BMW iX3 gegen Rivian R2: Bayern patzt beim 66.000-Euro-Cockpit

Der direkte Schlagabtausch zwischen dem neuen BMW iX3 und dem Rivian R2 offenbart ein bizarres Bild: Auf der Straße deklassiert Münchens Neue Klasse das US-Startup mit herausragender Effizienz, doch beim Blick ins Cockpit kippt die Stimmung komplett. Wer für ein bayerisches Elektro-SUV umgerechnet rund 66.000 Euro (72.000 US-Dollar) aufruft, darf seine Kundschaft nicht mit billigem Hartplastik und nervigen Touchflächen abspeisen.
Touch-Wahn und Hartplastik: Warum BMWs Neue Klasse im Innenraum scheitert
Mit der Plattform der BMW Neuen Klasse begräbt der Hersteller den bewährten iDrive-Dreh-Drücksteller und verlagert nahezu jede Funktion in einen parallelogrammförmigen Touchscreen. Der Bildschirm reagiert zwar flott, quetscht Apple CarPlay jedoch in ein starres Rechteck mit hässlichen, toten Balken. Richtig praxisfremd geriet das M-Sport-Lenkrad: Die berührungsempfindlichen Tastenfelder liegen so ungünstig, dass man den Lenkradkranz loslassen muss, um durch Menüs zu schalten. Dass BMW nach dem weltweiten Gegenwind für Volkswagens Touch-Desaster denselben Fehler wiederholt, ist völlig unverständlich.
Dazu kommt eine Sparpolitik bei den Materialien, die in dieser Preisklasse schlicht frech wirkt. Im unteren Fahrzeugbereich dominiert raues, kratzempfindliches Hartplastik, während silber lackierte Kunststoffdrücker an den Türen krampfhaft Aluminium imitieren. Die Sitzverstellung besitzt die Haptik von billigem Spielzeug, und die netzartige Verkleidung auf der Armaturentafel entpuppt sich im realen Alltag schnell als hartnäckiger Schmutzfänger. Immerhin: Die breite Projektionsanzeige am Scheibenansatz entlastet den Zentralmonitor spürbar, indem sie Tempo, Wetter und Reichweite sauber im Blickfeld bündelt.
Der Rivian R2 führt den Münchner Premiumanspruch im Interieur regelrecht vor. Helle Bezüge, massives, offenporiges Treibholz und scheuerfeste Gewebematten schaffen eine wohnliche Atmosphäre im Stil des seligen BMW i3. Statt irritierender Sensorfelder setzt das Startup auf zwei adaptive Drehwalzen am Lenkrad, mit denen sich Klima, Lüftung und Tempomat blind bedienen lassen. Per Knopfdruck klappen gleich zwei vollwertige Handschuhfächer auf, Becherhalter gleiten mechanisch aus der Mittelkonsole, und ein zentraler Schalter senkt alle fünf Fenster inklusive Heckscheibe ab. Bitter für Apple-Nutzer: Rivian blockiert CarPlay und Android Auto konsequent zugunsten des eigenen Systems.
Fahrdynamik und Verbrauch: 4,0 Meilen pro kWh deklassieren 656 PS
Hinter dem Lenkrad demonstriert BMW eindrucksvoll, warum die Münchner beim Fahrwerk nach wie vor den Ton angeben. Trotz eines stattlichen Fahrzeuggewichts von rund 2.330 Kilogramm agiert der iX3 sportwagentypisch exakt, minimiert Karosseriebewegungen souverän und bietet messerscharfe Rückmeldung. Dass der BMW iX3 im Alltagstest ohne Ladestopp selbst Langstrecken mühelos abspult, spiegelt sich in den Testwerten wider: Bei brütender Hitze in North Carolina erzielte der bayerische Stromer exakt 4,0 Meilen pro Kilowattstunde (15,5 kWh/100 km). Wie schon der BMW iX3 im NAF-Reichweitentest mit über 780 Kilometern bewies, schlägt das hochentwickelte Thermomanagement die Konkurrenz deutlich.
