang Chuanfu mit einer strategischen Wette auf Batterien statt auf Verbrennungsmotoren. BYD produziert heute nahezu alle relevanten Komponenten selbst: Akkupacks, Halbleiter, Motoren, Glas, Software. Diese vertikale Tiefe erwies sich als entscheidender Vorteil, als die Chipkrise 2021 westliche und japanische Hersteller lahmlegte. BYD fuhr die Produktion einfach weiter hoch. Dass ein Unternehmen in so kurzer Zeit eine derart breite Fertigungsinfrastruktur aufgebaut hat, ist industriegeschichtlich bemerkenswert und dürfte den Wettbewerbern noch lange Kopfschmerzen bereiten.

Der Aufstieg beschränkt sich nicht auf den chinesischen Heimatmarkt. In Thailand hält BYD inzwischen 40 Prozent des Elektroautosegments. In Europa wachsen die Marktanteile kontinuierlich, während etablierte Marken wie Audi dort verlieren. Der deutsche Bundeskanzler sah sich veranlasst, persönlich nach Peking zu reisen, um die Lage der deutschen Industrie zu verhandeln.

Die Kehrseite ist allerdings erheblich. Zwischen 2015 und 2020 flossen rund 4,3 Milliarden US-Dollar an direkten staatlichen Subventionen an BYD. In einzelnen Jahren übertrafen diese Zahlungen den gesamten Nettogewinn des Unternehmens. Ohne staatliche Unterstützung hätte BYD Verluste geschrieben. Das ist kein Detail, sondern ein struktureller Faktor, der jeden fairen Vergleich mit europäischen oder japanischen Wettbewerbern relativiert.

Dazu kommen Berichte über versteckte Schulden. Analysten schätzen die tatsächliche Verschuldung auf das Achtfache der offiziell angegebenen Werte, möglicherweise rund 323 Milliarden Yuan, kaschiert durch systematisch lange Zahlungsziele gegenüber Zulieferern. Berichte über sogenannte „Null-Kilometer-Gebrauchtwagen“ – Neufahrzeuge, die auf Scheinunternehmen zugelassen werden, um Verkaufszahlen künstlich zu erhöhen – verschärfen das Bild. In den Jahren 2024 und 2025 rief BYD Hunderttausende Fahrzeuge wegen Lenkungsdefekten und Kurzschlussgefahr zurück. In Brasilien ermitteln Behörden wegen Arbeitsbedingungen in Zuliefererbetrieben, die als sklavereiähnlich beschrieben werden.

Ob BYD unter der Schuldenlast zusammenbricht oder sich als das Toyota des 21. Jahrhunderts etabliert, lässt sich heute nicht beantworten. Was sich sagen lässt: Die Spielregeln der globalen Automobilbranche werden gerade neu geschrieben, und das Skript kommt aus China.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen.
Erfahre mehr in der Datenschutzerklärung von YouTube.


Links mit einem * sind Partner-Links. Durch einen Klick darauf gelangt ihr direkt zum Anbieter. Solltet ihr euch dort für einen Kauf entscheiden, erhalte ich eine kleine Provision. Für euch ändert sich am Preis nichts. Danke für eure Unterstützung!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert