Cupra Terramar VZ: 272-PS-Hybrid scheitert an der Vorderachse

Sechs Monate Dauertest und knapp 20.000 Kilometer im harten Alltagseinsatz mehrerer Fachmagazine liefern ein ungeschminktes Bild: Der Cupra Terramar VZ e-Hybrid punktet auf der Langstrecke mit hoher Reichweite und schnellen Ladezeiten, offenbart bei sportlicher Gangart jedoch eine gravierende Schwachstelle. Die Kombination aus 1.5 TSI und Elektromotor überfordert das reine Frontantriebs-Layout des 1,9-Tonners auf nasser oder kurviger Fahrbahn spürbar.
Echte Verbräuche: Was der Spanier abseits des Prüfstands schluckt
Die offiziellen WLTP-Angaben von unter zwei Litern auf 100 Kilometer haben mit der Praxis wenig gemein. Das Zusammenspiel aus dem 177 PS (130 kW) starken Vierzylinder-Turbobenziner und der 116 PS (85 kW) starken E-Maschine hängt elementar vom Streckenprofil und der Ladedisziplin ab:
- Pendel-Szenario (Stadt/Land, moderates Tempo): 2,2 Liter Benzin + 17,5 kWh Strom je 100 km bei konsequenter Nutzung öffentlicher Ladesäulen. Die rein elektrische Reichweite liegt bei rund 100 Kilometern.
- Autobahn-Richtgeschwindigkeit (Schnitt 107 km/h): 4,9 Liter Benzin + 6,6 kWh Strom nach vorheriger Vollladung.
- Autobahn unter Volllast (Schnitt 134 km/h): 8,5 Liter Benzin + 3,6 kWh Strom bei zügiger Langstreckenfahrt.
- Gesamter Dauertestschnitt (20.000 km, beladen, hoher Autobahnanteil): 5,9 Liter Benzin + 3,7 kWh Strom.
- Hybridbetrieb mit leerem Akku: 6,4 Liter Benzin je 100 km. Der 45-Liter-Kraftstofftank ermöglicht hierbei eine Gesamtreichweite von knapp 700 Kilometern.
Damit beweist der letzte neu entwickelte Verbrenner der Marke, dass die MQB-Evo-Plattform im Hybridmodus erstaunlich effizient arbeiten kann – vorausgesetzt, der Akku wird regelmäßig geladen.
Technische Daten & Messwerte im Überblick
| Parameter | Werksangabe (Cupra) | Reale Dauertest-Messung |
| Systemleistung / Drehmoment | 200 kW (272 PS) / 400 Nm | 272 PS / 400 Nm Systemleistung |
| Beschleunigung 0–100 km/h | 7,3 Sekunden | 7,0 Sekunden (GPS-Messung) |
| Höchstgeschwindigkeit | 215 km/h | 215 km/h (Tacho 222–223 km/h) |
| Batteriekapazität | 25,8 kWh brutto / 19,7 kWh netto | 19,7 kWh nutzbar (ca. 100 km E-Reichweite) |
| DC-Ladezeit (10–80 %) | ca. 26 Minuten | 25 Minuten an 50-kW-Schnelllader (0–80 % in 29 min) |
| Kofferraumvolumen | 450 bis 1.450 Liter | 450 Liter (90 Liter Verlust gegenüber reinem Verbrenner) |
| Leergewicht | 1.898 kg | ca. 1,9 Tonnen betriebsbereit |
Schnellladen mit 50 kW: Effizient am Supermarkt, Zicken an der AC-Säule
Beim Ladekonzept setzt Cupra Maßstäbe im Plug-in-Segment. Während viele Konkurrenten nach wie vor stundenlang an einphasigen Wechselstrom-Ladern hängen, zieht der Terramar VZ Gleichstrom mit bis zu 50 kW über die CCS-Ladebuchse im linken vorderen Kotflügel.
Im Messbetrieb war der Ladehub von 10 auf 80 Prozent nach exakt 25 Minuten erledigt. Das prädestiniert das SUV für Ladehalte während des Wocheneinkaufs.
