Donut Lab: Intertek-Test schürt neue Zweifel am Wunderakku

Das finnische Startup Donut Lab versucht verzweifelt, den Verdacht einer Mogelpackung abzuwenden. Ein neu vorgelegter Prüfbericht des britischen Labors Intertek soll belegen, dass die eigene Batteriezelle weder auf Lithium noch auf Natrium basiert. Doch wer die Messwerte und die Begleitumstände der Analyse gründlich zerlegt, stößt auf noch mehr Ungereimtheiten als zuvor.
Nur 3,4 ppm Lithium, aber wer hat die Probe zerlegt?
Das Labor Intertek im britischen Wilton untersuchte im Auftrag von Donut Lab Elektrodenmaterialien einer gelieferten Beutelzelle. Mittels ICP-OES-Messelements bestimmten die Analysten den Gehalt von zwei spezifischen Metallen. Die Ergebnisse weisen magere 3,4 ppm Lithium und 632 ppm Natrium nach Gewicht aus. CEO Marko Lehtimäki feiert diesen Befund als klaren Beweis dafür, dass der eigene Energiespeicher gänzlich ohne klassische Lithium-Ionen- oder Natrium-Ionen-Chemie auskommt.
Die Schwachstelle dieses Narrativs zeigt sich beim Blick auf den eigentlichen Prüfaufbau. Die Experten von Intertek öffneten keine versiegelte Akkuzelle vor Ort. Das Startup lieferte die Proben im bereits zerlegten Zustand an das Testlabor. Die analysierten Stücke trugen schlicht die Beschriftung „Pouchcell – Cell 1“, während der Name der Firma im gesamten Prüfbericht überhaupt nicht auftaucht. Dass bereits im Sommer die schweren Vorwürfe zum angeblichen Akku-Betrug bei Donut Lab für Erschütterung sorgten, verleiht dieser Vorgehensweise eine brisante Note.
Schlimmer noch ist die eklatante Abweichung zwischen der Pressemitteilung und dem eigentlichen Dokument. Das Unternehmen behauptete öffentlich, dass auch der Elektrolyt zwischen den Elektroden getestet worden sei. Der Bericht von Intertek stellt jedoch an drei separaten Stellen klar, dass ausschließlich Teile von Anode, Kathode und Stromabnehmer präpariert wurden. Gerade bei einer Feststoffbatterie stellt die Schicht des festen Elektrolyten den entscheidenden Bereich für den Nachweis von Ionen dar.
Ergänzend fällt die merkwürdige Bearbeitungsgeschichte der Unterlagen auf. Der Prüfbericht durchlief innerhalb von nur fünf Tagen drei verschiedene Fassungen. Nach der Erstausstellung am 17. September folgte am 21. September eine Korrektur der Probenbeschreibung und am 22. September eine nachträgliche Anpassung des Versuchstextes. Für eine äußerst überschaubare Messwert-Tabelle ist das eine erstaunliche Dichte an redaktionellen Korrekturen.
Der Widerspruch zwischen Laborwerten und der harten Physik
Die vorgelegten Zahlen passen nicht zur physikalischen Realität bisheriger Testergebnisse. Erst im September maß das staatliche finnische Forschungsinstitut VTT bei einer Donut Lab-Zelle des Typs V1.5 eine spezifische Energiedichte von 409,3 Wh/kg. Der Ladevorgang erfolgte in einem Spannungsfenster von 2,3 V bis 4,25 V.
Dieses Spannungsfeld entspricht exakt dem Betriebsfenster hochenergetischer Lithium-Ionen-Akkus mit Silizium-Anode. Kein bekanntes wiederaufladbares System ohne Lithium oder Natrium erreicht in der Praxis auch nur annähernd Energiedichten von über 400 Wh/kg. Ein Speicher ohne diese beiden Elemente deutet physikalisch eher auf einen Superkondensator oder Hybridkondensator hin. Solche Systeme bieten zwar extreme Schnellladefähigkeiten, scheitern jedoch völlig an hohen Energiedichten.
Wer die Messergebnisse zusammendenkt, landet bei zwei logischen Szenarien. Entweder gelang dem kleinen finnischen Unternehmen eine völlig neuartige Chemie, die sämtliche weltweiten Forschungseinrichtungen in den Schatten stellt. Oder aber die von VTT geprüfte 409,3-Wh/kg-Zelle und die an Intertek verschickten Folienstücke stammen von zwei gänzlich unterschiedlichen Bauteilen. Der vorgelegte Laborbericht liefert darauf keine Antwort, weil Intertek ausschließlich Lithium und Natrium maß, während Metalle wie Kalium, Magnesium, Zink oder Aluminium schlicht unangetastet blieben.
Dabei gab das Startup im Frühjahr noch an, dass erste Ladetests der Feststoffbatterie im Elektromotorrad bei der Partgermarke Verge bereits vielversprechend verliefen. Bislang fehlen jedoch unschätzbare Nachweise aus dem echten Fahrbetrieb.
Versprochene Serienreife verpufft im Jahresverlauf
Das Verhalten reiht sich nahtlos in die Ankündigungen der vergangenen Monate ein. Auf der CES im Januar tönte das Management, man besitze die erste einsatzbereite Feststoffzelle für die Automobilserienfertigung weltweit. Die Auslieferung von Elektro-Motorrädern an Endkunden sollte im ersten Quartal 2026 starten. CEO Marko Lehtimäki sprach damals öffentlich von einer Zelle, die sich bereits in Produktion befinde.
Ende September 2026 ist auf den Straßen kein einziges Kundenfahrzeug mit dieser Technik zu sehen. Die im Frühjahr gezeigten Motorräder stellten lediglich Prototypen dar. Mittlerweile räumte Lehtimäki sogar ein, dass die im Labor gemessene 409,3-Wh/kg-Zelle gar nicht an Kunden geliefert werden soll. Jedes neue Gutachten dient offenbar nur dazu, Ablenkungsmanöver aufzubauen und Fragen zur tatsächlichen Serienfertigung zu umgehen.
Auch inhaltliche Zitate im PR-Material werfen Fragen auf. Die Aussage, mit derart geringen Spuren an Aktivmaterial lasse sich überhaupt keine funktionierende Batterie bauen, stammt nicht von den Prüfern des Labors. Intertek hielt explizit fest, dass Meinungen und Interpretationen außerhalb der Akkreditierung liegen. Die Äußerung stammt in Wahrheit von CTO Ville Piippo selbst.
Die etablierte Konkurrenz hat längst erkannt, dass der Serienstart von Feststoff-Akkus bei Branchenriesen bis 2030 ein langwieriger Kraftakt bleibt, während Donut Lab primär die eigene PR-Maschinerie bedient. Wer echte Durchbrüche bei der Energiedichte liefern möchte, muss funktionierende Fahrzeuge auf die Straße bringen – keine abgespeckten Laborschnipsel ohne herstellerunabhängige Siegel.
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Danke, einer der ersten, der wirklich nachgeforscht hat und nicht den Schwachsinn der Marketing Abteilung von donutlab einfach kopiert.