Hyundai & Kia: ICCU-Kollaps stoppt 67.000 Elektroautos

schräge Frontansicht Hyundai Inster in der Stadt
Quelle: Hyundai
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Das Kraftfahrt-Bundesamt schlägt bei den 800-Volt-Stromern der Hyundai Motor Group offiziell Alarm: Unter den Referenzen 13860 und 013725 überwacht die Behörde in Deutschland den Rückruf von 67.159 Elektrofahrzeugen wegen eines plötzlichen Totalausfalls der Ladeelektronik. Betroffen sind der Kia EV6 (19.078 Einheiten), der Hyundai Ioniq 5 und Hyundai Ioniq 6 (zusammen 46.604 Einheiten) sowie die Genesis-Modelle GV60, G80 und GV70 (1.477 Einheiten). Was auf dem Papier mit 18 Minuten Ladezeit von 10 auf 80 Prozent glänzt, verwandelt sich im Pannenfall in einen gefährlichen Blindflug auf der Autobahn.

Auslöser ist kein kleiner Software-Glitch, sondern das thermische Zerbersten interner Leistungshalbleiter in der Integrated Charging Control Unit (ICCU). Brennt das Bauteil durch, reißt die Stromversorgung zum 12-Volt-Bordnetz ab und das Auto rollt nach kurzer Pufferzeit antriebslos aus.

Wenn das 12-Volt-Bordnetz am 800-Volt-Akku verhungert

Das Problem liegt in der extrem dichten Bauteil-Integration der E-GMP-Plattform. Die ICCU bündelt den On-Board-Charger für das AC-Laden mit bis zu 11 kW und den Low-Voltage DC-DC-Converter (LDC) in einem einzigen Gehäuse. Dieser Gleichspannungswandler ersetzt die klassische Lichtmaschine: Er transformiert die Betriebsspannung der Fahrbatterie von 650 bis 750 Volt permanent auf 12 bis 14 Volt herunter, um Lenkung, Scheinwerfer, Bremskraftverstärker und Steuergeräte zu speisen.

Dass selbst neuere Generationen wie beim Kia EV6 Facelift mit überarbeitetem Akku stetige Detailanpassungen erfordern, unterstreicht den thermischen Grenzbereich der Konstruktion. Untersuchungsakten der US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA (Az. 24V-204) legen den exakten Hergang offen: Beim Beenden von Wechselstrom-Ladevorgängen entstehen transiente Induktionsspitzen. Schlagen diese Spannungsspitzen auf thermisch vorgeschädigte MOSFET-Leistungstransistoren durch, bricht die Sperrschicht kurz.

Im selben Moment löst die interne 125-A-Hochvoltsicherung der Ladeeinheit aus, um einen Akkubrand zu verhindern. Damit ist die Hardware unwiederbringlich zerstört. Die Verbindung zwischen dem Hochvolt-Akku und dem Niedervoltbordnetz ist gekappt – ab dieser Sekunde läuft das gesamte Auto auf der kleinen Starterbatterie.

Betroffene ModellreiheBauzeitraumKBA-ReferenzAktionscode
Kia EV6 / EV6 GT20.04.2021 bis 28.02.2024013725240037
Hyundai Ioniq 513.01.2021 bis 29.02.202413860 / 01372541D022, 41D033, 41D041
Hyundai Ioniq 628.09.2022 bis 04.04.202413860 / 01372541D041
Genesis GV60 / G80 / GV70Modelljahre 2021 bis 202413860 / 01372541D041

Dumpfer Knall, Warnanzeige und die 15-Minuten-Frist

Im Fahrbetrieb kündigt sich der Ausfall dramatisch an. Fahrer hören zumeist einen dumpfen Knall oder ein lautes Ploppen aus dem Vorderwagen oder direkt unter der Rücksitzbank, wenn das Halbleitergehäuse platzt und die Sicherung durchbrennt. Zeitgleich meldet das Kombiinstrument: „Elektrisches System prüfen – sicher anhalten!“.

Die Elektronik drosselt sofort den Vortrieb und schaltet in den Schildkröten-Notlaufmodus. Offiziell verbleibt laut Herstellerangaben ein Notlauffenster von 22 bis 45 Minuten. In der Praxis schmilzt dieser Puffer drastisch zusammen: Laufen bei Dunkelheit oder Regen Scheinwerfer, Scheibenwischer, Gebläse und Sitzheizung, ist die kleine 12-Volt-Pufferbatterie oft schon nach 15 bis 20 Minuten leergesaugt. Fällt die Bordspannung unter den Schwellenwert der Steuergeräte, wirft die Bordelektronik die mechanische Parksperre rein und das Auto steht schlagartig unbeleuchtet auf der Straße.