Der Rivian R2 Dual-Motor Performance setzt auf schiere Kraft, wirkt auf der Straße aber spürbar unausgewogener. Zwar wuchten zwei Motoren gewaltige 656 PS an die Räder, doch das Fahrwerk verleugnet seine rustikalen Pickup-Wurzeln zu keinem Zeitpunkt. Ausgestattet mit einem 88-kWh-Akkupaket bringt der Amerikaner 2.250 Kilogramm auf die Waage, federt weicher, taumelt auf Bodenwellen aber auch merklich mehr als der straffe Deutsche. Mit 3,7 Meilen pro Kilowattstunde (16,8 kWh/100 km) bleibt der Verbrauch angesichts der kantigen Silhouette absolut im Rahmen. Seine offizielle EPA-Reichweite von 330 Meilen (531 Kilometer) verliert gegenüber dem BMW jedoch 130 bis 160 Kilometer Boden. Nervig: Die Rekuperation verzögert selbst in der schwächsten Stufe abrupt; echtes freies Segeln verwehrt die Software.
9.000 Euro Preisdifferenz: Praktischer Nutzwert schlägt bayerischen Hochmut
Bei den alltäglichen Detaillösungen zieht das US-Modell dem Traditionshersteller davon. Der vordere Kofferraum des Rivian R2 öffnet per Tastendruck von außen und bietet reichlich Stauraum für Ladekabel und Reisetaschen – beim BMW erfordert der Frunk den umständlichen Zughebel im Fußraum. Die separat versenkbare Heckscheibe des R2, ein praktisches Feature, das BMW unverständlicherweise aus den eigenen Touring-Kombis verbannt hat, erleichtert das Beladen im Parkhaus und belüftet den Fond optimal.
Finanziell verschärft Rivian den Druck auf das Segment spürbar. Die US-Basisversion startet bei rund 45.000 US-Dollar (ca. 40.000 Euro), während der gefahrene Dual-Motor-Testwagen voll ausgestattet bei 62.000 US-Dollar (rund 55.000 bis 57.000 Euro) liegt. Genau dort beginnt beim BMW iX3 erst die nackte Basisausstattung. Der gefahrene M-Sport-Testwagen kletterte auf 72.000 US-Dollar (rund 66.000 Euro) – eine saftige Differenz von rund 9.000 bis 10.000 Euro für ein Fahrzeug mit spürbaren Materialschwächen im Cockpit. Einen Haken gibt es für hiesige Interessenten dennoch: Da der Rivian R2 Marktstart in Europa verschoben wurde, rollen die ersten Kundenfahrzeuge frühestens 2028 auf deutsche Straßen.
Die wichtigsten Testdaten im Überblick
| Kriterium | BMW iX3 (Neue Klasse) | Rivian R2 Dual-Motor Performance |
| Systemleistung | 469 PS | 656 PS (Dual-Motor) |
| Batteriekapazität | Großes Akkupaket (>100 kWh geschätzt) | 88 kWh netto |
| EPA-Reichweite | ca. 410–430 Meilen (ca. 660–690 km) | 330 Meilen (531 km) |
| Testverbrauch | 4,0 mi/kWh (ca. 15,5 kWh/100 km) | 3,7 mi/kWh (ca. 16,8 kWh/100 km) |
| Leergewicht | ca. 2.330 kg | ca. 2.250 kg |
| Frunk-Bedienung | Nur von innen per Hebelzug | Elektrisch per Tastendruck von außen |
| Besonderheiten | Breites Panoramadisplay an Scheibenkante | Separat öffnende Heckscheibe, 2 Handschuhfächer |
| Smartphone-Anbindung | Apple CarPlay & Android Auto (mit Randbalken) | Kein CarPlay / kein Android Auto (nur Natives OS) |
| Testwagenpreis (US) | 72.000 US-Dollar (ca. 66.000 Euro) | 62.000 US-Dollar (ca. 57.000 Euro) |
| Basispreis (US) | 62.000 US-Dollar (ca. 55.000 Euro) | ca. 45.000 US-Dollar (ca. 40.000 Euro) |
| Marktstart Europa | Zeitnah verfügbar / Serienstart vorbereitet | Voraussichtlich erst 2028 |
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Danke für die Zusammenfassung des Videos. Ein wichtiger Punkt, der hier nicht erwähnt wurde: Die neue Klasse Front ist eine Wand aus Hartplastik und wirkt weder edel noch hochwertig. Ja, der Rivian ist auch Hartplastik. Trotzdem. Die Front wirkt in Natura deutlich edler (habe ihn in den USA live gesehen).
Ganz schön viel Meinung, dafür dass in keinem der Autos gegessen wurde.