BMW iX3: GCOTY-Award für Cockpit, Aus beim Haupttitel

Die Wette auf radikale Digitalisierung schlägt die Kritiker in den eigenen Reihen. Als die Münchner das Cockpit der Neue-Klasse-Generation enthüllten, war der Aufschrei in Online-Foren groß: Der geliebte iDrive-Drehregler flog ersatzlos aus der Mittelkonsole, physische Tasten wurden bis auf ein absolutes Minimum gestrichen.
Die 47-köpfige Jury der German Car of the Year Awards 2027 sieht das völlig anders. Die Fachjournalisten küren den BMW iX3 offiziell zum Sieger in der Kategorie Best Interior Design and Infotainment. Ein klares Votum für den mutigen Kurs aus München – auch wenn das Elektro-SUV im Kampf um den Gesamttitel bereits vorzeitig ausgeschieden ist.
Touchscreens schlagen Tradition: Die Wette geht auf
Das Urteil der internationalen Fachjury ist eine deutliche Bestätigung für die neue Innenraum-Philosophie. BMW hat beim ersten Serienmodell der neuen Plattform das gewohnte Armaturenbrett komplett abgerissen. Ein 17,9-Zoll-Zentraldisplay kombiniert mit dem sogenannten Panoramic Vision – einer Projektion, die Fahrdaten und Infotainment über die gesamte Breite der Windschutzscheibe abbildet – ersetzt das klassische Fahrerdisplay hinter dem Lenkrad. Wer damals beim Marktstart des iX3 der Neuen Klasse Zweifel an der Ablesbarkeit oder der Ablenkung im Alltag äußerte, sieht sich nun durch die Urteile der Fachtester eines Besseren belehrt.
Die Journalisten bewerteten sämtliche Neuvorstellungen der letzten zwölf Monate auf dem deutschen Markt. Dass ausgerechnet ein extrem screen-lastiges Layout die etablierte Konkurrenz hinter sich lässt, zeigt den Wandel in der Branche. BMW verzichtet nahezu komplett auf physische Schalter in der Mittelkonsole. Die Steuerung sämtlicher Fahrzeugfunktionen erfolgt über das neue BMW Operating System X, schnelle Gesten oder die erweiterte Sprachsteuerung. Ein neu gestaltetes Multifunktionslenkrad mit vertikalen Speichen ergänzt das Head-up-Display der neusten Generation. Nur besonders häufig genutzte Basisfunktionen behalten haptische Tasten.
Dieses Cockpit bildet die Blaupause für die gesamte Modellpalette. Bereits in der kommenden Woche präsentiert BMW die neue 3er-Reihe samt elektrischer i3-Limousine, die exakt dieses Armaturenbrett übernehmen wird. Gegen Ende des Jahres folgt das SUV-Coupé iX4 mit identischem Aufbau. Höher positionierte Baureihen wie der iX5 und die 7er-Reihe stocken das System sogar noch weiter auf: Dort verbauen die Münchner zusätzlich einen eigenen 14,6-Zoll-Bildschirm auf der Beifahrerseite, den der iX3 und der i3 nicht besitzen.

Warum der iX3 trotzdem nicht German Car of the Year wird
Trotz der Auszeichnung für den besten Innenraum bleibt dem BMW iX3 der Weg zur Krone als Gesamtsieger versperrt. Das Regelwerk der GCOTY-Awards schreibt vor, dass ausschließlich die Sieger der fünf Hauptklassen um den Gesamttitel am 2. November konkurrieren dürfen. Der BMW iX3 trat in der hart umkämpften Premium-Kategorie für Fahrzeuge zwischen 40.000 und 70.000 Euro an. Dort musste sich das Münchner Elektro-SUV im direkten Vergleich dem Mercedes-Benz GLC Electric geschlagen geben.
Damit setzt sich die Finalisten-Gruppe für die finale Erprobungsfahrt aus folgenden Klassensiegern zusammen:
- Volkswagen ID. Polo (Sieger Kategorie Budget unter 25.000 Euro)
- Kia PV5 (Sieger Kategorie Compact von 25.000 bis 40.000 Euro)
- Mercedes-Benz GLC Electric (Sieger Kategorie Premium von 40.000 bis 70.000 Euro)
- Xpeng X9 (Sieger Kategorie Luxury über 70.000 Euro)
- Hyundai Ioniq 6 N (Sieger Kategorie Performance)
Das Teilnehmerfeld demonstriert die Dominanz der Elektromobilität im aktuellen Automobiljahr. Neben den Hauptkategorien vergab die Jury weitere Einzelauszeichnungen. Der Renault Twingo sicherte sich den Award für das beste Exterieurdesign, während der Porsche 911 Turbo S als einziger klassischer Verbrenner die Kategorie Best Powertrain gewann. Der Preis für das beste Preis-Leistungs-Verhältnis ging an den chinesischen Geely E2, und der Skoda Peaq holte die Trophäe als Familienauto des Jahres. Skoda-Chef Klaus Zellmer wurde zudem als Automotive Person of the Year geehrt, bevor er im Oktober 2027 an die Spitze von Volvo wechselt.
100.000 Bestellungen entlarven die Internet-Kritik
Der Erfolg beim Design-Preis deckt sich mit den realen Verkaufszahlen. In den sozialen Netzwerken entbrannte nach der ersten Enthüllung eine emotionale Debatte über den Verlust des iDrive-Drehreglers und die starke Fokussierung auf Touchflächen. Die realen Kaufentscheidungen der Kunden zeichnen ein völlig anderes Bild.
Über 100.000 Bestellungen verzeichnete BMW innerhalb der ersten zwölf Monate nach Reservierungsstart für den iX3. Das ungarische Werk in Debrecen musste die Produktion bereits auf einen Dreischichtbetrieb rund um die Uhr hochfahren, um die weltweite Nachfrage zu bedienen. Das belegt eindrucksvoll, wie BMW mit dem iX3 die Plattform ausrollt und welche Bedeutung das Modell für die Marke besitzt.
Autokäufer lassen sich von traditionellen Vorbehalten nicht bremsen, wenn das Gesamtpaket überzeugt. Schon trotz beachtlicher Reichweiten im Alltagstest bewies der iX3, dass die Technik der neuen 800-Volt-Architektur in der Praxis abliefert. Der Gewinn der Interior-Trophäe belegt nun, dass auch der radikale Schnitt bei der Ergonomie bei Fachjournalisten punkten kann. BMW riskierte viel mit dem Abschied vom gewohnten Bedienkonzept. Die Auszeichnung der GCOTY-Jury und die vollen Auftragsbücher geben den Entwicklern recht.
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