Die Dringlichkeit belegt der offizielle KBA-Rückruf zur ICCU unmissverständlich. Wer bei der Warnmeldung versucht, sich noch bis nach Hause zu retten, riskiert schwere Unfälle. Ebenso gefährlich sind Starthilfe-Versuche mit Powerbanks: Bei einem bestehenden Kurzschluss im LDC entlädt sich die Batterie sofort wieder oder zerstört angrenzende Elektronikmodule. Hier hilft einzig der Transport auf einem Plateau-Abschlepper.

Zusätzlicher Stress entsteht durch Drittanbieter-Apps: Wer Telematikdienste nutzt, die den Fahrzeugstatus über die Bluelink- oder Kia-Connect-Schnittstelle im Minutentakt abfragen, weckt die Steuergeräte permanent auf. Der DC-DC-Wandler muss im Stand ständig nachladen – das treibt die thermische Dauerbelastung der Halbleiter zusätzlich in die Höhe.

Werkstatt-Diagnose: Fehlercode DTC P1A9096 und die PRA-Kostenfalle

In der Vertragswerkstatt erfolgt die Einstufung über das Diagnosesystem GDS:

  1. Kein Fehlercode im Speicher: Die Transistoren sind intakt. Die Werkstatt spielt ein Software-Update auf, das Sanftanlauf-Routinen integriert und Kühlmittelpumpen früher ansteuert.
  2. Fehlercode DTC P1A9096 aktiv oder historisch abgelegt: Die MOSFETs sind zerstört. Die gesamte ICCU samt 125-A-Hochvoltsicherung muss komplett getauscht werden.

Achtung vor kapitalen Montagefehlern: Tauscht eine Werkstatt leichtfertig nur die durchgebrannte Sicherung, ohne das defekte Steuergerät zu erneuern, schlägt der Kurzschluss beim Einschalten direkt in die Batterieeinheit durch. Das teure Power Relay Assembly (PRA) – die zentrale Hochvolt-Schützeinheit des Akkupacks – brennt ab und setzt den Fehlercode DTC P1B77. Dieser vermeidbare Fehler treibt den Gesamtschaden auf einen Schlag in ungeahnte Höhen.

5.000 Euro Reparaturkosten: Deutsche Kunden tragen das Risiko

In den USA reagierte der Hersteller auf Druck der Behörden mit einer Garantieerweiterung auf 15 Jahre oder 180.000 Meilen (TSB 26-EV-004H). Deutsche Autofahrer haben diese Sicherheit nicht: Hierzulande greift ausschließlich die reguläre Hochvolt-Garantie von 8 Jahren oder 160.000 Kilometern.

Ähnlich wie andere KBA-Rückrufe bei Hyundai wegen Batterieproblemen hinterlässt das Vorgehen einen schalen Beigeschmack. Wer einen Servicetermin überzieht oder Wartungen nicht exakt nach Herstellervorgabe abstempeln lässt, riskiert die Ablehnung von Kulanzanträgen. Außerhalb der Garantiefrist kostet der ICCU-Tausch samt Sicherung und Kühlmitteltausch zwischen 2.000 und über 5.000 Euro. Bei älteren Fahrzeugen grenzt das an einen wirtschaftlichen Totalschaden.

Zwar begeistert der Hyundai Ioniq 6 im Vergleichstest mit seiner konkurrenzlosen Ladekurve, doch auf dem Gebrauchtmarkt ist Vorsicht geboten: Vor dem Kauf muss das digitale Serviceheft zwingend auf die Erledigung der Rückrufaktionen 41D022, 41D033, 41D041 oder 240037 geprüft werden.

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4 Kommentare

  1. Hi,
    danke für den Artikel aber:
    Quelle bitte/ Inhalte verifizieren.

    Weder über die Marke/Modell-Suche, noch den KBA Referenzcode , noch den Aktionscode finde ich 23.10 11 Uhr) den Rückruf zum EV6/EV6GT.

    Vorangegangene Rückrufe (auch einer zur ICCU) werden gefunden, aber insbesondere der zur ICCU hat eine andere Referenz.

    Darüberhinaus gilt u.U. eine Garantieverlängerung für die ICCU 15 Jahre/ 300Tkm (je nach dem was früher erreicht wird).
    Danke für das Fact-Checking

  2. Hallo Jörn,
    zu den von Dir genannten KBA-Referenzen:
    13860 ist beim KBA für Ionic 5+6 registriert
    013725 ist dort nicht bekannt !??!

    also für Genesis kalter Kaffee? Du solltest das etwas genauer einordnen, um Genesisbesitzer nicht zu verunsichern.
    LG Jürgen

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