Im Alltagsbetrieb trübten jedoch zwei Konstruktionsdetails das Bild: An öffentlichen AC-Normaladesäulen verweigerte das System bei etwa jedem vierten Ladevorgang die Kommunikation und brach ab. Zudem fehlt unter der Motorhaube ein Frunk. Liegt der Kofferraum voll mit Reisetaschen, muss das Ladekabel zwingend im Fahrgastraum transportiert werden – das Fach unter dem doppelten Ladeboden ist bei voller Beladung blockiert. Die Hochvoltbatterie im Heck kostet gegenüber den reinen Verbrennermodellen (540 Liter) exakt 90 Liter Gepäckraum.
400 Nm Drehmoment treffen auf Traktionsnot
Das serienmäßige adaptive Fahrwerk DCC deckt eine breite Spreizung ab. Im Komfort-Modus schluckt das SUV Fahrbahnunebenheiten sauber weg, während die Dämpfer im Cupra-Modus spürbar verhärten. Die Progressivlenkung vermittelt ein präzises Gefühl um die Mittellage.
Tritt man das Gaspedal jedoch voll durch, gerät der Frontantrieb an seine physikalischen Grenzen. Zwar schiebt das Gespann vehement an und unterbietet mit gemessenen 7,0 Sekunden den Werksspurtwert um drei Zehntel, doch beim Herausbeschleunigen aus engen Kurven scharren die Vorderräder hilflos um Grip.
Der Vorderwagen drängt frühzeitig nach außen und zwingt die Elektronik zu rigiden Regeleingriffen. Das Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe genehmigt sich beim spontanen Kickdown eine merkliche Bedenkzeit, bis die passende Übersetzungsstufe sortiert ist. Unter Volllast klingt der 1,5-Liter-Vierzylinder zudem angestrengt und rau. Für ein Modell mit sportlichem Markenspruch fehlt dem Terramar VZ an dieser Stelle die Souveränität eines Allradantriebs.
Ergonomie: Physische Lenkradtasten treffen auf Touch-Altlasten
Die enge Verwandtschaft mit dem Wolfsburger Schwestermodell VW Tiguan prägt das Innenraumkonzept. Cupra beweist Fingerspitzengefühl am Sportlenkrad, das mit echten haptischen Tasten und Drehwalzen glänzt. Die integrierten Sportsitze bieten auch auf Etappen über 500 Kilometer erstklassigen Langstreckenkomfort ohne Druckstellen.
Umso ärgerlicher ist das Festhalten an den unbeleuchteten Touch-Slidern unterhalb des 12,9-Zoll-Zentraldisplays zur Regelung von Innenraumtemperatur und Audiolautstärke. Die Bedienung lenkt während der Fahrt unnötig ab.
Nachbesserungsbedarf zeigt auch die Sensorik: Beim Rangieren wirft der Rückfahr-Notbremsassistent bei harmlosen Grashalmen regelmäßig unbegründete Vollbremsungen ein. Nervig im Alltag ist zudem die Entriegelung der Benzintankklappe, die über einen mechanischen Zughebel im Fahrerfußraum ausgelöst werden muss – während die elektrische Ladeklappe vorn per Druckimpuls öffnet.
Mit einem Basispreis von 43.020 Euro für den 1.5 eTSI-Mildhybriden und über 56.000 Euro für den 272 PS starken VZ e-Hybrid kalkuliert Cupra selbstbewusst. Das SUV schlägt eine funktionale Brücke, bis die Marke parallel zum Ende der MQB-Evo-Modelle die vollständige Transformation zu reinen Elektroplattformen vollzieht. Für zügige Langstreckenpendler mit Lademöglichkeit bleibt der Terramar ein starkes Reiseauto – sportliche Kurvenräuber sollten die Traktionsgrenzen der Vorderachse vor dem Kauf jedoch genau einkalkulieren.
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Wie intensiv testen sie denn bitte die Autos? Die Touch Slider sind beim Terramar seit Markteinführung und Leon/Formentor ab Facelift beleuchtet. Das negative einfach von anderen abgeschrieben, weil es sonst nichts negatives über dieses Fahrzeug zu berichten gäbe?